Kampfhörspiele aus dem japanischen Ruhrgebiet

Irgendwie wurde aus der „endgültigen Auflösung“ der deutschen Pop-Punk-Grinder Japanische Kampfhörspiele im Januar 2011 doch nix, auch wenn Kather im letzten Jahr noch heftig dementierte. Gemeinsame „Nachfolgeprojekte“, die Kampflektüre und Neuauflagen von T-Shirts waren erst der Anfang von etwas Großem: „Wir sind wieder da“, sangen dereinst Die Ärzte. Die Ruhrpotter nun auch. „Hurra!“

 

Ich habe es ja schon immer gesagt – irgendwann wird euch Ruhm und Reichtum wieder zusammenführen, trotz eures dereinstigen kategorischen Aus. Was gab den Anlass, die unterschiedlichen und zahlreichen Geister wieder unter einen Hut zu bringen? Und: Wieso heißt es bei Entscheidungen bei euch stets „nie“, obwohl ihr eh wisst, „niemals nie zu sagen“, so wie bei Monty Python?

Bony: Mir war schon vor drei Jahren klar, dass das nicht alles war. Ich dachte nur, es würde länger dauern, die Leute wieder zusammenzukriegen.

Christof: Was? Du hattest doch gesagt, dass es für eine Reunion zu früh sei, als ich drei Monate nachdem wir uns aufgelöst hatten eine solche anregte!

 

Damals lag es also nicht nur an den Um-, sondern auch den „In“ständen, dass man die Japanischen Kampfhörspielen zu Orpheus schickte, haben sich gewissermaßen – so heißt es – Lager in der Band gebildet …

Bony: Interessant ist, dass die Lager sich selber nie für solche gehalten haben. Die Lager sind nun aber geschlossen und werden auch nicht als kulturhistorische Gedenkstätten aufrecht erhalten.

Christof: Das mit den In-Ständen hast du vielleicht falsch verstanden damals. Gemeint war, dass wir einfach zu in waren. Im Sinne von „zu pop“.

 

Gut, „zu pop“. Das hat sich ja mit den „Nachfolgeprojekten“ ein klein wenig geändert. Im ersten Interview nach der Wiedervereinigung mit Radio Blau gingst du, Christof, durchaus d’accord mit der Aussage, die „Projektveröffentlichungen“ Mädchendreck und das Oldschoolformat hätten auch unter dem Banner Japanische Kampfhörspiele passieren können. Dennoch: Die Verkäufe fielen weitaus geringer aus. Woran liegt’s? Immerhin kann man durchaus annehmen, dass bekannt war, wer hinter den beiden Projekten steckte.

Christof: Die entsprechenden Sachen wurden halt nicht live aufgeführt. Und nur live wird aber gekauft. Zuhause bezahlt doch keiner für Musik. Erst recht nicht für die, die man total geil und unterstützenswert findet.

 

Meinst du? Immerhin ist das breite Feld zwischen AOR und Zumba-Grind als äußerst kaufwütig verschrien, und Japanische Kampfhörspiele glänzten jetzt auch nicht wirklich mit wahllos vielen Auftritten, vor allem außerhalb Deutschlands … Qualität vor Quantität, live wie auf Platte, nicht?

Christof: Trotzdem: Auch Zander und Rambozambo-Grind verkaufen nur live. Wenn man sich dann rar macht, verkauft man auf einen Schlag umso mehr. Aber überhaupt mal live spielen muss man schon!

Bony: Das „Oldschoolformat“ hat keiner gekauft, weil vorne nicht JAKA draufstand. Dabei ist diese Platte genau so entstanden wie damals die „Hardcore aus der ersten Welt“. Sie ist sogar mehr JAKA als „Kaputte nackte Affen“.

Christof: JAKA stand da schon vorne drauf! In Form eines werbewirksamen Aufklebers. Hat aber außer vielen illegalen Downloads nichts gebracht.

 

Gutes Stichwort: Was ist Japanische Kampfhörspiele– in exakt 140 Zeichen?

Bony: Das hab ich ganze acht Jahre selber versucht zu definieren und bin jedes Mal kläglich gescheitert. Drum überlasse ich das dem Kather.

Christof: Mit Leerzeichen? Dann „                                                                                                                              “.

 

Sind zwar 139, aber lasse ich mal gelten. Und ohne?

Christof: „Enemenemösenschleimenemenemu“.

 

Japanische KampfhörspieleGut, zählen ist wohl deine Stärke nicht. Deswegen auch nach wie vor kein Twitter-Auftritt von Japanische Kampfhörspiele … Die Wiederkehr passiert im letzten Line-up, vermutlich minus Klausi, der ja nun bei Onkel Tom die Saiten würgt. Bisher zeichneten hauptsächlich Bony und du, Kather, für Songwriting verantwortlich, nicht selten auch für das Einspielen. Wird dieses Procedere nun weitergeführt oder haben sich nach der Pause andere Ansatzpunkte und Arbeitsweisen entwickelt?

Bony: Zum Glück ist Robert wieder mit im Boot. Der bringt viele verspielte aber sehr unterhaltsame Ideen mit ein. Ob Klaus live mit dabei sein wird, klären wir im Januar.

Christof: Man kann sogar sagen, dass die allermeisten Riffs dieses Mal von Robert kommen. Drei Tracks sind sogar von vorne bis hinten von ihm allein komponiert worden. René, der live nicht mehr dabei sein wird, hat ebenfalls noch zweieinhalb Stücke gemacht, die auf das Reunionalbum kommen. Und auch von Klaus sind einige Riffs auf der Platte. Es sind also insgesamt vier Gitarristen an dem Reunionalbum beteiligt. Dieselben vier, die auch auf dem Abschiedsalbum dabei waren. Ob Klaus live dabei sein wird, klärt er im Januar. Von uns aus darf und soll er gerne. Zwingen können wir ihn aber ja nun mal nicht.

 

Es sind (bis zu) drei Gastsänger für die neue Scheibe im Gespräch. Ist Wendler da auch mit dabei? Und: Nach Mille dürfte sich der Wilderer Onkel Tom doch in Kathers Keller bequemen dürfen, nicht?

Christof: Was die Gastsänger angeht, bin ich am allergespanntesten.

 

Lenzig wird es ja wohl nicht sein, nachdem aus seinen Spuren für Fake Idyll #2 ja auch nicht wirklich viel wurde. Aber mal ehrlich, ein bisschen über den Status „selbst drauf gespannt sein“ wird die neue CD doch schon hinaus sein, oder?

Christof: Also gut. Der R hat schon abgeliefert. Der Z kommt im Januar in den Keller. Und für den T müssen wir erst einmal noch eine Nummer raussuchen, die er machen kann.

Bony: Das Geile an Japanische Kampfhörspiele ist doch, dass man bis eine Stunde vor Abgabe im Presswerk selbst nie weiß, was noch alles passiert.

Christof: Jedenfalls nicht genau!

 

R, Z und T lassen immerhin noch 27 Buchstaben übrig, die noch von heute bis Presswerk passieren können. Wie sieht’s mit Song- und Albumtitel aus?

Christof: Der Z macht ein Stück, das heißt Der neue Hitler. Ein anderer geiler Song wird Stammzellen oder so ähnlich heißen. Wer nun aber denkt, die Scheibe würde wieder supersozialkritisch, liegt ganz richtig. Der Albumtitel muss noch ausdiskutiert werden. Es gibt einen, der auch super zu den Texten und zum Coverartwork passt. Bony ist aber noch nicht ganz d´accord mit ihm. Muss anscheinend noch ein, zwei Bücher von Noam Chomsky lesen, bevor auch er ihn gut finden kann.

 

Wie schaut es nun eigentlich aus mit Fake Idyll #2, die ja noch vor der neuen CD von Japanischen Kampfhörspiele, nämlich im Jänner, kommt? Die soll ja nun ob Lenzigs Faulheit oder Überbeschäftigung instrumental werden, was ihr angeblich auch besser stehen soll. Wodurch unterscheidet sich hier die musikalische Basis vom Debüt, dem die Stimmen ja durchaus mehr als gut standen?

Christof: Dem Debüt stehen die Vocals sehr gut. Das stimmt. Es hätte auch instrumental funktioniert, die Vocals haben ihm aber tatsächlich den allerletzten Schliff gegeben. Bei dem nun kommenden Album wären Vocals definitiv too much, da die Musik allein schon so geil ist, dass da etwas verloren ginge, wenn da noch jemand drüber grunzen würde. Das sage ich jetzt nicht, weil ich aus der Not eine Tugend machen wollte – weil Lenzig eben nichts abgegeben hat. Er hat ja auch was abgegeben. Für 11 Tracks haben wir Gesangsspuren von ihm erhalten. Die waren aber allesamt wirklich scheiße, so dass wir am Ende hofften, dass er von sich aus sagen würde: Macht mal ohne mich. Wir sind ja eben auch sehr höfliche Menschen und wollten ihn nicht rausschmeißen. Ganz zum Schluss haben wir ihm gemailt, dass wir die Platte nun erstmal instrumental veröffentlichen würden und wir eine Version mit Vocals ja später machen könnten, wenn er alles eingegrunzt hat. 2015 oder 2016. Daraufhin hat er sich nicht mehr gemeldet, und wir können nun also die Platte guten Gewissens instrumental veröffentlichen.

Bony: Ich habe die Platte neulich auszugsweise bei Robert gehört. Sie ist wesentlich tiefgängiger, in sich stimmiger und klingt vor allen Dingen wesentlich transparenter.

 

Wie schaut es mit den musikalischen Pfaden neben Japanische Kampfhörspiele aus, die zwischenzeitlich beschritten wurden? Werden die nun eingestampft?

Bony: Meine Soloband heißt The Farewell Room. Das Debütalbum Everyone You Love Is Gonna Die erscheint im späten Frühjahr.

Christof: Dieser Titel ist also damit schon einmal weg und kann nicht mehr fürs neue Japanische Kampfhörspiele-Album genommen werden. Mädchendreck machen erst wieder was, wenn Nonstop Spritzen sich aufgelöst haben. Diese beiden Bands sind nämlich Todfeinde, muss man wissen.

 

Stormbringer

Dieses Interview wurde für Stormbringer.at geführt und ist auf jener Seite auch in voller Länge abgedruckt.

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