Martin Puntigam ist völlig losgelöst

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Gemeinsam mit seinen honorigen Kollegen Oberhummer und Gruber sorgt Kabarettist Martin Puntigam am „Institut der Science Busters“ für Edutainment der Extraklasse – selbst Schüler Gerber weiß, wie man Präsidenten sprengt und warum der Osterhase so viele Eier hat. Nun greift Martin Puntigam jedoch nach den Sternen und erschafft „Brave New World“ – in seinem neuen Programm Supererde !

Was genau fasziniert Sie am Thema Wissenschaft eigentlich? Wo liegen hier Ihre Spezialgebiete?

Martin Puntigam: In meinem Fall war Sprache der Katalysator, der mich nach meinem abgebrochenen Medizinstudium wieder zur Naturwissenschaft gebracht hat. Ich habe mich für ein Kabarettsolo mit Hochenergie beschäftigt und dabei die Welt der Elementarteilchen kennengelernt. Und die mutet ein bisschen wie eine Spielzeugwelt an, mit Quarks, Hadronen, Gluonen etc.,gelenkt und geleitet fast ausschließlich von Männern, die ihre Beschleunigeranlagen aber akronym nach Frauen benennen– HERA und PETRA beispielsweise. Diese Welt wollte ich mir genauer anschauen und bin reingekippt. Es ist daraus ein Solokabarettprogramm namens Wildwochen entstanden, in dem ich einen promovierten Physiker gespielt habe, der auf eine Anstellung im modernsten Teilchenbeschleuniger der Welt, für den der damals in Planung befindliche LHC in Genf als Vorbild diente, wartet, bis zu seiner Berufung aber als Up-Quark in einem Vergnügungspark namens Teilchenbeschleunigerland im Elementarteilchenballett mittanzen muss. Das Programm erwarb sich einen gewissen Ruf in der Science Community und kam dank der Vermittlung von Joszko Straus von der Akademie der Wissenschaften sogar in Genf unter anderem vor Physikerinnen und Physikern des CERN zur Aufführung. Und auch am Atominstitut in Wien gab es eine Darbietung – jenem Institut, an dem damals Heinz Oberhummer als Kernphysiker forschte. Und als der sich Jahre später mit Werner Gruber auf die Suche nach einem Kabarettisten mit naturwissenschaftlicher Schlagseite machte, schloss sich der Kreis zwangsläufig. Spezialgebiet habe ich allerdings keines vorzuweisen, ich bin aber erstklassiger, interessierter Laie.

Zum Thema „Supererde“ – welche Tipps haben Sie um eine solche wieder herzustellen? Oder ist es ohnehin zu spät?

Puntigam: Tatsächlich ist, nach allem was wir aktuell wissen, die uns vorliegende Erde die superste, die es weit und breit gibt. Da brauchen wir nichts zu tun, denn der Erde geht es ganz okay, mit oder ohne uns, aber die Menschheit muss sich mehr anstrengen. Sie könnte es ja, sie ist nur faul.

In welchem Ihrer Berufsfelder bewegen Sie sich denn am liebsten? Als Autor im Hintergrund? Als „Moderator“? Als Kabarettist? Im Radio?

Puntigam: Am liebsten ist mir natürlich gut bezahlte Freizeit, aber wenn ich arbeiten muss, dann ist mir eigentlich alles gleich recht, weil sich dabei die Fron sehr in Grenzen hält. Momentan hat der Autor als Kabarettist die Nase vorne, weil ich mich nach vier Jahren wieder einmal auf mein Solo Supererde ohne meine beiden physikalischen Boxenluder freue.

Wie sehen Sie denn aktuell das Bildungsfernsehen im ORF ?

Puntigam: Naja, Bildungsfernsehen ist ein etwas anachronistischer Begriff aus dem letzten Jahrhundert, der nahelegt, wenn etwas bilde, dann müsse es nicht besonders schmackhaft auch noch sein. Heute kann, ja muss man fast überall etwas lernen, selbst bei der Großen Chance war zu sehen, dass es nicht einmal in Wien mehr zwangsläufig zum Erfolg führt, wenn man beim Casting mit einem Mitarbeiter der Kronenzeitung auftaucht.

Der FM4 Ombudsmann schreibt ja eine Kolumne für TICKET. Wie ist denn Ihr Verhältnis zu ihm?

Puntigam: Der FM4 Ombudsmann ist die moralische Instanz in Europa, ohne die es längst keine Orientierung im abendländisch-aufgeklärten Sinn mehr gäbe. Ich bin ihm mithin sehr zugetan, kann sein Schaffen nur uneingeschränkt preisen und allen, die ihn auf Händen tragen wollen, nur gratulieren.

Sind Sie privat auch ein spaßiger Zeitgenosse oder leben Sie Ihren Humor eher auf der Bühne aus?

Puntigam: Natürlich könnte ich jetzt sagen, dass ich mich privat gramgebeugt durch die Wohnung schleppe, die Mundwinkel schleifen vor Ungemach am Boden und des Jammers ist kein Ende. Aber es wäre gelogen. Angesichts der Aussicht, stattdessen als „spaßiger Zeitgenosse“ zu gelten, muss ich allerdings genau überlegen, ob ich bei der Wahrheit bleibe.

Welchen wissenschaftlichen Tipp haben Sie denn an die Menschheit?

Puntigam: Wenn ich einen Tipp für die Menschheit hätte, der diese weiterbringen könnte in ihrem Streben, nicht bald wieder vom Planeten Erde zu verschwinden, dann würden wir, bei aller Wertschätzung, dieses Interview nicht führen, sondern ich ließe mir gerade auf einer meiner zahllosen Karibikinseln im Angesicht der untergehenden Sonne die Bartspitzen von ausgesucht hübschen, wohlriechenden und gut gelaunten Menschen kupieren. Die Tipps, die ich tatsächlich auf der Pfanne habe, sind dagegen nicht der Rede wert.

Wird pink jemals out sein?

Puntigam: Ich verstehe, dass mich viele Menschen um die Farbe meiner Berufskleidung beneiden, trugen doch nicht nur zu allen Zeiten die Cäsaren purpur, sondern auch heute noch ummäntelt beim Giro d’Italia das rosa Trikot nicht denjenigen, der am öftesten stürzt oder am unbeholfensten einen Patschen repariert, sondern den Sieger.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten – egal ob in die Vergangenheit oder die Zukunft – wo würde es Sie hin verschlagen?

Puntigam: Das muss keine große Reise sein. Ein paar Wochen in die Vergangenheit zum letzten Super-Jackpot mit den richtigen Ziffern in der Tasche reicht völlig. Da bin ich bescheiden.

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