Klartext in Mundart

Hubert von Goisern nimmt sich bekanntlich nie ein Blatt vor den Mund. Im !ticket-Interview spricht der unbequeme Ausnahmekünstler über die Hintergründe seines neuen Albums „Federn“ und die Filmbiografie „Brenna tuat’s schon lang“.

 

Nicht Tibet, nicht Afrika – für sein neues Album hat es den 62-jährigen Künstler in die USA verschlagen, wo er den Country-Nashville-Sound einfangen wollte. Dennoch geriet „Federn“ wieder zu einem typischen Goisern-Klangfeuerwerk, gespickt mit gesellschaftspolitischen Zwischentönen.

 

Im Film „Brenna tuat’s schon lang“ zeigst du dich von der persönlichsten Seite, zudem sind lang vergessene Szenen aus den 80er-Jahren zu sehen. Weshalb zeigst du gerade jetzt „Goisern hautnah“?

Ich hab’ den Film jetzt no net g’sehen (im März, Anm.) und ich hab’ mich ja nur für diese Dreharbeiten zur Verfügung gestellt, die noch notwendig waren, aber ich wollt’ mit der Gestaltung nix zu tun haben. Es war das Anliegen von Hage (Huberts langjähriger Manager und Freund, Anm.) diesen Film zu machen.

 

Bei zwei Szenen drängt sich der Verdacht auf, dass du – wie immer – unterschwellig provozieren willst. Zum einen wird unverhohlen geraucht, zum anderen fängst du eine Forelle und tötest sie „on camera“ …

In dem Moment als ich die Forelle abgeschlagen habe, wusste ich’s … Das wird ja alles gefilmt und es ist ja nicht so, dass die Kamera schnell abgeschaltet wird wenn ich einen Fisch fang’. Ich wusste, dass sie das nicht rausschneiden werden, es sei denn, ich sag’ das.

 

Zum neuen Album „Federn“: Der Titel „Stoan­steirisch“ ist ein böser Seitenhieb auf die volkstümliche Musik …

Ich war im vergangenen Jänner wieder einmal in Kitzbühel beim Hahnenkamm-Rennen. Am Freitagabend hab’ ich meine Tochter vom Zug abgeholt und bin durch die Stadt gegangen. Bist du fertig! Die Musik, die da rausdröhnt, die Dumpfheit, die damit verbunden ist … Und da muss man sagen, dass das meiste aus der Steiermark kommt und einiges aus Kärnten.

 

Es kommt auch immer wieder der Schnaps vor …

Ich bin kein Schnapstrinker, ich mag überhaupt keine harten Getränke. Ich bin ein Weintrinker. Die Lieder sind ja wahre Begebenheiten. Mein erster Schnapsrausch war mit 19, da hab’ ich mit Freunden Whisky getrunken und g’spieben wie ein Reiher und hab mir gedacht: nie mehr wieder, so ein Schas! Der nächste Schnapsrausch war, als ich die Ziehharmonika zerlegen wollt’ und stattdessen zu spielen angefangen hab’ (Auch eine Passage im Film und der Text-Bezug in „I bin ganz alloan“, Anm.). Es kann also auch etwas Positives herauskommen.

 

Bist du noch oft in Bad Goisern? Besser: Gibt’s derzeit ein Zuhause?

Dahoam bin ich dort, wo meine Familie ist. Nachdem das Dirndl jetzt in Wien studiert und der Bua in Kassel oben, ist es mehr oder weniger dort, wo meine Frau ist, und das ist in Salzburg. Dort hab’ ich mein Studio, dort wohn’ ich, das ist mein Lebenszentrum. Heimat ist auch dort, wo die Freunde sind. Inzwischen hab’ ich glücklicherweise Freunde verstreut auf der ganzen Welt. Auch Landschaft und große Natur vermitteln mir Heimat. Ob das Grönland ist, die Fjorde und Gletscher, die Berge im Himalaja … Menschen sind aber schon das Zentrale, Familie und Freunde. Und natürlich die Sprache. Wenn ich nach Goisern komm’, dann ist der Dialekt vertraut, da red’ ich, wie mir der Schnabel gewachsen ist.

 

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