Like A Rolling Stone

Nach Jahren des Bestehens ist eine Kompilation der „besten“ Stücke eines Musikers en vogue. Naheliegend, dass nun auch die deutsche Musikbibel, das Rolling Stone Magazin, mit einem „Best-of“ zum 20. Geburtstag zurückblickt.

 

1967: Die Beatles veröffentlichen „Sgt. Pepper”, The Doors ihr Debüt. In San Francisco werden mit den Schallwellen von Muddy Waters’ „Rollin‘ Stone“ die Geburtswehen der ersten Ausgabe des Rolling Stone Magazins übertönt. Das Ziel: Qualitativ anspruchsvoller Journalismus, der über eine reine Perzeption hinausgeht, sondern vielmehr auch eine Reflexion der Begleit- und Lebensumstände involviert. Rasch wurde das Magazin zur Bibel der Populärmusik, ist heute mit seinen Bestenlisten Referenzprodukt für künstlerische Wertigkeiten und ist auch nach wie vor – trotz steigender Konkurrenzmedien – immer noch die Drehscheibe für die Unterhaltungsbranche schlechthin, Ratgeber für einen popkulturellen Lebenswandel.

Zeitsprung ins Jahr 1994: Rammstein werden gegründet, Kurt Cobain begeht Selbstmord. Und im zweiten Anlauf – nach einem kurzlebigen Versuch in den 80er-Jahren – erscheint im gemachten Bett der bereits „etablierten Rockmusik“ die deutsche Ausgabe des Rolling Stone, konnte sich auch hierzulande rasch als Vorreiter etablieren und der Konkurrenz von Musikexpress und Sounds zumindest Paroli bieten. Sebastian Zabel, Chefredakteur der deutschsprachigen Ausgabe, begründet das Gelingen damit, der Rolling Stone (mit dem ikonischen Logozug) sei ein „lebendiges Ding, das Gegenteil eines Museums“, ein Magazin, das „Popkultur nicht nur feiere, sondern auch kontextualisiere“.

Der Rückblick auf die ersten 20 Jahre in Deutschland, der nun in Buchform erscheint, präsentiert sowohl die künstlerische wie auch die inhaltliche Bandbreite der Redakteure: Man kramte in den Archiven und fand mal grotesk-kuriose, mal rotzig-respektlose, aber auch sachlich fundierte oder glühend-leidenschaftliche Artikel von einst bis heute, nicht nur naheliegend über „Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll“, sondern eben auch über die be- und gerühmte Kontextualisierung vom Lokalkolorit über Mode bis hin zu Fußball und Kino. Die Gesprächspartner und Protagonisten lesen sich freilich wie ein Who-is-Who der Zeitgeschichte: Karl Lagerfeld gibt Ratschläge, bei Sting und Campino verschiebt sich die Zeit, Bob Dylan wird „bestiegen“ und Thomas Bernhard analysiert. Sasha Grey spricht über Sex als Extremsport und ihre Vagina als feministisches Mittel zum Zweck, mit Günter Netzer wird gekickt und hinter die Kulissen der Namenskollegen der Rolling Stones geblickt.

Es mag mittlerweile ausreichend Konkurrenzmedien geben, die in bestimmten Sparten des U-Potpourris tiefer fischen und in mehr oder minder elitäre(re) Zirkel einführen. Ohne den Rolling Stone, das schlussendlich die Basis für alldiesen empathischen Journalismus legte, wären sie – vermutlich – jedoch niemals möglich gewesen. Am Cover der ersten Ausgabe hieß es: „Der Rock ’n’ Roll beginnt hier.“ Und nach zwanzig Jahren haben die Damen und Herren noch lange nicht genug: „Ridin’ down the highway / Goin’ to a show / Stop in all the by-ways / Playin’ rock ’n’ roll!“

 

MET_Rolling StoneDer Rückblick auf die ersten 20 Jahre des Rolling Stone Magazins ist am 6. Oktober bei Metrolit erschienen.

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