Maria Bill: Farewell und Neuanfang

Der Untertitel der neuen CD I mecht landen schockiert auf den ersten Blick: „Die CD zur Farewell-Tournee“. Gleichzeitig mit dem Erscheinen der Rückschau auf eine Veteranin des Austro-Pop,  geht die 63jährige Schauspielerin und Sängerin noch einmal mit ihren Klassikern auf Tournee. Danach beginnt für „die Bill“ ein neues Kapitel. „Denn ich bin gelandet“, verrät sie im TICKET-Interview.

TICKET: Was bedeutet „Farewell Tour“? Hörst du auf?

Maria Bill: Das soll gar nicht schockieren, das ist der Abschied von meiner wilden, jungen Liedermacherzeit. Also von den Liedern von damals, von I mecht landen. Inzwischen bin ich ja gelandet, sehr sanft und wurde mit offenen Armen seit vielen Jahren angenommen und jetzt mach‘ ich mich auf zu neuen Ufern. Das bedeutet nicht, dass ich weg gehe, aber ich möchte mich mit diesen Liedern von einer Zeit verabschieden und bei den Menschen bedanken, von denen ich immer wieder wunderschöne Reaktionen auf meine Lieder bekommen habe. Und die ich durch die Lieder ein Stück weit durch ihr Leben begleiten durfte. So etwas zu erfahren hat mich sehr berührt, das find‘ ich schön.

TICKET: Du schließt das Kapitel Austro-Pop komplett? Ich kann mir kein Maria Bill-Konzert ohne I mecht landen vorstellen.

Maria: Ich auch nicht. (lacht) Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich danach einen Liederabend mache, wo ich ausschließlich diese Lieder singe. Davon werde ich mich in dieser Form verabschieden. Obwohl, ich probe jetzt mit einer neuen Band und das ist so an- und aufregend, dass es mir schwer fällt, das als Abschiedstour zu sehen. Aber es gibt ja neue Dinge zu entdecken und das will ich.

TICKET: Wieso kommen die Hit-Sammlung und die Konzertserie gerade jetzt?

Maria: Jetzt gerade, weil ich vor zwei Jahren immer wieder bei meiner Plattenfirma angefragt habe, ob man nicht diese erste CD mit I mecht landen, Kaktus oder Café de Flore wieder herausbringen kann. Ich hab‘ das immer wieder für Menschen kopiert, ich darf das ja, das ist mein Eigentum. Vor eineinhalb Jahren haben wir beschlossen: So, jetzt machen wir ein Packerl. Die CD kommt noch einmal heraus mit einem Bonus Track – einer Coverversion von I’m Drinking Again.  Den Song habe ich in meine zweite Muttersprache übersetzt, ins Wienerische. Es wird eine Doppel-CD. Zusätzlich zur Tour wir auch noch ein Liederbuch erscheinen.

TICKET: Gibt es Stücke, die du ganz bewusst nicht mehr ausgegraben hast und in der pre-digitalen Zeit lässt?

Maria: Hmmm. Es war gar nicht so einfach auszuwählen. Auch die Musiker haben sich Gedanken gemacht, was man schöner gestalten könnte. Im Moment erscheint mir das Programm noch etwas lang, aber wir können ein bissl g’schwinder spielen. (lacht) Es sind 24 Titel, eine Menge Lieder, die von Liebe, Sehnsucht, Verzweiflung und himmelhoch jauchzendem Glück erzählen.

Und dann gibt es Lieder, die von den Auswirkungen der Profitgier von Konzernen und einzelnen Menschen handeln, die sich dieses Systems so bedienen, dass sie immer reicher und reicher werden. Und davon, dass die Schere immer größer wird. Das ist ein unmerklicher, unterschwelliger Krieg, ein Super-GAU. Das macht mir Angst. Davon handeln Lieder wie: Was werden die singen?, Die Gewissen und Die Viecher.

Dann geht es noch um das Thema „alt werden“. Es gibt ein Stück, das ich geschrieben habe als ich noch jung war. Da gibt es eine Strophe, wo ich das umdreh‘. Ich sehe eine alte Frau und überlege, ob ich zu ihr hin geh‘, ob sie Angst vor mir hat, weil ich so laut und jung bin. Das ist verrückt, weil es sich jetzt umdreht und ich  schön langsam in diese Richtung gehe. Das beschäftigt mich.

TICKET: Ich glaube, vor 25 Jahren hätten wir nicht gedacht, dass wir heute noch immer da sitzen und über Musik reden…

Maria: Ja, das stimmt. Aber wir sitzen noch da, das ist das Tolle! (lacht)

TICKET: Gibt es im Live-Programm ganz besondere Lieblinge?

Maria: Ja, ja! Das ist ein Lied, das heißt Jung und schön, das ist das schönste Lied. Es handelt von einem Menschen, den ich im Dunkeln sitzend – weil mir da wohl ist – zuschau‘, wie er tanzt und sich vergnügt und wunderschön ist. Und den ich nicht aus den Augen verlieren möchte. Das ist für meinen Sohn geschrieben.

TICKET: Du bist immer wieder mit dem Piaf-Programm aufgetreten. Ist das jetzt auch vorbei?

Maria: Ich erlaube mir, das zwei, drei Mal im Jahr zu spielen, das ist anregend und immer wieder wie eine Premiere. Das ist nie Routine, das kann nie Routine werden, weil es mit so vielen Emotionen und Energie verbunden ist. Und mit einer Frau, vor der ich großen Respekt und Hochachtung hab‘. Auch Brel mach‘ ich wieder, in der Nähe von Meckenhofen, auf einem Bauernhof. Das ist anspruchsvoller als Piaf, nicht so populär. Da freu‘ ich mich schon d‘rauf.

TICKET: Wie sieht die Zukunft nach der Tournee aus?

Maria: Ich habe einige Theaterpläne und danach möglicher Weise Zeit, Lieder zu schreiben, die mit dem Leben, mit mir heute zu tun haben. Das würde mich reizen. Wenn ich derzeit probe und auf der Bühne stehe, dann bin ich rundum glücklich und ganz bei mir, dann bin das ich. Das Gefühl ist wie fliegen. Ich bin gelandet, es ist toll hier, aber jetzt flieg‘ ich wieder los und weiß noch nicht wohin.

Interview: Alexander Haide
 
Live kommt Maria Bill im Oktober nach Österreich! 

Maria Bills Anniversary Edition erscheint am 7. September bei Universal Music.

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