Maroon 5: Pop Rules!

Spätestens seit Moves Like Jagger kennt die ganze Welt die Band aus Los Angeles, die wie viele legendäre Kollegen ihren ersten Gig im Whisky a Go Go (West Hollywood, Kalifornien) gespielt hat. Seither sind gut 15 Jahre vergangen, dennoch veröffentlichten Maroon 5 mit Overexposed erst ihr viertes Studioalbum. TICKET erwischte Gitarrist James Valentine zwischen Meetings und Proben am Telefon.

TICKET: Der Titel Overexposed ist ein Fingerzeig auf den enormen Erfolg des Titels Moves Like Jagger, der in einer neuen Version auch auf dem neuen Album zu finden ist. Gab es wirklich zu viel Maroon 5 in den vergangenen Jahren?

James Valentine: Es gab einen Moment, als sich alle unsere Freunde beschwerten, dass sie überall Moves Like Jagger hörten. Zu der Zeit lief auch die Promotion für Adams (Adam Levine, Frontman von Maroon 5, Anm.) TV-Show The Voice. Sie hatten überall Riesenplakate von Adams Gesicht, auf Bussen, in ganz Los Angeles. Das war schon beinahe lächerlich. Deshalb kamen wir auf den Titel. Der Name funktioniert auch auf anderen Ebenen wie der Fotografie. Wenn man überbelichtet, ergeben sich knallige Farben, das passt ganz gut zum Sound der Platte.

TICKET: Freut dich der weltweite Erfolg denn nicht?

James: Klar ist das großartig! Ich liebe es, dass wir in so ferne Länder reisen, wo sie unsere Songs mitsingen, obwohl sie die Texte nicht verstehen und kein Englisch sprechen. Sie können aber mit den Melodien und den Gefühlen etwas anfangen, die dahinter stecken. Das beweist, dass wir unseren Job gut machen.

TICKET: Auf Overexposed gibt es so viele Stileinflüsse, von Reggae und Electro bis hin zu Balladen. Woher kommt diese Vielfalt?

James: Wir nehmen uns das zur Brust, was uns in dem Moment, in dem wir neue Songs schreiben, selbst interessiert. Deshalb verfolgen wir die unterschiedlichsten Wege. Der Reggae-Einfluss, ja, wir hören alle viel Reggae, haben aber selbst noch wenige Titel geschrieben, die davon beeinflusst waren. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns dem Thema ausführlicher widmen würden.

TICKET: Adam sagte, dass das ein reines Pop-Album ist. Schreiben sich Pop-Songs leichter als das frühere Material?

James: Im Gegenteil, es ist die größte Herausforderung Songs zu schreiben, die einem breiten Publikum gefallen sollen, das Pop hört. Wir sind besessen davon, diese Fähigkeit zu lernen und zu beherrschen. Der Prozess das Album zu machen ging schneller als früher, das hängt aber eher von unserer Arbeitsweise ab. Wir sind konzentrierter als je zuvor, arbeiten härter und länger. Früher, als wir in unseren Zwanzigern waren, wollten wir keine Party versäumen anstatt an Songs zu arbeiten. Wir freuten uns am Starleben. Das tun wir auch heute noch, aber uns macht die Arbeit mehr Spaß. Das hängt von der Lebensphase ab.

TICKET: Ein Titel nennt sich The Man Who Never Lies. Gibt es deiner Meinung nach jemanden, der niemals lügt?

James: Vielleicht gibt es eine unentdeckte Kultur, bei der es keine Lügen gibt. Im Prinzip glaube ich das aber nicht. Jeder lügt doch schon mal.

TICKET: Zum Song Fortune Teller: glaubst du an Wahrsager?

James: Ich glaube nicht wirklich daran, aber sie können durchaus Sinn machen. Im Prinzip hört man ja das heraus, was man möchte und was man braucht.

TICKET: PJ Morton ersetzt seit einiger Zeit Jesse Carmichael. Wird das so bleiben?

James: PJ spielte ja schon mit uns bevor Jesse die Band verließ, jetzt hat er eben noch mehr Aufgaben. Jesse brauchte einfach eine Auszeit, das verstehe ich. Immerhin spielen die anderen Jungs schon zwanzig Jahre miteinander, ich bin ja erst seit 12 Jahren mit dabei. Die vergangenen zehn Jahre waren auszehrend. Wir spielten eine Tour nach der anderen, das verlangt einem viel ab.

TICKET: Du brauchst keine Auszeit?

James: Ich würde gerne eine Pause haben, aber ich liebe es auch in der Band zu spielen. Ich kann mir nicht vorstellen aufzuhören. Nach zwei Tagen würde ich fragen: Ok, wo ist die nächste Show (lacht)?

TICKET: Gleichzeitig mit Overexposed erscheint eine Ausgabe zum zehnten Jahrestag des Albums Songs About Jane. Was geht einem da durch den Kopf, wenn man an diese lange Zeit denkt?

James: Es ist großartig! Es war erstaunlich, sich diese alten Songs wieder anzuhören, die Demos auszugraben. Zu dieser Zeit haben wir nicht bemerkt, dass wir etwas schaffen, das eine Art Phänomen der Popkultur werden würde. Also macht es Spaß, dorthin zurückzublicken. Ich dachte, wie glücklich ich sein kann, diesen Job noch immer zu machen und dass es noch immer aufregend wie am ersten Tag ist.

TICKET: Es fühlt sich an wie gestern …

James: Ja, für mich ist das so. Zehn Jahre sind eine lange Zeit, aber ich habe keine Ahnung, wieso die so schnell vergangen sind. In meinem Kopf bin ich noch immer 22.

TICKET: Was kann man sich von der nächsten Tour erwarten?

James: Hoffentlich kommen wir 2013 nach Europa. Die Menschen müssen unsere Liveshow einfach sehen. Wenn sie die Alben mögen, unsere Songs, dann werden sie beim Konzert eine ganz andere Band sehen. Im Studio wollen wir brillante Popsongs schaffen, also steckt da eine Menge an Produktion drinnen. Im Herzen sind wir aber noch immer eine Rockband. Wir wollen raus gehen, die Verstärker aufdrehen, lautes Schlagzeug haben und längere Gitarrensoli spielen.

Interview: Alexander Haide

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