Lia Pale und Schumann

Lia Pale

Die oberösterreichische Jazz-Sängerin Lia Pale und ihr musikalischer Partner mathias rüegg präsentieren das Ergebnis ihrer intensiven Auseinandersetzung mit dem romantischen Liedgut Robert Schumanns.

Lia PaleNach der Bearbeitung von Teilen von Franz Schuberts Winterreise („Gone Too Far“, 2013) und einer eigenen Dichterliebe nach Texten von Rainer Maria Rilke und Heinrich Heine („My Poet’s Love“, 2015), wagen die beiden Grenzgänger Lia Pale und mathias rüegg (ehemaliger Leiter des Vienna Art Orchestra und Mitbegründer des Porgy & Bess) nun ihren dritten gemeinsamen Schritt: „The Schumann Songbook“, die Auseinandersetzung mit Robert Schumanns romantischen Liedern. Im Gegensatz zu den Bearbeitungen des Liederzyklus der Winterreise kommen hier in jeder Bearbeitung auch Teile der jeweiligen Originalversionen jedes Mal anders mit den englischsprachigen Bearbeitungen verwoben vor. Ein musikalisches Kaleidoskop, das die romantische Welt von Schumann in ein neues, unerwartetes Licht rückt.

Lia Pale und Robert Schumann

Aus über 300 Liedern wählten die beiden dabei aus, arbeiteten sich mit „großem Vergnügen“und ebenso großer „Akribie“ („Takt für Takt“) durch das vorhandene Material. „Unser Anspruch lautet: einerseits so nah am Original wie möglich zu bleiben und andererseits daraus etwas Anderes, Neues zu schaffen“, so rüegg. Gelingt das Vorhaben, erwartet BesucherInnen ein „musikalisches Kaleidoskop, das die romantische Welt von Schumann in ein neues, unerwartetes Licht rückt“. mathias rüegg über den „vorläufigen Höhepunkt“ und „logischen dritten Schritt“ ihrer bereits vier Jahre anhaltenden, intensiven musikalischen Zusammenarbeit:

Als Komponist, bzw. als Arrangeur stellt sich wieder die Frage, welches Material man verwendet: Eigenes oder Fremdes? Ich hielt es im Laufe meiner Laufbahn so, dass ich in etwas ein ausgeglichenes Verhältnis angestrebt habe. Und nachdem man Jazzmusik auch als „Schwamm“ bezeichnen könnte, der alles in sich aufsaugt, ist es naheliegend, dass die klassische Musik – mit der ich übrigens aufgewachsen bin, auch dazu gehört. Die Übervorlage war Porgy & Bess in der Version von Gil Evans & Miles Davis, daran müssen sich alle Versuche in dieser Richtung messen. Selber hatte ich u.a. Musik von Satie, Gershwin, Strauss, Schubert oder Poulenc bearbeitet – und zwar immer „Takt für Takt“, sprich: mich eng an die Vorlage gehalten. So wie auch bei der (kompletten) Winterreise – das Album sollte noch dieses Jahr erscheinen, dem Vorgänger des Robert Schumann Songbooks.

Lia und ich haben nach der Durchsicht der ca. dreihundert Lieder einen eigenen Liedzyklus zusammen gestellt, wobei es dabei um die best mögliche Umsetzung in unser eigenes Genre ging. Im Gegensatz zu Schuberts Einleitungen sind es bei Schumann die Endings, die ins Auge stechen und bisweilen die Türen weit ins 20. Jahrhundert hinein aufstossen. Was für ein Vergnügen! Und natürlich braucht es einen dramaturgisch sinnvollen Bogen für ein Livekonzert, auch das hat bei der Auswahl mitgespielt. Neben der möglichst genauen Umsetzung der Vorlage – Melodie und Form (manchmal mit zusätzlichen Soli) bleiben unangetastet, die Harmonisierung orientiert sich immer am Original, kommt diesmal ein zusätzliches Element ins Spiel: in jedem Stück taucht irgendwo – jedes Mal anders „montiert“, ein Teil der Originalversion (also Stimme und Klavier) auf. Man könnte es wie ein Vexierbild betrachten. Und zusätzlich werden die ins Englisch übersetzten Texte, mit der deutschen Originalversion kombiniert, und auch das immer anders. Ein spannendes und zeitraubendes Unterfangen für uns alle!

Und last but not least, ein kleines Detail am Rande: in meiner ersten Rockband 1969 hatte ich die Schumann-Klavierstücke aus dem Album für die Jugend, die ich im Klavierunterricht in der Volksschule gelernt hatte, bearbeitet..

Neben Pale und rüegg erleben Sie an diesem Abend auch die Perkussionistin Ingrid Oberkanins, Bassist Hans Strasser, sowie Shooting Star Mario Rom!

Zur Einstimmung auf Lia Pale

Nur wenige Gehminuten vom Auftrittsort Porgy & Bess entfernt befindet sich jenes Haus (heute: Schönlaterngasse 7, 1010 Wien), das gut 170 Jahre zuvor (1838-1839) dem jungen Schumann für einige Monate als Ausgangspunkt seiner Bemühungen diente, durch eine Existenzgründung (im damals „Metternichstaat“) die Zustimmung zu einer Heirat mit Clara Wieck von deren gestrengen Vater zu erhalten – gut dokumentiert in zahlreichen (auch heute noch erhaltenen) Briefen.

Wie viele Musiker des 19. Jahrhunderts wollte sich auch Robert Schumann in der Musikmetropole Wien niederlassen. Wenn sich diese Pläne auch zerschlugen – obwohl Metternich und Polizeipräsident Sedlnitzky dem Künstler durchaus positiv gestimmt waren -, so entstanden während seines kurzen Wien-Aufenthaltes doch eine ganze Reihe wertvoller Klavierwerke, darunter auch der berühmte „Faschingsschwank aus Wien“. Zu den positiven Ergebnissen des Aufenthalts Schumanns in der Bundeshauptstadt zählen neben der Teilnahme am Kulturleben der Stadt Freundschaften fürs Leben, so zu Johann Vesque von Püttlingen, zum Mozart-Sohn Franz Xaver Wolfgang und dessen Freundin Julie von Webenau. Die Begegnung mit Franz Schuberts Bruder Ferdinand, der ihm Werke seines verstorbenen Bruders gab, führte zur Veröffentlichung und Aufführung der C-Dur-Symphonie durch das Leipziger Gewandhausorchester wenige Monate später. Persönlich von Bedeutung waren neben Ausflügen zu den Sehenswürdigkeiten Wiens der Besuch des Währinger Ortsfriedhofes mit den Gräbern Beethovens und Schuberts. Die Kompositionen aus diesem Zeitraum gegen einen Eindruck vom emotionalen Zustand des Künstlers: Kinderszenen, Arabeske, Blumenstück, Humoreske – und natürlich eben der „Faschingsschwank“. Als Schumann am 5. April 1839 Wien verließ, hatten sich die Hoffnungsträume zwar nicht erfüllt, aber es findet sich auch keine Spur von Enttäuschung.

 

Erleben Sie Lia Pale mit mathias rüegg und ihrem „Schumann Songbook“ am 2. November im Wiener Porgy & Bess, oder am 3. November im Rahmen von Klangraum im Herbst im Rothschildschloss in Waidhofen an der Ybbs! Tickets gibt es bei oeticket.com!

 

 

 

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