Marika Lichter

Mit ihrer Charity-Veranstaltung Wider die Gewalt konnte Marika Lichter mit Unterstützung vieler prominenter Künstler in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als zwei Millionen Euro sammeln, die sowohl für die Opfer häuslicher Gewalt, als auch zur Prävention eingesetzt wurden. Heuer geht die große Benefiz-Gala zum 23. Mal im Wiener Ronacher über die Bühne. TICKET traf die Grande Dame des Musicals und plauderte über Spendenskandale, die Erfolgsgeschichte von Wider die Gewalt und vieles mehr.

Weil es schon so lange her ist, gehen wir zum Anfang von Wider die Gewalt. Woher kam die Idee?

Marika Lichter: Der damalige Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky hat beim Mai-Aufmarsch 1990 gemeint, dass Gewalt in der Familie kein Kavaliersdelikt ist. Er hat damals ein sehr heikles Thema angesprochen, begonnen, es zu enttabuisieren. Letzten Endes hilft nur Aufklärung. Man ist an mich herangetreten und hat gefragt, ob ich eine kleine Veranstaltung machen möchte zum Thema Gewalt in der Familie. Ich hab‘ damals gerade Les Miserables im Raimundtheater gespielt und fragte den Generaldirektor, ob ich das Haus für einen Abend haben kann. Er sagte Ja, aber wenn es nix wird, reißt er mir den Schädel ab. Das musste ich riskieren. Wir hatten dann einen Reinerlös von 200.000 Schilling, also knapp 14.000 Euro. Jetzt sind es 23 Jahre, wir haben sehr viele Projekte unterstützt und ich bin sehr stolz darauf.

Heuer sind große Namen wie Unheilig und DJ Ötzi mit dabei. Wie kommt man an solche Stars heran?

Marika Lichter: Einfach ist es nie, aber es ist einfacher geworden, da wir eine Art Glücksbringer für viele Künstler sind. Sandra Pires hat das erste Mal Here I Am gesungen, der DJ Ötzi hat seinen ersten Live-Auftritt bei uns gemacht, ebenso die Christina Stürmer. Die Künstler sehen auch, dass das jetzt 23 Jahre geht und keine Schicki-Micki-Yellow-Press-Idee ist, wo man sich kurz in die Presse bringen kann.

Es gibt ein breit gefächertes Programm von Pop, Schlager, Tanz…

Marika Lichter: …und Klassik. Ich finde das ganz wichtig, denn dann kann einer unserer Gäste sagen, dass ihm ein Element nicht so gut gefallen hat, dafür war etwas anderes für ihn dabei. Wir haben heuer auch wieder die Idance Company dabei, was mir ganz wichtig ist. Unheilig ist unser erster Preisträger, denn ab heuer gibt es den Preis Wider die Gewalt für Menschen, die sich besonders für Kinder einsetzten. Unheilig haben bei den Konzerten immer viele Kinder dabei, die sie einladen. Das finde ich schön. Der Preis ist von der Firma Zepter gestiftet, beträgt 10.000 Euro und geht an die Kinderhilfe e.V. Münster.

Der Erlös geht an die unterschiedlichsten Organisationen…

Marika Lichter: Mir ist wichtig, dass es österreichweit gestreut wird. Vereine, die mit Männern oder Buben arbeiten sind mir wichtig, also die Prävention. Es hat sich ja gezeigt, dass Kinder, vor allem Buben, die mit Gewalt konfrontiert sind, später auch Gewalt ausüben. Das wird zu einem Muster. Für mich ist Prävention wichtiger, als später die Schäden zu beheben.

Erst vor kurzem gab es wieder einen Spendenskandal, in den Prominente Schlagzeilen machten. Haben Sie vor so etwas Angst?

Marika Lichter: Solche Berichte verunsichern die Spender, das ist furchtbar. Wenn wirklich etwas passiert ist, muss man das aufzeigen, das ist in Ordnung. Aber Verdachtssachen auszusprechen und jemand anzupatzen, damit habe ich Probleme. Ich habe keine Angst davor, dass mir so etwas passiert, Angst wäre da ein schlechter Ratgeber. Wenn es Anschuldigungen gibt, dann kann man sie ja entkräften. Wenn man das nicht kann, ist man eh schuld.

Spüren Sie die Wirtschaftskrise?

Marika Lichter: Und wie! Unser Hauptsponsor AWD, der uns jedes Jahr 50.000 Euro gegeben hat, musste wegen der Schieflage abspringen, andere ebenfalls. Manche tun das wirklich aus wirtschaftlichen Gründen, andere haben das nur zum Vorwand genommen. Man darf eben nie aufhören zu kämpfen, ich gehe Klinkenputzen und schau‘, dass Geld herein kommt.

Sie sind ja selbst Künstlerin und Agentin. Hilft das Engagement bei Charities auch im Job?

Marika Lichter: Es hat alle immer zwei Seiten. Ich neige nicht dazu, mich bei so etwas in den Vordergrund zu stellen, ich bin auch nicht im Verein. Ich bin seit kurzem Geschäftsführerin, hab‘ mich aber lange dagegen gewehrt. Aus praktischen Gründen mach‘ ich das jetzt. Es hilft nicht wirklich im Beruf, denn man macht sich manchmal auch unbeliebt. Ich stelle lieber die Künstler und die Sache bei der großen Gala in den Vordergrund und nicht mich. Ich hab‘ genug Presse, ich brauch‘ das nicht.

Interview: Alexander Haide

Nutzen auch Sie die Chance etwas Gutes zu tun. Kommen Sie am 7. November in das Wiener Ronacher und erleben Sie wie sich Unheilig, DJ Ötzi, Petra Frey, Gregor Glanz und viele mehr Wider die Gewalt einsetzen.

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!