Lasst die Puppen tanzen

Marionetten und Puppen kommen nicht nur beim Kasperltheater für Kinder zum Einsatz, sondern auch im politischen Kabarett und sogar im Burgtheater.

Spricht man vom Figurentheater, denkt man meistens an Handpuppen wie wir sie aus dem traditionellen Kasperltheater kennen. Aber es können dabei auch größere Puppen und Objekte zum Einsatz kommen. Beispiele dafür sind z. B. Produktionen wie das Musical „Disneys König der Löwen“ oder die Show „Ice Age Live!“. Die Geschichte des Figurentheaters ist vielschichtig und geht viele Jahrtausende in die Vergangenheit; und es geht hier nicht nur um die Figur an sich, also die Marionette oder Puppe, sondern auch um den Akteur, den Puppenspieler. Figurentheater ist immer ein Ansporn für die Phantasie des Publikums; dabei kann auch das eigentlich Unmögliche dargestellt werden, da Puppen andere Möglichkeiten gegeben sind als Menschen.

An Schnüren bewegt

Marionetten kamen bereits in der Antike zum Einsatz. Im Gegensatz zu einer Handpuppe hat die Marionette den Vorteil, dass sie alle Glieder bewegen kann. Und doch ist es ihr nicht möglich, den Menschen vollständig zu imitieren. Erste europäische Marionettenspielerdynastien entstanden im Laufe des 17. Jahrhunderts, auch in Asien und Afrika wird die Tradition des Figurenspiels seit Jahrhunderten innerhalb von Familien weitergegeben. Um 1900 wurde das Puppentheater in Europa auch von den Theaterregisseuren entdeckt. Marionettentheater imitiert den Bühnenaufbau einer Guckkastenbühne; es gibt einen Bühnenvorhang und die SpielerInnen bleiben verdeckt. Auch heute sind Marionetten noch immer beliebt: bekannte Beispiele dafür sind das „Salzburger Marionettentheater“, die „Augsburger Puppenkiste“ oder das „Marionettentheater Schloss Schönbrunn“.

Von Hand gespielt

Handpuppen sind die einfachste Form der plastischen Figuren. Es können nur auf Finger gesteckte Köpfe sein, die durch den Spieler zum Leben erweckt werden. Meist wird aber die spielende Hand durch ein Gewand verdeckt und die Figuren haben auch Hände und Füße. Die wohl bekannteste Handpuppe ist die Figur des Kasperls. In der Theatergeschichte ist die Rolle des Spaßmachers, Narren bzw. Hanswurst nicht wegzudenken. Kein Wunder also, dass dieser im Laufe des 19. Jahrhunderts auch die Puppenbühne eroberte. So beschrieb Theodor Storm 1874 in der Novelle „Pole Poppenspäler“ auch einen Auftritt des Kasper auf einer Marionettenbühne. Und der Kasperl hat sich bis heute gehalten: einerseits als reine Unterhaltungsfigur für Groß und Klein, andererseits wird er auch gerne im pädagogischen Theater eingesetzt. Auch im politischen Theater spielte und spielt der Spaßmacher eine Rolle: Ist es ihm doch erlaubt, Dinge zu sagen, Missstände aufzuzeigen, was dem normalen Menschen verwehrt sein kann.

Bauchredner

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erreichte die Kunst, Worte ohne Mundbewegung zu erzeugen, einen Höhepunkt. Hier steht das Gespräch zwischen Bauchredner und Kunstfigur im Mittelpunkt. Meist steht hier der Spaß im Vordergrund, doch auch ernste Themen können dabei angesprochen werden. Ein erfolgreicher Bauchredner ist Sascha Grammel, der seine Shows als „puppet comedy“ bezeichnet.
Im Gegensatz dazu steht das Lippensynchrone Puppenspiel: Erfolgreich ist hier Nikolaus Habjan, der mit seiner Elfriede-Jelinek-Puppe in „Schatten (Eurydike sagt)“ am Wiener Burgtheater auftritt. 2012 erhielt er für „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“ den Wiener Theaterpreis Nestroy. In Wien tritt er vor allem im Schuberttheater auf; im Sommer 2014 wird er bei den Salzburger Festspielen in „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus spielen.

Im Gespräch mit maschek.

Seit November 2013 ist die „Rabenhof-Haderer-maschek.- Puppenshow“ mit einer neuen Produktion zu sehen. In „Bye- Bye Österreich“ ist die politische Elite des Landes Österreich bruchlandungsreif. maschek., das sind Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel; bekannt wurden sie mit ihren TV-Live-Synchronisationen. Wie kam die Idee, mit Puppen zu arbeiten?

maschek.: Die Idee hatte Thomas Gratzer. Er hat uns 2005 gefragt, ob wir Lust hätten, mit ihm, Gerhard Haderer und dem Praterkasperl das politische Puppentheater wieder zu beleben.

Wie ist es, nicht direkt mit dem Publikum in Kontakt treten zu können sondern nur über die Puppen? Wird das Publikum dadurch anders wahrgenommen?

maschek.: In unserer bewährten Bühnenform „maschek.redet.drüber“ haben wir auch keinen „direkten“ Kontakt mit dem Publikum, sondern agieren über Fernsehbilder, denen wir neue Worte verpassen. Insofern ist der Kontakt zum Publikum über die Puppen sogar intensiver als sonst. Die Puppen können das Timing selbst bestimmen, mehr improvisieren und mehr interagieren. Vielleicht sogar mehr, als es der Schauspieler selbst kann, wenn er direkt vor dem Publikum steht.

Wie ist der Entstehungsweg von der Idee zur fertigen Puppe?

maschek.: 1. Das Team berät, welche Puppen wir haben wollen. 2. Gerhard Haderer entwirft sie. 3. Brigitte Schneider baut sie nach seinen Vorlagen.

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