KODALINE GANZ EHRLICH

Die vier Jungs aus Irland konnten bereits mit ihrem Debütalbum „A Perfect World“ internationalen Erfolg verbuchen. Aufgrund ihres melancholischen Alternative-Rocks waren Vergleiche mit Bands wie Coldplay schnell gefunden.

 

Auf ihrem neuen Werk „Coming Up For Air“ ist von melancholischer Schwermut nicht mehr so viel vorhanden, es ging aber nichts an nachdenklichen Lyrics und eingängigen Melodien verloren und wirkt insgesamt vielleicht sogar ein bisschen gereifter. Wir haben mit dem äußerst sympathischen Gitarristen Mark Prendergast geplaudert, der uns einen Einblick in das Kodaline-Bandleben gab.

 

Wie bist du persönlich zur Musik gekommen?

Als ich so 15 war, war ich auf einem White-Stripes-Konzert in Dublin. Es war das erste Mal, dass ich auf einem großen Konzert war. Als ich Jack White Gitarre spielen gesehen habe, war ich fasziniert. Ich habe noch nie jemanden auf diese Art spielen gesehen. Ich habe mir eine Akustik-Gitarre zugelegt und angefangen Bob Dylan und Beatles Songs zu üben. Dann habe ich Steve kennen gelernt und wir haben gemeinsam Songs geschrieben. Und dann sind wir rausgegangen und haben vor echten Menschen gespielt (lacht). Das war sehr nett.

Schreibt ihr die Texte gemeinsam?

Meistens ist es Steve. Ein paar wenige schreibe ich auch.

Wie unterscheidet sich das aktuelle Album von eurem letzten?

Es ist das erste Album, das wir zu viert aufgenommen haben. Jason war noch nicht bei uns in der Band. Wir haben im Studio einige Songs live aufgenommen, deshalb klingt das Album auch mehr nach uns.

Ist es gefühlsmäßig anders?

Ja, das auch! Unser erstes Album handelte vor allem von Herzschmerz. Das aktuelle, „Coming Up For Air“, wurde zu einem großen Teil während unserer Tour geschrieben, also gibt es einige Songs, die vom Tourleben handeln. Natürlich geht es auch hier um Trennungen, wie es einem geht, wenn man sich verloren fühlt, oder depressiv. Alles in allem ist es aber dennoch ein sehr positives Album.

Auf eurer Website steht: „Music should have a purpose,  you know, – says Steve, Our purpose is honesty.“ Was bedeutet Ehrlichkeit in der Musik für dich?

Unsere Texte sind sehr ehrlich. Wir schreiben einfach, was uns auf dem Herzen liegt. Wir würden nicht über etwas singen, an das wir nicht glauben. Es geht hier um unsere Erfahrungen, seien sie negativ oder positiv, wir singen über ehrliche Dinge, die uns passiert sind.

Meinst du, dass es als Musiker wichtig ist ehrlich zu sein und in diesem Zusammenhang auch kritisch?

Ja, absolut! Ich glaube auch, dass es bis zu einem gewissen Punkt gut ist, selbstkritisch zu sein. Auch innerhalb der Band. Wir sagen uns gegenseitig, was wir gut und was wir schlecht finden. Wir sind schon fast unverschämt ehrlich. Aber das muss eine Band auch sein, damit man sich weiter entwickeln kann.

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Ist es für dich einfacher Songs zu schreiben, wenn du gerade unglücklich bist?

Man kann immer schreiben, egal wie man sich gerade fühlt, das schlägt sich dann aber auch auf die Songs nieder. Wenn du schlecht drauf bist, schreibst du eher traurige Songs. Wenn du zum Beispiel gerade eine Trennung hinter dir hast, werden deine Lyrics wohl eher trist sein.

Ihr seid in Irland ja sehr erfolgreich, wie gehst du damit um?

Wenn wir auf der Straße gehen, werden wir nicht wirklich erkannt. In vielen unserer Videos des ersten Albums, haben wir nicht mitgespielt. Wenn Leute uns dann erkennen und ein Foto oder so etwas haben wollen, fühlt sich das wirklich großartig an und macht einen Stolz. Es ist ja nicht so als wären wir One Direction, wir sind ganz weit von dieser Art Berühmtheit entfernt. Zurzeit ist es wirklich cool!

Wäre es das noch immer, wenn ihr beispielsweise genauso berühmt wärt wie One Direction?

Ich habe keine Ahnung, wie die Jungs damit umgehen können. Sie sind so erfolgreich und es wirkt noch immer so, als wären sie so am Boden geblieben und sind genauso wie zu ihren Anfängen. Ich weiß wirklich nicht, wie ich mich fühlen würde, wenn es einmal so weit kommen sollte.

Ihr kennt euch sehr gut. Geht ihr euch auch manchmal auf die Nerven, wenn ihr zu viel miteinander abhängt?

Wir haben uns selbst auch schon Sorgen gemacht, dass wir uns zu sehr auf die Nerven gehen werden. Interessanterweise verhält es sich aber so, dass wir uns immer besser verstehen, je mehr Zeit wir miteinander verbringen. Wenn man mit jemandem zusammenlebt, findet man sehr viel über ihn heraus, man lernt dann ganz andere Seiten kennen. Glücklicherweise verstehen wir uns sehr gut! Wir hatten jetzt ungefähr vier Monate Tourpause und freuen uns schon, wenn es wieder weiter geht. Wir sind einfach beste Freunde, das ist der Grund warum wir die Band gegründet haben und warum wir noch immer in der Band sind. Frag mich in einem Jahr nochmal, möglicherweise gebe ich dir da eine andere Antwort … vielleicht: „Ich hasse diese Jungs!“ (lacht).

Also ist es nicht nur die Musik, die euch verbindet?

Genau! Steve und ich sind ein paar Minuten voneinander entfernt aufgewachsen. Wir kennen uns fast unser ganzes Leben, waren in der gleichen Schule, kennen die gleichen Leute. Unsere Beziehung zueinander hat sich kaum verändert, obwohl wir jetzt auf eine Art und Weise ja Arbeitskollegen sind. Aber wir sind einfach Freunde. Viele Bands haben das, du siehst es richtig, wenn Bands intern wirklich gute Freunde sind. Es ist so viel besser und hat auch einen positiven Einfluss auf die Musik. Wir sind einfach eine glückliche Familie.

Wie beeinflusst Touren dein Privatleben?

Ich bin Single, Vinny hat sich gerade verlobt, Jason hat eine Freundin … sie skypen dann jeden Tag und ich bin mir sicher, sie vermissen ihre andere Hälfte. Ich vermisse meine Freunde, mein Schlafzimmer, einfach meine gewohnte Umgebung. Wenn du mit deinen Freunden und deiner Familie telefonierst, kannst du ein kleines Stückchen Zuhause überall hinbringen. Ich kann zum Beispiel auch nicht wirklich auf Urlaub fahren, aber ich beschwere mich auf gar keinen Fall! Ich habe diese unglaubliche Möglichkeit bekommen, ständig auf Urlaub zu sein (lacht).

Kann man sich ein Tourneeleben wirklich als Urlaub vorstellen? Mit Sightseeing und so?

Es kommt natürlich immer auf die Person an. Wenn du dir eine Stadt wirklich ansehen willst, dann geht das, so genug Zeit ist. Manchmal ist man einfach nur so erledigt, dass man sich ein bisschen ausruhen möchte und nur Fernsehen möchte. Meistens kommt man am Morgen irgendwo an und hat diesen dann auch frei. Ich höre dann in den verschiedenen Städten auch immer die Musik der dort ansässigen Künstler. Als wir in New York waren zum Beispiel Talking Heads. Ich gehe gerne spazieren und schau mir die Stadt an. Es kommt wirklich auf den Zeitplan an, aber meistens hat man die Gelegenheit, sich zumindest ein bisschen umzusehen.

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