Luke Mockridge ist „Lucky Luke“

Luke Mockridge

Nicht erwachsen, nicht Kind: So präsentiert sich der Twen, der mit seiner unbeschwerten Jugend noch nicht abgeschlossen haben will, auch in seinem Comedy-Programm. In diesem fühlt Luke Mockridge seiner Generation „Hashtag“ auf den Zahn.

Luke Mockridge

Luke Mockridge, 27, bringt vor allem die Kinder der 90er-Jahre zum Lachen. Das ist die Generation, aus der er kommt, deren Stolpersteine er nur zu gut kennt, denn: In seinem Comedyprogramm, seinem Bestseller, in seiner Show auf Sat.1 und in seinem YouTube-Kanal schlüpft er in keine Rollen, sondern ist einfach nur Luke, ein Kind seiner Zeit – mit einem pointierten Blick auch auf die generationsübergreifenden Hürden des Alltags. Im Gegensatz zum Cowboy aus der Comic-Serie muss sich dieser „Lucky Luke“ nämlich nicht mit dummdreisten Banditen herumschlagen. Ihn plagen andere Probleme des Alltags.

Du bist kanadisch-italienischer Abstammung und studiertest in Kanada und England: Wie „national“ ist Humor – oder ist Humor grenzübergreifend? Wo sind speziell die Unterschiede zwischen Deutschland und Kanada?

Stand Up Comedy ist in Nordamerika schon etablierter. In Deutschland hingegen kam diese Bewegung erst Anfang der 90ger, unter anderem durch den Quatsch Comedy Club. Daraus folgt dass die Comedy-Szene aus vielen Figuren und Kostümen bestand und das Publikum genau wusste wann es zu lachen hat. Langsam wird Comedy cooler, lässiger und T-Shirt und Jeans sieht man immer öfter.

Warum hat es dich wieder nach Deutschland zurück verschlagen? Ist Deutschland der nahrhaftere Boden für einen Comedian?

Ich bin hier groß geworden. Meinen Eltern war es aber wichtig uns Kinder mit einem großen Horizont zu versehen und andere Länder und Lebensstrukturen kennenzulernen.

Du kommst bekanntlich aus einer Künstlerfamilie, beide Eltern sind Schauspieler und Kabarettisten: Ist für dich der Name Mockridge (bzw. Kinsky) ein Segen oder ein Fluch in deiner bisherigen Karriere gewesen?

Anfangs hieß es ab und an „der hat nur Erfolg, weil sein Vater in der Lindenstraße spielt“. Das fand ich immer sehr lustig und stellte mir vor wie mein Vater bei den Sendern anklopft und sagt: “Hallo ich spiele in der Lindenstraße mit … kann einer meiner Söhne eine Sendung bei Ihnen haben?“. Sicherlich hat es nicht geschadet, aber das ganze Leben funktioniert doch durch „wer kennt wen?“

Du sagtest einmal, deine Position als „Sandwich“-Kind war der Grundstein dafür, dass du Comedian wurdest. Wie wird man „lustig“?

Man wird nicht lustig, man ist es einfach. Humor war meine Waffe, um mich gegen fünf Brüder durchzusetzen (lacht).

Glaubst du, ist es mit einem derartigen Background wie dem deinigen, überhaupt möglich, einen „handelsüblichen“ Beruf zu ergreifen?

Natürlich! Gehen tut alles, aber es kommt nicht von irgendwoher, dass Lehrerkinder oft Lehrer werden und Ärztekinder oft Ärzte … Wir sind halt alle im Unterhaltungssegment tätig – sind Schauspieler, DJ, Regisseur oder Musiker.

Nebst deiner Familie sind Hella von Sinnen und Dirk Bach deine Pateneltern, Stefan Raab dein Mentor. Was haben diese drei Personen dir auf den Lebensweg mitgegeben?

Ich habe früh begriffen, dass die ganze Medienwelt ein Job ist, der viel Arbeit mit sich bringt. Viele „Promis“ wollen nur ins Rampenlicht, um im Rampenlicht zu stehen … Mir wurde früh klar, dass Ruhm und Erfolg eine Nebenwirkung deines Schaffens ist.

Wie ist es, mit seinen Idolen und derartige Granden, ja Aushängeschildern der Gesellschaft, dann plötzlich „an einem Tisch“ zu sitzen?

Anfangs weißt du gar nicht was du Stefan Raab, Günter Jauch oder Barbara Schöneberger sagen sollst. Ich dachte immer das interessiert die doch bestimmt gar nicht was ich so denke oder erlebt habe … aber am Ende des Tages sind das auch nur Menschen.

In deinem Bestseller „Mathe ist ein Arschloch“ rechnest du mit deiner Schulzeit ab: Kannst du dir erklären, warum gerade Mathematik für so viele ein „Problemfach“ ist – während die Social Media Plattformen eher „Deutsch“ als Krux vermuten lassen würden?

Mit Mathe hatte ich weniger Probleme als mit Chemie und Physik … das war für mich komplett chinesisch. In Fächern wie Deutsch kannst du durch sicheres Auftreten bei kompletter Ahnungslosigkeit glänzen und eine Gedichtsanalyse irgendwie retten, wenn man von Metaphern oder ähnliches spricht … bei Mathe ist das Ergebnis richtig oder falsch.

Einmal ganz ehrlich: Was war der übelste Streich, den du in der Schule gespielt hast, und wie oft habst du elterliche Unterschriften gefälscht, dich vom Unterricht gedrückt?

Ich habe mal alle privaten Sachen des Lehrers mit Gaffertape an den Tisch geklebt. Bin aber schelmisch und spitzbübisch immer aus der Situation rausgekommen und hab nie wirklich Ärger bekommen. Ansonsten war ich eigentlich ein recht normaler Schüler.

In deinem Programm „I’m lucky, I’m Luke“ plauderst du aus deinem Leben: Wie autobiographisch ist das Programm tatsächlich?

Komplett! Authentizität ist ganz wichtig. Jeder kann sich in meinen Stories wiederfinden, weil sie nicht nur mir sondern allen passiert sind.

Was ist deine geilste Erinnerung an die Neunziger?

Smacks! Die gibt es zwar heute noch, aber wenn du mit 27 Smacks kaufst wirst du auch nur angeguckt mit „Was stimmt in seinem Leben nicht“-Augen (lacht).

Apropos Neunziger: Beide Eltern spielten – nebst eines Auftrittes deines Bruders Jeremy – in der „Lindenstraße“. Was macht deiner Meinung nach den gigantischen Erfolg der Serie aus?

Die Lindenstraße spiegelt einfach ein ganz normales Leben wieder. Das mögen die Leute.

Du hast einmal den Film „Birdman“ zitiert: „Nur auf der Bühne weiß ich, wer ich wirklich bin.“ – Ist man als Entertainer privat unter Druck, immer witzig und gut aufgelegt zu sein, zu allem eine Meinung zu haben, möglichst pointiert?

Ich versuche im privaten nicht immer auf Wirkung aus zu sein, sondern normal mit meinen Menschen umzugehen. Mal gelingt es, mal nicht.

Du bist jedoch nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf Sat. 1 vertreten: Fühlst du dich auf der Bühne oder vor der Kamera wohler?

Ich liebe die Mischung. Jeder Tag ist anders.

Wie „aktuell“ ist eine Fernsehshow heute – in der „Generation Hashtag“ – noch?

Aktueller denn je. Alle Themen der Welt sind ein Klick entfernt.

Welcher Hashtag in Verbindung mit deinem Namen hat dich am meisten amüsiert oder erfreut?

#lukeistcooleralsjokoundklaas

Du schreibst auch für „Switch Reloaded“. Ist es enervierend, wenn jemand anders mit deinen Pointen hausieren geht? Schreibst du im Gegenzug bei „Luke! Die Woche und ich“ alles selbst?

Ich schreibe alles selber und nein gerade bei „Switch“ spielen ja wahnsinnig talentierte Menschen die Rollen, die ich selber so nie spielen könnte.

Du erachtest dich selbst als „beziehungsunfähig“. Glaubst du, hat die „übliche“ Beziehung – mit Kompromissen und gesellschaftlichen oder materiellen Zwängen – ausgedient?

Aktuell, ja. Aber ich glaube das kommt wieder und die nächste Generation wird das wieder voll toll finden eine ganz spießige Beziehung zu führen. Gerade sind wir mit all den Möglichkeiten überfordert und können uns nicht entscheiden. Das gilt auch für Beziehungen. Die nächste Generation ist mit dem Internet groß geworden und erachtet es selbstverständlich und nicht besonders da rücken alte Werte wieder in den Vordergrund.

Apropos Beziehung: vor drei Jahren wurdest du ja von der EMMA „ausgezeichnet“, für die pointierte Aussage über die inkompatiblen Sternzeichen zwischen Ihnen und Ihrer Ex-Freundin: Widder und Fotze. Wie wichtig ist die Diskussion über Geschmacksgrenzen bei Humor – oder sollte er (auch in Erinnerung an Böhmermanns hervorragendes Gedichtchen) tatsächlich „alles dürfen“?

Wie bei allem macht „der Ton die Musik“. Comedy/Satire darf erstmal alles. Die Verpackung ist dann entscheidend.

Folgte von deiner Ex dann eine bündige SMS mit einem Text á la „Arschloch“?

Nö! Mit der habe ich keinen Kontakt mehr, aber ich hoffe dass es ihr gut geht.

Kannst du eigentlich auch gut einstecken? Ist das ein Muss in Ihrem Beruf?

Ja total. Außer wenn es persönlich und fies wird, das finde ich nicht gut. Ich hab ein großes Problem mit Unfairness.

Anderer Fall: Der Österreicher Moneyboy. Ist das primitiver Humbug oder ein verflucht kluger Kunstgriff, was der Herr da veranstaltet?

Der Typ ist genial! Man muss als Gesellschaft immer wieder seine Grenzen ausloten und dann geht nur, wenn einer konsequent drüber schießt. Ich persönlich könnte das nicht, aber ich lache oft sehr laut. Mein privater Humor ist extrem schwarz.

In seinem nicht unumstrittenen Text „Geschlecht und Charakter“ sprach sich der Philosoph Otto Weininger dafür aus, dass der Mann „der Geist“, Frauen „der Sex“ seien – aber auch, dass kein Mann nur männlich, keine Frau nur weiblich sei. Ticken Männer und Frauen wirklich anders, kommen von Mars beziehungsweise Venus?

Männer und Frauen passen überhaupt nicht zusammen! Aber genau das macht es so spannend und erstrebenswert.

Den Begriff „Groupie“ verbindet man eigentlich mit den ganz großen Rockstars, mit den Stones und den Beatles – nicht jedoch mit Kabarettisten und Comedians. Ein Trugschluss?

Ja.

 

Den im wahrsten Wortsinn ausgezeichneten Comedy-Newcomer Luke Mockridge erleben wir mit seinem Programm „I’m lucky, I’m Luke“ im September in der Wiener Stadthalle (F) und in der Salzburgarena.

 

 

 

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