Marktanalyse

Kostlöffel bereithalten! Samstagvormittag ist Marktzeit. !ticket kriecht deshalb früh aus den Federn und kostet sich auf der Genusstour durch den Wiener Karmelitermarkt. Ein Live-Erlebnis für Feinschmecker.

Feigen. Veilchen

Karl Buchtas Essigvariationen sind in aller Munde: „Hat er Veilchenessig?“, fragt die Frau neben uns. Sie hat einen Essig-Fan am Smarthörer und schaut den Meister der Gährung erwartungsvoll an. „Ja hat er“, meint dieser. Wir sind erstaunt. Auch Allerlei von Weingarten-Pfirsich- über Uhudler- und Spargelessig findet man in seinem Säure-Sortiment. Die richtige Verkostung macht’s aus: Mit einer Pipette tropft Buchta einen Gaumenkratzer voll Essig auf unsere Handrücken: „Und jetzt mit der Zunge vorne im Mund zerreiben.“ Unser Favorit: Paradeiseressig. Feines gibt es auch bei Gratzer. Auf unseren Verkostungs-Löfferl landen nun Marmeladen, Chutneys und Pestos. Das Wallnusspesto auch gleich vom Löffel in unserer Einkaufstasche. Sowie die Spargelschokolade von Peter Gallhofer. Ein schnell erkennbarer Gourmand von Welt: Müsli aus England, Pasta aus Italien – er besucht die Produktionsstätten vor Ort und vertreibt sie am Markt.

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Der Essigbaron. Karl Buchtas Reich erstreckt sich von Veilchen bis Uhudleressig

Nusskäse. Hirschwurst

Jeden Samstag steht er ab 7 Uhr am Markt, Der Tschürtz, und präsentiert seine Fleischwaren. Zum Glück durfte man auch hier probieren, und da gab es als Frühstücksersatz gleich mal vorzüglichen Beinund Rohschinken. Da kann Parma und San Daniele einpacken – Loipersbach ist in! Weiter geht es mit tierischen Produkten: Der Schweizer hat sich nach dem Schuster-Leisten-Motto aufs Käsige konzentriert! Völkerverständigung funktioniert übrigens noch auf dem Markt, fernab von irgendwelchen Schweizer Abstimmungen: Loipersbach und die Schweiz taten sich zusammen, und daraus entstanden ist eine einzigartige Multikulti- Käsekrainer. Weg vom Käse, zurück zum Fleisch: Wir landen beim Herrn Leopold, ein richtiges Original! Wenn man was Wildes braucht, ist man bei ihm goldrichtig. Eine fantastische Hirschwurst oder ein Wildschweinschinken zum Beispiel. Neben Metzger, Jagdaufseher und Wildfleischbeschauer, ist Herr Leopold übrigens auch noch Trichinenuntersucher. Das bitte selbst googeln!

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Genuss pur. Der Beinschinken von Der Tschürtz scheint wirklich auf der Zunge zu zergehen.

Frisch. Gepresst

„Topaz“, „Opal“, „Braeburn“ – alte Apfelsorten jenseits von „Gala“ und „Granny Smith“ gibt es am Gemüsestand neben Schafbauer Hautzinger. Der kommt gerade mit seinem kleinen Laster am Karmelitermarkt an, breitet seine Milchprodukte am Tisch aus: „Griasdi Wolfgang“, nickt der Gemüsebauer dem Standnachbarn zu. Man kennt sich eben. Übrigens: Die Äpfel „Opal“ und „Topaz“ eignen sich laut unserem Guide besonders für Kompott, „Vogelmiere“ als Salatbeilage mit Eigengeschmack, und wer violette Erdäpfel näher kennenlernen möchte: Man höre auf „Blue Salad“. Altenriederer, ein weiterer Standgeselle, verkauft Vitamine in gepresster Form. Wir haben ein, zwei und drei Stamperl Marillensaft gekippt. Ein, zwei und drei Flaschen von Traube, Birne und Johannesbeere aus dem Traisental erstanden. Und weiter geht’s.

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Vitaminparadies. Längst vergessene Obst- und Gemüsesorten gibt es am Kamelitermarkt zu ergattern.

Gold. Flüssig

Wichtig an einer Markttour: Die flüssige Verpflegung darf auf keinen Fall fehlen! Dementsprechend lässt uns Mihailo Martinovic einen Riesling kosten, und der war wirklich leiwand, OBWOHL er aus Deutschland kommt. Zum Drüberstreuen gab es dann noch einen Sekt, weil „da macht’s ticki-tacki im Mund.“ Bier auf Wein sollte man sein lassen, wir halten uns nicht daran und trinken „Schwarzer Peter“ von Bruckners Erzbräu, nicht ganz stilecht aus dem Löffel um den Hals, schmecken tut es trotzdem! Neben Körndl- und Obstgetränken widmen wir uns noch dem Bienengold in Form von Met. Prost! So beschwingt kann es gerne noch länger weitergehen …

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Probe beim Kräuterfritz. Met ist wohltuend und gesund! Das meinen wir, aber Fritz Burger vom Schmankerlparadies Bucklige Welt kann das sicher noch besser erklären.

Kaas. Krabben

Schafbauer Wolfgang, Wildjäger Leopold oder Essigkönig Karl trifft man nur samstags am Karmelitermarkt an. Manche Lokale haben dagegen ihren fixen Standort. Wie die Kaffeestation, wo der Alt Wiener Kaffee noch seinen Weg in die Mühle findet. Regionales von österreichischen Bauern und Produzenten bekommt man auch im Kaas am Markt. Hier sammeln sich schon um 8.30 die ersten Durchzechten, morgendlichen Philosophen und senilen Bettflüchtigen, schlürfen ihr Koffein aus den Gmundner Keramikhäferln, noch bevor das Markttreiben richtig losgeht. Ein weiterer Tipp jenseits der Markthektik: das Hamburger Lokal Wulfisch in der Haidgasse. Hier endet auch unsere Markttour mit Krabben, Heringsalat und Fritz Limo.

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Koffein tanken. Bei unserem ersten Stopp,der Kaffeestation, stoßen wir auf eine Seltenheit: Alt Wiener Kaffee.

 

 

Die Genusstour über den Wiener Karmelitermarkt findet samstags um 8.00 Uhr statt. Ein !ticket Tipp: circa 4 Stunden einplanen und viel Hunger mitbringen. Tickets und Infos zu Markt- und weiteren Gourmettouren (z. B.: über den Wiener Naschmarkt, das süße Wien oder durch das Seewinkel- Gebiet) gibt es auf www.jollydays.at

 

Text: Astrid Radner/ Petra Albrecht

 

 

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