Keine Zweifel an No Doubt

Wenn  eine Band elf Jahre lang kein neues Album veröffentlicht und nur gelegentlich mit Greatest-Hits-Sammlungen und Konzerten kurzfristig auftaucht, die Front-Frau zwei Solo-Projekte und zwei Schwangerschaften hinter sich bringt, ist die Band-Karriere eigentlich vorbei. Nicht so bei No Doubt!

Was für ein fröhliches Album!

Adrian Young: Danke, dass du das sagst. Aber wenn wir ins Studio gehen, können wir nie vorhersehen, was dabei herauskommt. Wir waren selbst überrascht, wie energiegeladen die neuen Songs sind.

Wie hat es sich angefühlt, nach elf Jahren wieder ein neues Studioalbum aufzunehmen?

Adrian: Im Grunde war es ja keine so lange Pause. Nachdem wir Rock Steady herausgebracht hatten, waren wir auf einer langen Tour, danach gab es ein Greatest-Hits-Album mit einem neuen Titel. Okay, das war schon 2004. Gwen hatte dann noch ihre beiden Solo-Platte. 2009 gab es einige Konzerte und abseits des Music-Biz war ja einiges los. Immerhin gab es acht Babys in der Band. Wir waren also wirklich busy!

Was macht No Doubt so einzigartig? Andere Bands wären nach elf Jahren ohne Album längst in Vergessenheit geraten?

Adrian: Eine großartige Frage! Wir können uns deshalb äußerst glücklich schätzen. Klar, Gwen ist ein Superstar, und zusätzlich haben wir einen einzigartigen Sound. Den gibt es schon seit den Anfangstagen, der lässt sich einfach in keine Schublade stecken.

War es eine Überraschung, dass der neue Longplayer Push And Shove gleich ganz oben in die US-Charts geschossen ist?

Adrian: Wie soll ich das beantworten, ohne dass es überheblich klingt… Es hat uns nicht so sehr überrascht, denn die Single Settle Down wurde bereits Wochen bevor das Album erschienen ist ständig im Radio gespielt. Wir hatten also eine Vorahnung, dass alles gut gehen würde.

25 Jahre No Doubt. Das ist eine ganz schön lange Zeit…

Adrian: Yeah! Wir machen noch immer den gleichen Job, wie früher! Heute kommt zur gemeinsamen Musik noch dazu, dass wir zur selben Zeit unsere Kids aufziehen. No Doubt umspannt also jetzt schon zwei Generationen, was ziemlich selten ist. Und es fühlt sich einfach nur großartig an.

Du hast selbst zwei Kinder. Ist der Spagat zwischen dem Papa-sein und dem Job als Rock-Star nicht schwierig?

Adrian: Manchmal ist das eine ganz schöne Herausforderung, meistens nehmen wir die Kids aber überall hin mit, auch auf Tournee. Wir haben das Glück, dass wir uns das leisten können. Eigentlich sehe ich meine Kinder häufiger, als wenn ich einen normalen Job hätte. Ich muss nicht gleich am Morgen in die Arbeit gehen, und meistens bin ich zum Abendessen wieder zurück. (lacht) Wir haben es uns also wirklich nett eingerichtet.

Du bist in einer Hippie-Familie aufgewachsen. Wie erziehst du deine Kinder?

Adrian: Unsere Einstellung ist, dass sie selbst nachdenken und selbst herausfinden sollen, was sie wollen. Wir sagen ihnen nicht, welche Religion die richtige ist oder was sie denken sollen. Wir sind da, um sie zu erziehen. Den Rest müssen sie alleine herausfinden.

Gwen meinte, es war für sie ein ungeheurer Druck, ihre Zeit zwischen den Kindern und der Band aufzuteilen. Hast du das bemerkt?

Adrian: Das war nicht zu übersehen! Für sie ist es etwas ganz anderes, als einzige Mama in der Band. Vor allem sehr kleine Kinder brauchen ihre Mutter, also wurde sie mehr zwischen den Rollen hin- und hergerissen als wir Papas. Natürlich ist es nie leicht, von den Kids getrennt zu sein wenn wir im Studio arbeiten. Für eine Mutter ist das noch schwieriger.

Macht es dein Leben leichter, eine so dominante Frontfrau zu haben und nicht im Scheinwerferlicht zu stehen?

Adrian: Das nennt man in einer Band zu sein. Der Sänger bekommt die ganze Aufmerksamkeit. (lacht)

Abseits von No Doubt spielst du oft als Session-Musiker. Ist das ein großer Unterschied?

Adrian: Das ist ein riesiger Unterschied! Wenn ich mit jemandem ein Album aufnehme, geht es da nicht um meine Band. Meine Einstellung ist eine völlig andere, da möchte ich meine Mitmusiker einfach nur zufrieden stellen. Da bringe ich keine Emotionen mit ein. Bei No Doubt ist mir allerdings jede Kleinigkeit wichtig, da hängt mein Herz daran.

Gäbe es, abgesehen von No Doubt, eine andere Band, in der du gerne wärst?

Adrian: Wow, das ist schwierig. Es gibt eine Menge Bands, mit denen ich gerne einmal spielen würde, aber ich möchte nie in einer anderen Band Mitglied sein. No Doubt ist das Finale.

Wird es eine Tour geben?

Adrian: Klar, wir bereiten uns bereits darauf vor. In Europa könnte es sowohl Festivals als auch eine Headline-Tour geben. Bei euch gibt es ja viel mehr Festivals als bei uns in den Staaten.

Ihr habt am Rande einer US-Talkshow Präsident Obama getroffen…

Adrian: Das stimmt. (lacht) Er kommt ja immer sehr cool und gelassen rüber, wenn man ihn im Fernsehen sieht. In Wirklichkeit ist er aber noch viel cooler und viel gelassener, auch wenn das kaum zu glauben ist. Die Begegnung hat mich tief beeindruckt. Ich bin ein Mensch, der nicht mag, wenn andere bemerken, dass ich sie bewundere. Das gilt für Rock-Stars, mit deren Musik ich aufgewachsen bin. Da kann ich kaum eine normale Unterhaltung führen. Das war bei Präsident Obama noch viel extremer. Ich hatte keine Ahnung, was ich zu ihm sagen sollte (lacht).

Und was hast du dann gesagt?

Adrian: Hello, Mr. President. Das war es auch schon.

Man braucht dich also nicht zu fragen, wen du gewählt hast?

Adrian: Ich habe für ihn gewählt.

Interview: Alexander Haide

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