Meat Is Murder

„Richtige Ernährung“: Obst, Gemüse und Getreideprodukte sind im Kommen, Alkohol verpönt. Die einen empfehlen eine vielseitige Ernährung, andere wiederum setzen auf einen pescetarischen, vegetarischen oder gar veganen Lebensstil.

 

VeganWien_U1_Web_RGBIm Vorwort zum eben im Holzbaum Verlag erschienen Büchlein „Vegan in Wien“ wird geschrieben, dass Wien „sich zu einer Metropole des veganen Lebensstils entwickelt“ hat. Und weiter: „Eine beinahe unüberschaubare Vielzahl an Möglichkeiten, vegan zu essen, trinken, kochen oder einfach nur einzukaufen macht die Orientierung mitunter ziemlich schwer.“ Und tatsächlich: Verglichen mit anderen Großstädten (über Kleinstädte oder ländliche Gegenden schweigen wir uns einmal aus) hat Wien – abgesehen von vielleicht noch Berlin – wahrlich eine Vorreiterrolle eingenommen, was wohl auch darin begründet ist, dass der „Bobo-Anteil“ in Wien wie Berlin gleichermaßen relativ hoch ist und es gerade in jenem Klientel als „schick“ gilt, in sein Jutesäckchen vegane Produkte um horrende Summen zu packen. Das muss aber nicht heißen, dass vegane (oder vegetarische) Ernährung ein Blödsinn ist, den sich nur Leute einfallen lassen, die sonst keine Probleme haben.

„Sich für ein veganes Leben zu entscheiden, ist ein Bekenntnis zu einer Lebensart, in der kein Lebewesen leiden muss und eine nachhaltige Ernährungsweise gefunden wird. Vegan zu leben bedeutet nicht, auf Genuss zu verzichten, sondern sich für ein gesundes Leben, eine friedliche Welt und eine intakte Umwelt entscheiden zu haben.“, heißt es weiter im Buch. Dies mag auf den ersten Blick vielleicht ein bisserl eingeraucht klingen, ein bisschen nach Hippie-Zeit und Blumenkränzchen, und vielleicht auch ein bisschen nach einem schwedischen Möbelhaus, wo alle per Du sind, aber hat man einmal erste „Ängste“ als Carnivore oder Omnivore abgebaut, so präsentiert sich der vegane Lebensstil durchaus als Bereicherung.

Unbenannt-1Sie zögern und ziehen zweiflerisch die Augenbraue hoch? Verständlich. Der Autor dieser Zeilen hat über Jahre hinweg beinahe ausschließlich carnivor gelebt, die beste Beilage zu Steak war – Steak. Erstes (wenngleich zögerlich-höfliches) Interesse wurde vor Jahren in Estland geweckt, als eine Freundin zuerst den vegetarischen und schließlich veganen Lebensstil für sich entdeckte und mittlerweile publizierende Autorin (soeben erschienen: Sandra Vungi: „Vegan Dinner Party: Comforting Vegan Dishes for Any Occasion“) und Gast in zahlreichen Fernsehsendungen ist. Und schließlich verschlang man – wenngleich nur aus theoretischem Interesse – seit 2013 den veganen Blog einer weiteren Bekannten, Stella Reinhold vom Kurier.

Schließlich kam es wie es kommen musste, die Liebe geht durch den Magen und so war auch hier das private Glück Anstoß, der den Stein ins Rollen brachte (und das gebe ich offen und ehrlich zu): Meine Partnerin führte mich – ohne Druck oder missionarischem Verhalten – in eine „andere“ Form des lukullischen Genusses ein, zeigte mir Möglichkeiten, neue Bestandteile, schärfte Interesse für Bestandteile des Essens. Größte Erkenntnis: Tofu muss nicht nach Pappe schmecken.

Ob man jetzt vegan lebt, weil man Tierleid ablehnt (und ja, selbst freilaufende Hühner laufen selten mit lachendem Gesicht in den Häcksler), oder weil man der eigenen Gesundheit gut tun mag oder gar muss (vegan heißt freilich nicht automatisch „gesund“), oder weil man sich für eine ökologische Verantwortung entschieden hat, ist schlussendlich wie der Glaube oder auch die sexuelle Präferenz eine persönliche Geschichte. Und es ist stets auch diskutabel, wie weit Entscheidungen ins eigene Leben einschneiden müssen. Muss man als Veganer auch vegane Kleidung tragen? Vegane Waschmittel und Körperpflegeprodukte verwenden? Darf man als Veganer in den Zoo gehen?

VLOE_U1_WebEs ist hier nicht der Platz, um Lebensansichten zu wälzen – und auch nicht meine Absicht, missionarisch in die Welt zu schreiten. Lediglich eine Empfehlung von einem ex-T-Rex: Veganismus ist keine Diät, sondern eine alles andere als tumbe Lebenseinstellung. Eine äußerst rudimentäre, aber gelungene Einführung erhalten sie mit dem bereits angesprochenen Büchlein, sollten Sie zu den glücklichen Unglücklichen oder unglücklichen Glücklichen gehören, die nicht in Wien residieren, ist im selben Verlag soeben auch der „Vegetarische Lokalführer Österreich“ erschienen – und da selbst Veganer auch über Humor verfügen, folgt im neuen Jahr noch schließlich der überaus zwerchfellzerrüttende Bildband „Vegane Cartoons“. Vielleicht ist für Sie ja auch der Jahreswechsel mal ein Grund, etwas Neues auszuprobieren, auf den Geschmack zu kommen – oder auch nicht. Lassen Sie sich aus der praktischen Erfahrung jedenfalls gesagt bekommen: Um gesund und nachhaltig zu leben, braucht man weder eine dicke Brieftasche noch einen eigenen Garten oder Stunden an Zeit in der Küche – nur ein bisschen Ahnung, Phantasie und am Anfang Geduld. Es zahlt sich aus. Und wenn nicht, ist man zumindest eine Erfahrung reifer – und greift vielleicht zwar nach wie vor zu “totem Tier am Teller”, aber seltener? Wer weiß.

 

 

 

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