Masters Of Dirt – Hupf in Gatsch

Seit über zehn Jahren geht mit „Masters Of Dirt“ die wohl wildeste Freestyle-Jump-Show über die Rampe. !ticket traf Dirt-Mastermind Georg Fechter zu einem eingesprungenen Interview.

Ob auf dem Mountainbike, der Motocross-Maschine, oder dem Snowmobile – über 60 Athleten zeigen bei Masters Of Dirt, zu welchen Stunts und Sprüngen sie fähig sind und das auf einem riesigen Haufen Erde, Hügel inklusive. Der Name ist also Programm! Zusätzlich dazu gibt es fette Beats, eine Feuershow und mit den Fuel Girls ist auch für die eine oder andere Augenweide gesorgt. Georg Fechter steht mit einer unfassbaren Leidenschaft hinter seinem „Baby“ und plaudert aus dem Nähkästchen.

Fährst du selbst Motorrad?

Ich fahre hobbymäßig Motocross und professionell Mountainbike Dirt Jump. Das mache ich seit 1999 und bin der erste Österreicher, der einen Rückwärtssalto gemacht hat. Motocross fahren ist mir ein bisschen zu heavy. Alleine wenn man sich unsere Jungs ansieht, die haben alle Schrauben und Eisenplatten und künstliche Bänder und was weiß ich was. Die Distanz, die die Jungs springen ist auch einfach so groß, dass wenn du da mal absteigst richtig etwas schief gehen kann. Beim Fahrrad ist das nicht ganz so gefährlich.

Wie bist du dazu gekommen?

Mein Vater hat 13 Jahre lang im Ferry-Dusika-Stadion das Hallen Motocross auf Holz gemacht. Dort habe ich im wahrsten Sinne des Wortes Benzin gerochen und mich dann darauf festgefahren. Ich habe dann auch in Australien und Amerika die Jungs gesehen, die Freestyle-Motocross in den Dünen gemacht haben und gedacht: Das müssen wir mal als Show bringen! Seit 2003 tun wir das nun auch. Damit begann dann die Erfolgsgeschichte.

Was hältst du von Mopeds?

Ich bin jetzt kein großer Fan, aber sie sind sehr nützlich. Ich hatte damals ins Frankreich auch eine Piaggio Typhoon und da habe ich sehr viel davon gehalten, weil man durfte in Frankreich noch ab 14 ohne Führerschein fahren, das habe ich natürlich genutzt. Meine Mutter wohnt in Frankreich, es ist dort alles sehr weitläufig. Wenn jemand Spaß hat Moped zu fahren, soll er Moped fahren. Das gibt einem sicher auch einen Kick. Es ist ja egal, ob du auf einer Motocross Maschine oder einem Moped sitzt. Fürs Freestylen ist es halt nicht sehr geeignet. Salto würde sicher gehen, aber es ist die Frage, ob es die Landung überleben würde. Wir hatten letztes Jahr in Wien den Alfonso, unseren Pizzaboten, der ist mit einer Piaggio Ciao über die Rampen gesprungen. Das war auch sehr witzig.

Du giltst ja auch als Trendsetter. Hast du einen Ausgehtipp in Wien?

Natürlich die Masters-Of-Dirt Party, wenn sie ist, so circa fünf Mal im Jahr. Das sind natürlich meiner Meinung nach die Top-Parties. Wir haben keinen Dresscode, jeder kann Spaß haben, wir haben meistens zwei Floors, mischen die Musikrichtungen, es gibt sehr viele Mädls, sehr viele heiße Burschen, die Fahrer kommen alle hin, das ist wirklich ein Hot-Spot. Wer jedes Wochenende weggehen will und vielleicht auch uns einmal erleben will beim Weggehen: ich würde die Kantine, Pratersauna oder den Volksgarten empfehlen. Es bleibt ja auch oft nicht nur bei einem Club, die drei würde ich den Leuten auf jeden Fall nahelegen.

Wenn wir schon beim Fortgehen sind, was war denn das Peinlichste, das dir je passiert ist?

Was mir extrem peinlich ist ist, wenn es zu Handgreiflichkeiten kommt, wenn man betrunken ist. Ich bin gegen Gewalt und verstehe überhaupt nicht, warum dann gepöbelt wird oder man sich prügelt, das ist einfach peinlich, wenn so etwas passiert. Ich finde einfach, ich bin zu alt und dieser negativen Energie total abgeneigt. Und sonst … beim Ausgehen selbst ist mir nicht so viel peinlich, da fließt ja auch meistens Alkohol, am nächsten Tag dann schon eher. Aber es gibt da eigentlich nicht viel, denn wie sagt man: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Da ist einem dann nicht mehr sehr viel peinlich. Wir stehen ja auch dafür, dass wir wild sind und uns blöd aufführen. Und das gehört in einem gewissen Rahmen natürlich auch in einen Club. Zum Smalltalken geht man ja eher in eine Bar und zum Abgehen in einen Club.

Was sind denn deine musikalischen Vorlieben?

Elektronisch. Ich höre schon alles, von Metal über Hip-Hop über Trap bis eben hin zu elektronischer Musik. Hauptsächlich, auch bei den Shows, ist es Elektro, EDM, Techhouse und solche Sachen.

Das heißt, dein Mixtape ist voll Elektro?

Ja! Auf der MoD-Seite gibt es ja auch Mixtapes von DJ- Mosaken. Da rede ich auch immer ein Wörtchen mit, da findet man auch viele meiner Favorites.

GeorgIhr habt ja auch die Fuel Girls dabei – wie ist das entstanden?

Die Mädls sind super Feier-Performerinnen. Wir haben ja immer ein riesen Opening mit der Pyro-Show. Da passt das auch mit dem Namen „Fuel“ zu Motorsport. Die waren auch schon etabliert! Die sind in der Playboy Mansion in L.A., in Vegas, in St. Tropez und bei diversen anderen Shows aufgetreten. Ich kann mich auch erinnern, es war ein Fuel Girl damals, die die MoD Tattoowelle initiiert hat, die hat sich damals in den Nacken MoD tätowieren lassen, das war glaub ich  2007, sie hat damit einen Stein ins Rollen gebracht, das hätte ich mir echt nicht erwartet. Jetzt haben mindestens 500 Leute unser Logo tätowiert. Man sieht es in Magazinen und auf Tattoomessen. Mir erzählen auch immer wieder Tätowierer, dass sie es es schon gemacht haben. Der Totenkopf mit den Hasenohren ist auch aussagekräftig.

Hast du es auch?

Ich habe nur “MOD” auf der Innenseite meiner Lippe. Ich neige immer zum Extremen und habe einfach Sorge, dass ich mich, wenn ich einmal anfange, zu voll tätowieren lasse. Und dann bei der Stadt Wien nach der Förderung fragen, kommt vielleicht nicht so gut, weil leider die Gesellschaft doch recht konservativ ist. Es ist wirklich lustig, es ist jeder tätowiert, aber es gibt trotzdem noch Leute, die das einfach zu engstirnig sehen in meinen Augen.

Was ist denn das peinlichste Motorrad auf der Straße?

Auf jeden Fall diese ganzen Derbis! Die so wie die Gatschhupferl aussehen, aber außer Lärm machen nicht viel können. Da ist mir eine Vespa, so ein Damenroller, lieber. Ich weiß, man kann die irrsinnig gut auftunen, bringt aber eh nix, weil einen die Polizei sowieso die ganze Zeit aufmacht, weil die ja auch nicht deppert sind. Mir persönlich gefällt es halt nicht, ich war immer ein Derbi-Hasser. Ich will auch Derbi-Besitzern nichts schlecht reden, sie haben sicher eine Freude damit und man kann sicher Spaß damit haben, aber für mich ist es nichts.

Das hässlichste Auto?

Fiat Multipla! Die alte A-Klasse und der Aixam, das Mopedauto. Aber ich glaube, der Fiat Multipla schlägt alles.

Passiert es bei euren Events manchmal, dass Leute mit Edding angemalt werden?

Ja, oft! Das kann man sich auch auf unseren MoD-DVDs ansehen, die es jetzt sogar im Quadpack im Online-Store gibt. “Never fall asleep around the mod crew!” Da ist Edding-Anmalen an der Tagesordnung! Anschütten, rasieren, diese ganzen Dinge mit der Zahnpasta, oder der Hand in lauwarmem Wasser.  Die Jungs und auch ich sind wahnsinnige Kindsköpfe und genießen das auch. Es ist nun einmal so, dass auch MoD, wo es um ein cooles Thema geht, sehr viel Büroarbeit voraussetzt. Ich bin so hyperaktiv und will eigentlich immer nur am Rad sitzen und Sport machen und nicht Monate lang was im Büro vorbereiten. Das gehört aber natürlich auch dazu.

Wie schaffst du es, diese zwei Dinge zu vereinen? Also Party und Büroarbeit?

Ich habe eine Balance gefunden. Weil ich auch von jedem nicht zu viel mach. Mein Vater zum Beispiel, der hat nie Alkohol getrunken, der war nie feiern, dadurch habe ich immer schlechtes GEwisssen, wenn ich mal feiern geh. Allerdings artet es somit auch nicht aus. Die Arbeit macht mir irrsinnig viel Spaß, weil der Erfolg motiviert. Man versumpert sonst. Ich hätte es finanziell nicht nötig gehabt, dass ich jetzt arbeiten gehe, aber ich wollte eben genau nicht dieses 19.-Bezirk-Kind sein, das dann in der Passage die 500-Euro-Flaschen kauft und glaubt, dass es super ist, obwohl es noch nie einen Cent selbst verdient hat. Und das Gute ist, der Erfolg von MoD ist ja wirklich auf meinem Mist gewachsen und hat nichts mit meinem Vater zu tun. Er hat mir zum Einstieg verholfen und mir Know-How verschafft hat, aber es ist ein eigenständiges Projekt und unsere Kunden und Fans kommen auf ihre Kosten, wir verdienen Geld und haben Spaß also ist es eine Win-Win Situation. Ich würde nie jemanden abzocken, nur um das schnelle Geld zu machen. Die Show in Wien gilt ja als weltbeste Freestyle-Show und das weltbeste Zusammenkommen von Athleten, weil da eben 60 bis 80 Athleten aus der ganzen Welt sind.

Gibt es irgendwelche neuen Pläne?

Wir haben das Problem in der Stadthalle, dass die Halle „nur“ 14 Meter hoch ist und bei diversen Figuren, wie z.b. einem Doppelbackflip mit einem Snowmobile, die Hallendecke im Weg wäre. Ich bin auch der Meinung, dass die Leute den Gesamteindruck mit nach Hause nehmen, weil sie die Show einfach im Kopf, im Bauch und im Herz berührt und nicht drauf Wert legen, ob sich der 2 oder 3 mal dreht. Da geht es um das Overall. Und deshalb, unseren Jungs zuliebe und auch meinen Nerven, weil ich kann nach wie vor oft nicht hinschauen, machen wir hop oder trop Tricks, die extrem gefährlich sind, nicht. Wir bringen dafür mehr Fahrer, mehr Feuer und machen die Tricks, die einfach nicht so lebensgefährlich sind. Einen Doppelbackflip mit dem Snowmobile hat mein Freund probiert und sich gleich mal den Haxen gebrochen und die Hand zertrümmert. Das Ding hat 300 Kilo … wenn dir so was am Schädl fällt …

Dass sich einmal wirklich jemand schwer verletzt bei unseren Shows ist das letzte was ich brauche und was ich will. Ich will das auch nicht dem Publikum antun. Deshalb haben wir zwar die ärgsten Tricks auf dem Markt. Aber so Tricks, die nur 1 x von 10x funktionieren und die anderen 9 x ist man dann im Spital, das ist nicht wirklich Ziel. Es ist eh super gefährlich, was wir hier machen.

Habt ihr schon mal über einen Locationwechsel nachgedacht?

Das Problem ist, outdoor ist der Wind unser größter Feind, noch viel ärger, als Regen. Das ist dann halt alles blöd. Wie machst du es mit Verschieben? Wie versicherst du es – du musst die Niederschlagsmenge pro m² angeben, und wenn die dann nicht stimmt, hast du keine Versicherung, dann sind die Leute angepisst, weil es verschoben oder abgesagt wurde. Aber natürlich, wir haben ja auch schon mit dem Urbarn Arts Form fusioniert und mit dem Lake-Festival werden wir in Graz am Schwarzl See dabei sein.

Kids are The Future ist unser Thema für dieses Jahr. Ich bin Onkel seit 4,5 Jahren, sehe den Kleinen wachsen und mir blüht das Herz, ich kann mich wieder zurückversetzen in dieses Staunen und diese Fantasiewelt. Wir planen auch ein Masters Of Dirt-Summercamp. Außerdem planen wir Stageshows, da sind dann keine Stunts, sondern nur Musik und Action. Mir ist wichtig, dass die Leute auf ihre Kosten kommen, wir auch unseren Spaß haben, uns nicht wehtun, nicht zu schnell expandieren, einfach unsere Werte kennen, nicht arrogant werden und für jeden da sind. Das ist unsere Philosophie.

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