Krautschädl rocken in Ruhe

Entspannt ist das Trio auf jeden Fall, egal, ob sie am „Frequency“ spielen, in Bierzelten, bei Volksfesten oder gerade das neue Album „Immer mit da Ruhe“ unter das Fan-Folk werfen. Die drei Alternative-Rocker überraschen dieses Mal jedoch mit einer ungekannten Stil-Vielfalt!

 

Was ist spannender? Ein großes Festival oder Gigs als Headliner?

Das Frequency hat sehr viel Spaß gemacht! Wir waren ein bisschen verunsichert, weil wir das Festival eröffnet haben, aber es waren voll viele Leut’ dort. Es ist aber egal, wo wir spielen, da sind andere Faktoren wichtiger. Wieviele Leut’ sind da, wie motiviert sind sie, kennen sie die Texte?

 

Ist der Song „Schnitzelshaker“ eigentlich ein Titel gegen Dicke?

Nein, es ist das Bild … Wir spielen auf vielen Zeltfestln. Dort gibt’s Bier und Schnaps, Wein gibt’s eh net. Und es gibt Würstel und Schnitzel. Da lässt man sich volllaufen, frisst wos und dann geht ma shaken. Bei so einem Zeltfestl ist es wurscht, was spielt. Ein Shallala geht auch. Das ist überhaupt net negativ oder als Fingerzeig gemeint. Ist doch leiwand, einfach mal abfeiern, das muss nicht immer Prog-Rock sein. Es ist doch schen, wenn man zwar weiß, dass man überhaupt net tanzen kann, null Skills d’rauf hat, aber nach dem dritten Bier geht’s dann ab zu Andreas Gabalier.

 

Könnt ihr denn tanzen?

Na, aber als Musiker ist man da voll entschuldigt. Headbangen reicht.

 

Ignoriert „Da Sommla“ schlechte Nachrichten oder hab’ ich das falsch verstanden?

Das ist net die Einstellung vom Sammler, er denkt nur überhaupt nicht nach, packt alles in seine Plastiksackerln. Es ist trotzdem ein leiwandes G’fühl, wenn ich dann shoppen geh und meine Sackerln dabei und weiß, da sind geile Schuh’ drinnen. Das G’fühl ist leiwand und das will ich keinem nehmen. „Da Sommla“ ist als friendly Reminder gemeint. Immer wenn ich an der Kasse steh’ wär’s doch schön, wenn das Lied im Kopf spielt: Vielleicht nehm’ ich heut’ kein Plastiksackerl. Als Symbol für Müll. Vielleicht nimm’ ich auch kane neuen Schuh’.

 

Ein Lied gegen den Konsumwahnsinn?

Ja, das sagt man so. Aber Schuhe braucht man ja. Wir predigen immer die Genügsamkeit, auf jeden Fall, das ist ein Thema, das sich bei den Texten immer wieder durchzieht. Man kann „Da Sommla“ durchaus als Konsumkritik verstehen.

 

Kurz zu den Zeltfesten. Manche Musiker meinen, es ist immer furchtbar, bei so einem Volksfest in der Provinz zu spielen. Geht euch das auch so?

Du darfst uns net mit einer Coverband vergleichen. Ja, sie sind alle fett, sie machen alle mit und ihnen taugt’s halt. Du stehst halt in einem Zelt und der Sound ist immer Scheiße und es gibt nie was G’scheits zum Essen. Die Rahmenbedingungen sind halt speziell auf’s Publikum abgestimmt. Aber wieso sollen wir dort nicht hinfahren? Die wollen das ja hören. Also spielen wir’s. Aber wir spielen auch einige bessere Gigs (lachen). Wir finden das auch immer blöd, wenn sich da Leut’ profilieren wollen. So nach dem Motto, das sind die Trotteln vom Land. Man muss sich, wenn man dort ist, einfach drauf einlassen. Das ist cool, das sind voll liabe Leut’. Es gibt Trotteln, na sicher, die gibt’s überall. Die Leut’ kommen zusammen, trinken a Bier und haben a Gaudi. Und wenn sie unsere Musik gern hören, dann taugt uns des. Da muss man kein kulturelles Gefälle unterstellen.

 

Ist bei dem Song „Sei amoi leiwond“ ein bestimmter Promi gemeint?

Du meinst den Heinzl (lachen)? „Sei amoi leiwand“ is a extrem cooler Spruch. Es suggeriert ja: Du warst noch nie leiwand. Nein, es ist kein spezieller Promi gemeint, das kannst du dir aussuchen, wem du das sagst. Was du meinst, ist ein klassischer Fall von Projektion.

 

Krautschädel

Erscheint am 25. September auf monkey.

 

Bei „Sloppy Joes Finest“ funkts und grooved es ziemlich. Weshalb ist das nur eine Minute lang?

Live spielen wir’s eh länger. Das war eigentlich nur der Wurmfortsatz einer anderen Nummer, so wie es im Hip-Hop-Bereich gerne gemacht wird, dass man einen fetten Beat nachschießt. Bevor wir’s ganz liegen lassen …

 

Es geht dann mit Ska weiter …

Ja, das ist richtig …

 

Und dann wird es mit dem „Schaedl in die Woikn“ beinahe zum Meinstream.

Das ist schön. Das ist der Magic Moment von diesem Album. Den haben wir eingejammed. Gitarre, Gesang, Bass, Schlagzeug. Es ist ein Bass-Riff und ein bissl eine Gesangsmelodie da gewesen, dann haben wir uns den Refrain ausgemacht. Wir haben die Nummer vier Mal gespielt, gejammed, und den zweiten Take dann genommen. Von der Produktion ist es also alles andere als Mainstream. Der Song lebt am meisten.

 

Ist es spannender, spontan Songs einzuspielen oder mögt ihr das Tüfteln lieber?

Am Album ist beides vorhanden. Am Liebsten ist es uns, wenn man einen Moment fest hält und nimmer lang darüber nachdenkt. Wir sind dieses Mal einfach freier ins Studio gegangen. Beim vierten Album haben wir uns gesagt, wir können uns mehr erlauben und es ist viel einfach passiert. Und das ist gut so. Ein Studiotag kostet ja was, man muss also schon ein Basisgerüst mitbringen, auch wenn man viel jammt.

 

Der Titelsong kommt zum Schluss. Weshalb?

Keine Ahnung. Es ist einfach das schönste Ende für die CD, die schönste Reise. Der Song hat vier, fünf verschiedene Parts. Gemütlich aufhör’n bei einem Album, das „Immer mit der Ruhe“ heißt.

 

Abschließend – ist das ein klassisches, typisches Krautschädl-Album?

Es ist kein Stilbruch, aber sicher kein klassisches Krautschädl-Album. Wir haben uns in mehrere Richtungen erweitert, aber wir haben mit unserer Vergangenheit nicht gebrochen. Pop-Appeal hat das Zeug ja schon immer gehabt, dieses Mal ist es eben noch poppiger geworden. Wenn uns ein Synth gefallen hat, haben wir ihn einfach genommen. Früher hätten wir uns schon gefragt, ob wir nicht eine Gitarrenband bleiben wollen. Dieses Mal war uns das völlig wurscht. Andererseits haben wir beim Metal dann Double-Bass gemacht. Wenn schon Proll, dann richtig Proll.

 

Ein logische, darwinistische Evolution also?

Ja. Aber kein Urknall!

 

“Immer mit da Ruhe” erscheint am 25. September, Tickets für Krautschädl gibts auf oeticket.com oder unter 01/96 0 96.

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