Meena Cryle – Frauenpower in Bluesform

Die sympathische Oberösterreicherin mit der gewaltigen Stimme veröffentlichte soeben ihr neues Album. Witz, Charme und eine unglaubliche Ausstrahlung – all das und noch viel mehr gehören bei ihr einfach dazu.

Dein neues Album „Tell Me“ ist soeben erschienen. Was kannst du uns denn darüber berichten?

Meena: Es ist mittlerweile mein drittes Album bei Ruf Records. Das erste Album haben wir in Amerika aufgenommen und es wurden die Musiker von der Plattenfirma ausgesucht, das war auch beim zweiten noch so. Bei „Tell Me“ habe ich dann beschlossen, dass ich es mit meiner Band einspielen möchte. Wir waren die letzten zwei Jahre gemeinsam auf Tour, sie kennen mich in- und auswendig und es war mir einfach wichtig, dass dieses Album unser Album wird. Also „Meena Cryle And The Chris Fillmore Band“. Wir haben unseren Produzenten in einem alten Freund gefunden, Raffael Tschernuth. Er kommt absolut nicht aus der Blues- oder Rock-Ecke und das war mir ganz wichtig. Das merkt man auch auf dem Album. Es ist total breit gefächert, es ist alles dabei – von der Singer/Songwriter-Ballade, bis hin zu dem Heavy-Song „Enough Is Enough“. Das Album ist ehrlich geworden, einfach wir. Für uns war das auch ein Autonomie-Prozess, nach fünf Jahren Arbeit mit der Plattenfirma, dass man sich dann selbst durchsetzt. Und es hat zum Glück funktioniert, obwohl ich mir zwischenzeitlich nicht immer sicher war, weil man ja immer wieder auf Komplikationen stößt.

Merkst du im Blues als Frau eigentlich einen Unterschied? Ist Bluesmusik eine Männerdomäne?

Meena: Ich glaube, wenn man Musik global betrachtet, und das nicht in Pop oder Rock unterteilt, dass man es als Musikerin in gewissen Punkten vielleicht sogar leichter hat. Eine Frau mit einer Gitarre ist schon mal viel cooler, als ein Typ mit einer Gitarre. Wenn die Frau auch noch dazu gut aussieht, ist sie einfach ein top Hingucker. Wir haben ja die erste europäische Blues-Challenge gespielt und da bin ich schon aufgefallen. Ich war die einzige weibliche Teilnehmerin, das hat mich sehr gewundert. Im Business an sich hat man als Frau die erwähnten Vorteile, aber auch sexistische Nachteile.

Gibt es im Musikbusiness auch die klassische Gehaltsschere?

Meena: Das kann ich schwer beurteilen. Ich bin sozusagen die Chefin und zahle die Band aus (lacht). Bei mir bekommt jede und jeder in der Band das Gleiche.

Wohin verschlägt dich denn die aktuelle Tournee?

Meena: Wir waren jetzt schon fast zwei Wochen in Deutschland und in Holland. Ende Mai startet dann die große Österreich-Tournee. Im Herbst geht es dann noch weiter nach Deutschland und die Schweiz.

Was war denn die größte Anzahl an Menschen, vor denen du gespielt hast?

Meena: In Omaha, Nebraska war das. Da waren 6.000 Leute, das war schon was!

Hat man bei größeren Shows auch größeres Lampenfieber?

Meena: Prinzipiell war ich vor der Amerika-Tour schon aufgeregt. Ich hab mir gedacht: „Schau, jetzt kommen wir Österreicher da nach Amerika, mit ihrer Musik.“ Ich war mir nicht sicher, ob das gut geht, aber es hat total super funktioniert. Vom ersten Moment an. Ich habe vor einem Konzert immer einen Adrenalinschub, kurz bevor ich auf die Bühne gehe, und die Band schon losgelegt hat, das ist egal ob da 15 oder 1.000  Leute im Publikum stehen. Als Lampenfieber würde ich es nicht bezeichnen.

Tickets bei oeticket.com

Fliegt zu dir eigentlich auch etwas auf die Bühne? Also z.B. Boxershorts, anstelle von BHs?

Meena: Lass mich nachdenken … nein … selten Visitenkarten. Ich glaube fast, dass Männer sich das gar nicht trauen (lacht). Zu mir kommen dann nach der Show manchmal welche, die sich Mut angetrunken haben. Die anderen erscheinen mir ein bisschen schüchtern.

Wie sieht denn dein Publikum im Querschnitt aus?

Meena: Das ist ganz schwierig zu sagen. In Spanien ist das Publikum z.B. viel jünger und gemischter. In Deutschland ist die Bluesszene ein bisschen ausgeprägter, da kommen dann mehr Männer im mittleren Alter, die auf Gitarrensoli stehen und dann auch wirklich wissen wollen, welches Instrument wir wie einsetzen.

Wie kann man sich als Laie die Blues-Szene in Österreich vorstellen?

Meena: Die Szene ist klein und fein. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen elitär. Als der Chris und ich nach Wien gekommen sind, war es schwierig in die Szene zu kommen, weil es sehr puristisch war. Aber das hat sich geändert. Es fehlt leider eine große Lobby dahinter, es gibt viele, die wirklich hackeln und sich den Arsch aufreißen, aber der Schub bzw. die Unterstützung von der Gesellschaft fehlt. Das ist aber sicher nicht nur in der Bluesszene so.

Dann zu einer Zunkunftsfrage: Wirst du glaubst du jemals in musikalische Pension gehen?

Meena: Ich denke natürlich darüber nach, weil sich die Frage stellt, ob ich mit 65 noch immer mit dem Tourbus durch die Gegend tingeln und in irgendwelchen Clubs spielen will.  Aber weißt du, ich werde es dennoch machen! Vielleicht wird es dann ein kleineres Programm, oder auch gediegener. Aber ohne Musik existiere ich einfach nicht.

[highlight color=“yellow“]Meena Cryle tourt bis Jahresende quer durch Österreich![/highlight]

Tickets bei oeticket.com

 

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!