Lyrik mit Indie-Sound

Belle and Sebastian ist keine gewöhnliche Erfolgs-Band: ihre Songs sind keine Hits, ihre Texte nachdenklich-lyrisch und ihr Frontman ist allergisch gegen Alkohol. Dennoch sind sie aus der Indie-Szene nicht mehr wegzudenken. Aber wer ist dieser Belle? Und wer Sebastian?

Falsch gedacht! Belle kann weder singen, noch ein Instrument spielen und schon gar keine Hits schreiben. Sebastian, genauer gesagt Sébastien dürfte sein Musiktalent mit seinen sechs Jahren ebenso wenig ausgebaut haben. Man darf vorstellen: Belle, kein langzottiger Musiker, dafür ein kuschelig-bellender Langhaarhund und der kleine Sébastien, Belles Besitzer. Sie leben in einem französischen Alpendorf an der Grenze zu Italien und machen mit ihren Abenteuern Heidi deutliche Konkurrenz. Schöpferin dieser beiden unmusikalischen Figuren aus dem Kinderbuch ist die Autorin Cécile Aubry aus Paris.

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Weniger musikalisch sind die Namensgeber der Band: Hund Belle und sein Besitzer Sébastien. Ihre gemeinsamen Abenteuer gibt es nun auch als Film.

Ein paar hundert Kilometer weiter nördlich, im schottischen Ayr, wurde ein weiterer Erwähnenswerter geboren: Stuart Murdoch. Er ist die treibende Kraft und Sänger der siebenköpfigen Band, die sich wie das Kinderbuch nennt. Sie ist heute aus Indie-Kreisen nicht mehr wegzudenken, ohne je den großen Erfolg der Massen erreicht zu haben. Sie sind nicht Franz Ferdinand, die ebenso aus Glasgow kommen. Murdoch hat nicht die prägnante Stimme eines Kapranos, die großen Hits, die die anderen Schotten durch die Radiofrequenzen der Welt schossen, bleiben aus. Vielleicht sind sie zu wenig Punk, zu wenig Pop, zu intellektuell-nachdenklich. Dass Murdoch einen Hang zur Literatur hat, zeigt sich nicht nur im Namen der Band. Auch die Texte der Band könnte man in einem eigenen Gedichteband veröffentlichen. Und so wie alle großen Literaten (und Frontmen) hat auch Murdoch ein dunkles Kapitel in seinem Leben. Im College erkrankte er am chronischen Erschöpfungssyndrom: Ständige Müdigkeit gepaart mit Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen fesseln Stuart sieben Jahre ans Bett. Was er dort tun konnte, war lesen, Musik hören, einen Stift und eine Gitarre nehmen und selbst Songs schreiben. 1996 kamen dadurch die ersten Alben Tigermilk und If You’re Feeling Sinister auf den Markt. Seither sind sieben weitere erschienen und Belle and Sebastian haben sich auf eigenen Wegen internationale Fans eingeheimst.

 

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The Third Eye ist bei Rough Trade/ Beggars Group (Indigo) erschienen.

Auf der „Fans Map“ der Homepage haben sich bis dato 7.579 Mitglieder eingetragen. Ein einsamer Gesell führt sich den Indie-Sound inmitten der Eiswüste Grönlands zu Gemüte, 4 bekennen sich in Kasachstan und 8 in Indonesien als Belle and Sebastian-Anhänger. Die meisten Fans gibt es in Nordeuropa, auch die Westküste Nordamerikas und Japans liebt die Band. Für Langzeitfans gibt es nun das neue Compilation-Album The Thrid Eye mit Remixes und Tracks, die bisher noch nicht auf einem Album erschienen sind.

 

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