Maike Rosa Vogel setzt fünf Minuten lang Akzente

Herr Lehmanns Schöpferpapa, der Bremer Musiker Sven Regener, der bekanntlich mit Element Of Crime durch die Felder der Poesie hüpft, findet sie supigut. Sie, das ist Maike Rosa Vogel, eine Wahlberlinerin, die Berlin gerne als Schweizer Kanton sehen würde. Und in etwa so hört sich auch die Musik der Liedermacherin an: melancholisch und bitter gleichzeitig.

„Preisfrage: 1. Anna Blume hat ein Vogel, 2. Anna Blume ist rot. 3. Welche Farbe hat der Vogel?“, dichtete der deutsche Dadaist Kurt Schwitters in seinem Gedicht An Anna Blume und log hierauf wohl, als er dem Vogel eine grüne Farbe zusprach, denn der Vogel ist eindeutig rosa. Maike Rosa Vogel. Nichts desto trotz darf man wohl erneut Schwitters zitieren und ein „Ich liebe dir“ hauchen, denn was die Vogel tut, ist richtig gut – ansonsten würde Sven Regener in seinem Alter und bei seinem Ruf auch nicht mehr Fanboy spielen.

Sie wuchs im Spannungsfeld zwischen Franz Josef Degenhardt (Spiel nicht mit den Schmuddelkindern) und Wolf Biermann (die heimliche DDR-Nationalhymne Ermutigung), sowie Bob Dylan und Sinéad O’Connor auf, schloss dann irgendwann auch die Hamburger Schule ab, mit Auszeichnung, wie sie 2008 erstmalig mit Golden bewies. Sofort schließt Regener den neuen Stern am Firmament in sein väterliches Herz, produziert 2011 ihr Unvollkommen, nimmt sie als Willkommensgruß mit Element Of Crime mit auf Tour. Vogel spielt außerdem 2012 in Regeners Der kleine Bruder im Maxim Gorki Theater Berlin, im selben Jahr erscheint Fünf Minuten. Dazwischen schreibt sie Filmmusik, nicht jedoch für irgendwelche Independent-Bobo-Produktionen, sondern für richtig guten Stoff: Glawoggers Whores‘ Glory zum Beispiel.

Was zeichnet sie aus, hebt sie aus dem schier endlos scheinenden Übermaß aus Mädchen, die eine Gitarre halten und ein paar Akkorde zupfen können, hervor? Nun, Maike ist einerseits kein Mädchen mehr, sondern eine Frau, die harsche Songpoeme abliefert. Ewiglich schrammelt sie die Gitarre dazu, nach Art der 68er-Protestsänger, hier und da auch abgemildert von Klavier, Streichern oder einer einsamen Mundharmonika. Sie textet dabei aber nicht nur über die Zeitgenossen, die egoistisch und selbstzufrieden unsere schöne Welt zerstören – die Politikerbankenbörsenbosseterroristenaufsichtsräte dieser Welt -, sondern auch über das schnöde Leben einfach selbst, über Kornfelder (keine Verbeugung vor Jürgen Drews), über Alkohol, Autos. Alltägliches Zeug halt.

Maike Rosa Vogel pendelt zwischen großem Glück und tiefster Traurigkeit, halbe Sachen gibt es bei ihr nicht. Klingt gut, und darum war die Dame zuletzt im Theater Akzent auch AUS-VER-KAUFT. Daher gibt es diesmal zwei Termine: Hamburg-Berlin nun in Wien.

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