LelKem und ihre „Prise Klagelied“

Lelkem

Die heimische Formation LelKem wird gerne als „Engineers Of Modern Lament“ tituliert. Lamentiert wird hier aber wenig, denn ihre „Klagelieder“ rocken, dass es eine Freude ist.

Lelkem1_Photo_B

Sie schätzen die Authentizität von Dave Grohl und lieben die Theatralik von David Bowie – LelKem, ein Nu-Art-Quartett mit österreichisch-ungarischen Wurzeln, werden von ihrer Anhängerschaft liebevoll „Engineers of Modern Lament“ (Schmiede des neuen Klageliedes) genannt. Ihre Musik erinnert an Rock „wie damals“: Harte Gitarrenriffs mit viel Melodik, die ein Déjà-vu von 90er-Alternative heraufbeschwören. Dazu der feine, immer wiederkehrende Touch Düsternis, den man als roten Faden sehen könnte – womit wir auch schon beim „Klagelied“ wären. „Die Melancholie ist in unseren Songs stets präsent, daher kam der Bezug zu den geschichtlichen Ursprüngen von Klageliedern auf. Diese hat man natürlich nicht wie wir mit Tonnen von Gitarren und Sounds gespielt. Aber so manifestierte sich der Begriff bei uns“, erklärt Frontmann Boti Benedek II im Interview mit !ticket.

Rock made in Austria

Stellt sich die Frage, ob bodenständiger Klagelied-Rock ohne viel Firlefanz heutzutage in Österreich noch funktioniert. LelKem machen Hoffnung. „Ich glaube, dass Rocksound immer funktioniert. Ich habe das Gefühl, dass Musik generell wieder mehr geschätzt wird, auch wenn es die Industrie gerne anders darstellt, damit sie die geringen Ausschüttungen an Künstler rechtfertigen kann“, bemerkt Boti. Dass die Band auch sonst nicht auf den Mund gefallen ist, zeigt sie in ihren Lyrics: „And Then There Was An Asshole“ etwa erzählt vom klassischen kleinen Saboteur, der gut gemeinte Vorhaben für seine Zwecke ausnützt. „Sieht man sich die heutige Tagespolitik an, würden wir jede Stunde jemanden finden, dem wir diesen Song widmen könnten.“

Starke Emotionen

Auch melodisch versteht das Quartett mitzureißen. LelKem schreiben Songs, die laut ausufern können, manchmal wieder fragiler klingen oder auch bewusst poppige Züge annehmen. An Effekten wird nicht gespart, auf eine festgefahrene Linie will man sich nicht reduzieren. „Starke Emotionen lassen sich wunderbar über Gitarren transportieren. Wir sind eben eine gitarrenlastige Band, selbst wenn wir ein Minimal-Techno-Album aufnehmen würden, würde es am Ende rockig klingen. Rock hat eine ganz eigene, impulsive Energie, über die du unfassbar viel Gefühl übertragen kannst.“ Apropos Album: Ihr zweites Studiowerk „All Four Seasons In One Day“ erschien im März beim heimischen Qualitätslabel PANTA R&E – und auch darauf zeigen LelKem, wie heimischer Rock mit einer Prise Klagelied so richtig ins Ohr geht.

 

LelKem spielen im Juni am Crowd N Ruam Festival und Gollarnfestival (beide in Tulln), sowie am 24. Juni beim Donauinselfest.

 

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!