Josef Hader

Warum „Josef H.“? Als kleiner Bezugspunkt zu Kafkas Process. Den schätzt Josef Hader nebst Thomas Bernhard und Gustave Flaubert nämlich überaus. Auch Wien und das Wienerische ist ihm ans Herz gewachsen, kein Wunder bei einem „Lehrer“ wie Resetarits. TICKET erfuhr noch weitaus mehr „privates“ …

Wien wird gerne sehr verklärt dargestellt, mit einer reichen Kaffee-, Klimt- und Kunstkultur. Wie sieht Josef Hader Wien?

Josef Hader: Da bin ich befangen, weil ich wirklich gern hier lebe. Mein Eindruck ist, dass Wien so groß ist, dass man nicht dauernd auf Bekannte trifft, es aber trotzdem die Rauheit missen lässt, die andere Großstädte so haben, ich aber auf Dauer nicht aushalten würde. Immer wenn ich nach Berlin komme, denke ich: „Da ist es echt lässig!“ Ich weiß aber nicht, ob ich nach drei, vier Monaten immer noch so denken würde.

Ist Berlin tatsächlich eine Großstadt für Sie? Mir scheint, Berlin sind kumulierte Kleinstädte.

Josef: Das ohnehin, Berlin ist sehr bezirksmäßig organisiert, aber es herrscht fallweise eine sehr raue Art, sich etwas mitzuteilen. Man könnte sagen, Berlin ist ein breiter Fluss mit reißender Strömung. Wien ist eher ein ruhiger See.  Ich lebe lieber im ruhigen See, solang er nicht ganz verschlammt.

Nimmt man Privat für bare Münze, kamen Sie damals aus dem ober-/niederösterreichischen Grenzgebiet nach Wien direkt ins Kabarett Niedermair. Wie waren ihre tatsächlichen Eindrücke der Bundeshauptstadt?

Josef: Es war für mich wie das Gefühl,  wie wenn ein Fisch ins Wasser kommt. Ich hatte keinen Führerschein, war am Land mobilitätsmäßig dauernd abhängig von Freunden. Und ich habe mich dort nie richtig daheim gefühlt, weil ich ja mit 10 ins Internat gekommen war. Es war eine schöne Zeit, aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl von Wochenendurlaub. In der Stadt habe ich vom ersten Moment an gespürt, dass ich dazugehöre. Anfangs staunt man über alles und geht irrsinnig viel in Konzerte, ins Theater, in die Oper. Später ist Wien immer mehr zur Heimat geworden,  manche Ecken werden ja auch in der Stadt zu Dörfern, wenn man lang dort lebt. Wenn ich damals die Josefstädter Straße hinuntergegangen bin, ist vor seinem Optikergeschäft der Giovanni  Maurer gestanden, vor seinem Biomatratzengschäft der Heini Staudinger. Daneben ist das Kabarett Niedermair, wo ich begonnen habe, Kabarett zu spielen. Und gegenüber ist das Café Eiles mit dem Herrn Kurt. Das ist der Ober, der damals genau gewusst hat, was ich der Reihe nach trinke, wenn ich den ganzen Tag dort schreibe. Jetzt bin ich im neunten Bezirk am Donaukanal,  genau an der Grenze zwischen Innenbezirk und Vorstadt, das ist mein derzeitiges Dorf in Wien.

Nachdem Sie als Landbub dann gleich die Theaterszene unsicher gemacht haben – was ist es für ein Gefühl, wenige Jahre später dann selbst auf den Brettern beispielsweise der Burg zu stehen?

Josef:  Man ist in dem Moment, in dem man das erste Mal im Burgtheater spielt, eher damit beschäftigt zu schauen, wie der Raum ist, welche Schwierigkeiten er hat. Man hat dadurch überhaupt keine Zeit für andere Überlegungen. Ich setzte mich bei der technischen Probe dann gerne in die letzte Reihe, da kriegt man ein Gefühl dafür, wie man spielen muss, dass man den dann noch erreicht, der da sitzt.

2008 erschien eine CD von Ihnen und Ostbahn-Kurti mit einer Vorstellung des Wiener Dialekts. Was ist für Sie das „Wienerische“?

Josef: Wenn man von den Bundesländern nach Wien kommt, ist es ganz wichtig, wer einem am Anfang die wienerische Sprache näher bringt. Ich hab das Glück gehabt, dass ich relativ früh den Lukas Resetarits kennen gelernt habe und wenn man mit dem am Tisch sitzt und sein Wienerisch hört, das zu jeder Ironie und Feinheit fähig ist, dann liebt man es vom ersten Moment an. Das Wienerisch ist sehr weich und differenziert. In Deutschland gibt es Kollegen, die meinen, sie könnten einige brutale Wahrheiten nicht so aussprechen wie ich, weil es in ihrer Sprache einfach zu hart klingen würde.

Sie haben zuvor das Internat angesprochen. Nebst selbigem findet man ihre Großeltern und die katholischen Kirche gerne in ihren Stücken verwoben. Gerne werden diese drei Pfeiler als ausschlaggebende Elemente für die „(Kunst)figur“ Hader bezeichnet …

Josef: Das sind die Teile, auf die sich die Journalisten gerne stürzen, weil es halt gut zu erzählen ist. Ich glaube, dass ich wie jeder Mensch von der Phase zwischen Kindheit und dem 18. Lebensjahr sehr geprägt wurde. Aber Internat und Bauernhof klingt halt lustiger. Wie weit diese Prägung dann reicht, kann glaub ich keiner wirklich beschreiben, weil es ein Prozess ist, der mit einem passiert. Wenn ich an die Zeit am Bauernhof denke, dann ist es zuerst große Geborgenheit und dann ein Schock der Schule, der Anforderungen – und ist sofort besetzt worden mit Angst, etwas nicht zu schaffen. Die habe ich bis jetzt. Wie auf Knopfdruck, das geht nimmer weg.

Hatten Sie eine schwere Zeit am Internat?

Josef: Am Anfang schon, später weniger. In der Oberstufe ist es dann besser geworden.

Ihr „Hit“ war Privat im Jahr 1994, das letzte Programm war Hader muss weg 2004, aktuell touren Sie mit einem Best-Of, das im Grunde doch keines ist, durch Österreich. Wie bleibt Altes über eine derartige Zeitdauer für den Künstler selbst frisch und ödet nicht an?

Josef: Hader spielt Hader ist im Grunde auch eine Vorschau auf das neue Programm, weil ich da auch immer ein paar Sachen ausprobiere. Mir gehen ein paar Gedanken durch den Kopf, wie nach meinem letzten „Theaterprogramm“  im nächsten Programm zeitgemäßer Stand-Up ausschauen könnte. Dabei entwickle ich auch eine bestimmte Figur, dadurch spielt man die Texte völlig anders als man sie damals gespielt hat. Dann improvisiert man im Lauf der Monate wieder etwas dazu, am Ende wirkt es weder für mich noch für die Zuseher so, als würden alte Texte reproduziert werden. Wenn ich die momentane Nummer aus Privat mit Aufnahmen aus der damaligen Zeit vergleiche, würde man  den Texte fast nicht wiedererkennen, weil das so überformt ist und eine ganz andere Erzählweise hat. Ich war damals viel weicher, viel bedächtiger, sehr zurückgelehnt. Jetzt bin ich spitzer, angriffiger und zynischer. Vielleicht ist das ein natürlicher Alterungsprozess, dass man schneller wird, je weniger Lebenszeit man hat.

Anfang 2000 fand bei Ihnen ja auch eine Zäsur statt, waren Sie vermehrt im Kino und im Fernsehen zu sehen … Ein bewusster Schritt weg von der Bühne?

Josef: Es kommt immer drauf an, welche Chancen man kriegt in welchem Bereich. Ich habe eigentlich sehr wenig gemacht, in den letzten 10 Jahren vielleicht drei Kinofilme und zwei, drei Fernsehfilme. Das ist das, was ein normaler Schauspieler in zwei Jahren macht. Ich bin also nicht dorthin abgewandert, sondern habe nur bewusst bestimmte Projekte vorangetrieben. Seit 2009 war ich vermehrt am Schreiben, ein Projekt ist nichts geworden, ein anderes noch nicht reif. Ich wollte auch nie hauptberuflich Schauspieler werden und habe auch nicht alle Angebote angenommen – abgesehen davon, dass es ohnehin nicht so viele sind, die ich bekomme. Es war mir immer wichtig, dass Filme mit mir etwas Besonderes sind. Ich muss ja nicht davon leben. Bevor ich bei was ganz Normalem mitspiele, hab ich mir immer gedacht, da fahr ich lieber herum und spiel mein Programm.

Was schreiben Sie seit 2009?

Josef: Der Wolfgang Murnberger und ich haben ein Drehbuch geschrieben, das ist von der Filmförderung aber abgelehnt worden und jetzt schreiben wir am nächsten Wolf Haas-Krimi und hoffen, dass wenigstens das gefördert wird. Ich schreibe auch an einem eigenen Projekt, das aber noch nicht so spruchreif ist. Ich versuche zwischen Mai und September, in der Zeit wo ich wenig spiele, viel zu schreiben, auch abseits vom Kabarett. Im Herbst und Frühjahr wird dann wieder gespielt. Ein neues Programm kostet ein ganzes Jahr zum Schreiben. Vielleicht gibt’s für den Film eh bald gar keine Förderungen mehr und dann ist wieder mehr Zeit fürs Kabarett.

Hängen nach so vielen Jahren alte Witze eigentlich beim Hals heraus – oder wird Ihnen nicht allzu oft das „Du“ angeboten, so unter Maturanten, oder ein „Wer?“ herausgelockt?

Josef: Eine so lange Halbwertszeit hat das zum Glück nicht. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich so oft auf Privat oder Indien angesprochen werde – eher auf neuere Sachen wie den Aufschneider. Das tät mich ehrlich gesagt auch etwas deprimieren, wenn ich nur auf die alten Sachen angesprochen werden würde (lacht).

Bei den Haas-Verfilmungen waren Sie sehr stark in den Prozess des Drehbuchschreibens involviert, ebenso beim Aufschneider, zudem haben Sie erfolgreich das Studium der Germanistik abgebrochen. Österreichische Literatur – Ihr Steckenpferd?

Josef: Seit ich das Studium abgebrochen habe bin ich ein sehr schlechter Leser und schaffe vielleicht ein, zwei Bücher im Sommer, auf Tournee leider überhaupt nichts. Ich habe zu keiner Literatur, auch nicht zur österreichischen, ein besonders inniges Verhältnis, sondern eher zu bestimmten Autorinnen oder Autoren. Bei österreichischer Literatur im weitesten Sinne wären das vermutlich Franz Kafka und Thomas Bernhard. Generell interessieren mich bei allen Kunstrichtungen eher die, die ein bisschen an eine zumutbare Grenze gehen. Mein Lieblingsroman ist von Flaubert Die Erziehung des Herzens,  da geht’s um einen Studenten, der im revolutionären Paris in den Jahren um 1848 sein ganzes Leben verplempert. Das ist eines der besten Bücher über Politik, weil man merkt, dass jede Revolution von ganz banalen egoistischen Interessen benutzt wird. Ich bin sehr leidenschaftlich was Literatur anbelangt, aber leider nur im Hinblick auf ganz wenige Bücher.

Josef Hader in einer bernhardschen oder kafkaesken Rolle am Theater?

Josef: Ich hab den Eindruck, dass es dafür wirklich gute Spezialisten gibt, die das können. Deshalb hat es mich nie so zum Theater gezogen. Mit meinen wenigen Theaterausflügen war ich nie sonderlich zufrieden. Ich habe den Eindruck, dass ich lieber etwas schreiben und dann spielen sollte, dann kommt eher was Interessantes heraus.

Sie haben vorhin angesprochen, dass es im Österreichischen Film immer schwieriger wird, Förderungen zu erhalten. Er findet zudem im Ausland, auch im deutschsprachigen, nicht unbedingt die Beachtung, die er verdient hätte.

Josef: Man muss sagen, das  s die österreichischen Arthaus-Filme in ganz Europa sehr stark wahrgenommen werden. Vor einigen Jahren war Österreich wirklich ein Vorbild in dieser Hinsicht, auch für Deutschland. Komödien haben generell das Problem, dass sie über ein Milieu funktionieren, außer, es ist eine Plastikkomödie, wie man es vor allem aus Deutschland und Amerika her kennt. Aber normalerweise hat Komödie immer mit Milieu zu tun, und ein Milieu ist nicht so leicht übersetzbar.

Deutschland und Österreich, auch im Humor ein Kampf der Nationen …
Josef:
Es ist eine oberflächliche Wahrnehmung, die beide Länder voneinander haben. Für die Deutschen ist der österreichische Humor sehr stark der schwarze Wiener Humor – außer, er lernt zufällig einen Tiroler Skilehrer kennen, dann hat er wieder einen anderen Begriff von österreichischen Humor. Für uns ist deutscher Humor vorwiegend das, was uns über das Fernsehen erreicht,  das ist der westlichste Humor rund um Köln, wo auch zahlreiche dieser Comedy-Sendungen gemacht werden. Wenn man in Deutschland herumfährt ist es genauso wie in Österreich, dass jedes Bundesland eine eigene Art von Humor hat.

Wird Hader in Deutschland anders wahrgenommen?
Josef:
Man lacht nicht an anderen Stellen. Es hängt eher davon ab, wo man sich befindet, in einem Theater lachen die Leute anders als in einer Uni – das ist aber in München und Wien zirka gleich.

Was im Kabarett hier mehr wie dort auffällt ist die doch sehr dominante Geschlechterschere. Sind Frauen unlustig?
Josef:
Ich glaube, es hängt sehr stark mit den traditionellen Rollenbildern von Frau und Mann zusammen, die man in unserer Gesellschaft immer noch hat. Es ist bei einem Mann, der  angeblich souverän sein soll und stark, irgendwie komischer, wenn er diese Rolle verliert. Eine Frau hat es viel schwerer, diesen Effekt zu erzeugen. Man nimmt eine gewisse Ich-Bezogenheit, die Art, über eigene Probleme zu reden, Schwächen zu zeigen, bei einem Mann viel besser auf. Man sollte sich einmal vorstellen, Woody Allen wäre eine Frau.

Wenn Sie – als „alter Hase“ – einen kritischen Blick auf die heutige junge Kabarettszene werfen …
Josef:
… dann würde ich mir denken, dass man ständig das Gefühl hat, dass immer wieder interessante Kabarettisten nachkommen, die Jungen es aber ungleich schwerer haben und länger brauchen, um wahrgenommen zu werden, weil es schon so viel gibt. Leute wie Thomas Stipsits wären damals schon früher stärker wahrgenommen worden.

Mit Kreisler und Loriot sind letztes Jahr zwei Größen des deutschsprachigen Humors gestorben. Wie weit haben diese Sie beeinflusst?
Josef:
Kreisler sehr stark in den Liedern, Loriot habe ich nicht so miterlebt. In der Zeit, wo seine Sachen im Fernsehen gelaufen sind, war ich im Internat.

Stichwort Musik: In Ihrem letzten Programm ist das Musikalische von früher flöten gegangen …
Josef:
Das Stück war nicht das richtige dafür. Auch Im Keller war ohne Musik. Es ist anscheinend immer so, dass ich einmal ein Stück mache, das wie ein Theaterstück ist und beim nächsten Mal habe ich so Sehnsucht, das Publikum wieder direkt anzusprechen, dann wähle  ich die klassische Form.  Das würde bedeuten, das nächste Programm ist wieder mit Liedern, aber so genau weiß ich das noch nicht. Man kriegt im Laufe des Schreibens ein Gefühl, ob die Lieder das Stück zerreißen oder nicht.

Was hört Hader privat?
Josef:
Hörbücher, das ist meine Art, auf Tournee lesen zu können. Ansonsten eher klassische Musik.

Was wäre das letzte Musikstück, das Sie auflegen würden, bevor die Welt den Bach runter geht?
Josef:
Das ist eine harte Frage … (nach längerem Nachdenken) Die dritte Sinfonie von Beethoven.

„Es gibt kein Thema, das nicht humoresk bearbeitet werden kann“. Wahr oder falsch?
Josef:
Wahr! Wenn man ein Gefühl für den Umgang mit ernsten Themen hat, würde ich das sofort unterschreiben. Ich habe zwei Wochen nach 9/11 – meiner Meinung nach durchaus korrekt – das Thema auf der Bühne behandelt, und die Hälfte der Zuschauer hat in der Pause den Raum verlassen und ist nicht mehr wieder gekommen. Ich glaube aber dennoch, richtig gehandelt zu haben, ich habe versucht, mit großem Respekt vor den Opfern, Relationen herzustellen und das ist in der Zeit, in der vor allem in Deutschland alle auf Trauer aus waren und keine einzige Comedy-Sendung mehr stattgefunden hat. Man hat sich gefragt, ob man jemals wieder wird lachen können – und da hat es mich sehr gejuckt, diese Relation zwischen den Opfern des Terroranschlages und den anderen unnötigen Toten eines jeden normalen Kalenderjahres herzustellen. Dafür ist nämlich aktuelle Satire vor allem da: um richtige Relationen herzustellen. Etwa, wie es Stermann/Grisseman mit ihrer Sendung über das Haider-Begräbnis gemacht haben. Aber es gibt dann natürlich Leute, die der Meinung sind, „darüber“ macht man sich nicht lustig. Genau da wird es aber spannend.

Wenn man zeitgenössische „Problemzonen“ behandelt – in wie weit läuft man da als Künstler nicht Gefahr, jenen, die man geringschätzt, eine Bühne zu bieten?
Josef:
Da bin ich irgendwie der falsche Adressat, weil ich diese Art von Kabarett seit vielen Jahren nicht mehr mache. Ich glaube aber, grundsätzlich, dass diese gutgemeinten Ratschläge des Totschweigens eine sehr defensive Strategie sind, die nicht aufgeht. Es ist viel besser, Dinge  intelligent zu thematisieren. Es ist aber so, dass nicht nur die Politiker heutzutage primitiver sind, sondern auch die Journalisten oft oberflächlich und nicht gut vorbereitet. Es können bestimmte Politiker ungestraft alles vom Himmel herunterlügen, wo sich zwei Tage später herausstellt, dass das eigentlich gar nicht stimmt – und ein guter Journalist müsste auf sowas eigentlich vorbereitet sein und damit gleich im Interview aufräumen. Man hat ja generell das Gefühl, dass man heute von Politikern regiert wird, die vor zwanzig Jahren vielleicht einmal Sekretäre gewesen wären, ein schleichender Verfall des Personals. Beim Journalismus ist es genauso, viele Fragen sind mechanisch, scheinkritisch, da geht’s darum, jemand auf eine Aussage festzulegen: „Treten Sie zurück, wenn das passiert …?“ Das ist eigentlich Kindergarten. Jeder gescheite Mensch weiß, dass ein kluger Politiker sich nicht auf Eventualitäten festlegen lässt. Und das sind dann die sogenannten kritischen Fragen …

Ein gutes Beispiel hierfür ist ja Armin Wolf, dem man wiederum vorwirft, er würde sich profilieren …
Josef:
Ich muss ehrlich sagen, es widerstrebt mir, über etwas zu reden, was ich selber nicht dauernd verfolge. Ich bin oft in Deutschland und tu generell wenig fernsehen, da kann ich über seine Arbeit nicht wirklich was sagen. Ich habe den Eindruck, dass er zu den besseren gehört. Ich bin erst jetzt vor kurzem draufgekommen, dass man sich im Internet die Sendungen nachträglich anschauen kann, weil ich so ein Steinzeit-Internetnutzer bin. Jetzt werde ich vielleicht in einem Jahr über die Arbeit von Armin Wolf mehr wissen. Die Sommergespräche sind ohnehin noch niemandem gelungen. Man möchte einerseits von der Tagespolitik wegkommen, andererseits keinen Schmusekurs fahren – und das ist immer schwierig. Wie schwierig dieses Geschäft ist merkt man dann, wenn in diesen Gesprächen Künstler plötzlich mit Politikern reden sollen. Selbst der primitivste Politiker hat im Laufe seiner Karriere so viel taktisches Gespür entwickelt, dass er mit einem Künstler jederzeit Schlitten fahren kann.

Braucht man als Kabarettist eine dicke Haut?
Josef:
Das kommt drauf an – ich habe keine und lege meinen Beruf so aus, dass ich sie auch nicht brauche. Wenn ich als Provokateur beinhartes, politisches Kabarett machen würde – dann ja. Aber ich weiß, das würde ich nicht bringen, da würde ich alle Krankheiten davon bekommen. Wenn man aber eine wöchentliche Fernsehsendung hat und darin an die Grenzen geht, dann braucht man die sehr wohl …

Als Schauspieler und Kabarettist sind Sie bereits in allerlei Persönlichkeiten getaucht. Wie viel Hader steckt in jenen?
Josef: Man bastelt sich immer einen Charakter zusammen. Ich bin kein Kaliber, der stets einen völlig anderen Menschen darstellen kann, aber ich versuche immer, für jede Figur Dinge von mir zu benutzen und andere wegzulassen – und andere, fremde dazu zu nehmen. Das ist irgendwie so ein Handwerk … Beim Aufschneider war es zum Beispiels so, dass diese ruppige Art, dieser Jähzorn der Figur etwas ist, das ich mir erarbeiten musste, weil ich das privat überhaupt nicht habe. Aber man sollte sich selbst immer durchschimmern lassen, sonst wirkt man unnatürlich. Der Brenner in den Haas-Filmen, der Primar Fuhrmann im Aufschneider, der Ulrich Lenz in Ein halbes Leben, das sind hoffentlich Charaktere, die man voneinander unterscheiden kann. Es gibt ja auch Schauspieler, die in jeder Figur immer nur sich selber spielen, von denen versuche ich mich schon zu unterscheiden, ich weiß aber nicht, ob das auch so ankommt (lacht).

Gehen Sie privat noch gern ins Kabarett?
Josef:
Ich gehe nicht sehr oft, wenn ich ehrlich bin, ich arbeite ja selbst meist abends. In der warmen Jahreszeit während der Schreibphasen ziehe ich mich eher zurück. Aber ich schaue mir immer wieder die interessanten Sachen an, von denen ich höre, und dann gibt’s ein paar Kolleginnen und Kollegen, von denen ich mir jedes Programm anschaue. Ich habe mich als junger Kabarettist immer geärgert, wenn die Etablierten nicht in meine Vorstellung kamen, kann aber nicht ganz ausschließen, dass es junge gibt, die jetzt so über mich denken. Was ich jedes Jahr versuche ist, einen bunten Abend im Theater am Alsergrund zu machen und dadurch ein paar jüngere kennenlerne, die gerade so am Aufstreben sind. Hosea Ratschiller zum Beispiel ist für mich ein sehr spannender junger Kollege.

Nicht minder interessant und spannend verheißt ja auch 35 Jahre Lukas Resetarits zu werden …
Josef:
Da bin ich auch schon gespannt, allerdings ist bei mir Angst auch dabei (lacht). Sowas ist nicht leicht, eine Nummer spielen, die gar nicht vor mir ist, insbesondere in einem so großen Raum …

Vertreten sind neben Ihnen und Stipsits auch zahlreiche renommierte Namen, die beinahe alle aktuell mit einem Best-Of auf der Bühne stehen und Jubiläen feiern …
Josef:
Ich habe solche Best-Ofs immer dazwischen gehabt, aber das weiß niemand mehr, weil ich meine Programme so selten wechsel. Ich brauche das eher um zu wissen, in welche Richtung es bei mir weitergehen soll …

Interview: Stefan Baumgartner

Hader spielt Hader ist zurzeit in ganz Österreich zu sehen, u.a. am 9. Oktober im Wiener Burgtheater, im November im Linzer Posthof, im Grazer Orpheum und Salzburger Republic und im Dezember im Rahmen des Kulturherbst Wiener Neustadt am 6. Dezember.

 

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