Meilensteine

Seit 20 Jahren macht Gregor Meyle Musik. Erst jetzt geht es erfolgsmäßig aufwärts. Dank sei der TV-Sengung „Sing meinen Song“. Ach ja, und der Platte „New York- Stintino“. Es ist bereits sein viertes.

Er bezeichnet es als die Heiligen Hallen. Das „Avatar-Studio“ in New York. Dort hat der deutsche Singer-Songwriter Gregor Meyle sein neues Album „New York – Stintino“ aufgenommen. Genau an dem Ort, an dem seine Idole wie Paul McCartney, Tom Petty, Bruce Springsteen, Miles Davis und Eric Clapton ihre Welthits verewigten.

Dein Album ist geprägt von den Orten, an denen du es aufgenommen hast: New York und Sardinien. Was waren die größten Unterschiede?

Gregor Meyle: New York ist die lebendigste Stadt der Welt und auch die musikalischste. In Manhattan gibt es 400 Live-Clubs. Ich hätte als Musiker in dieser Stadt keine Chance. Ich könnte froh sein, wenn ich in der U-Bahn spielen und in Brooklyn irgendwie leben könnte.

Gregor Meyle  c Astrid Radner_web

Aber du hast ein tolles Studio gehabt?

Als Europäer schon. Ein sehr guter Freund hat sehr lange in New York gelebt. Wir haben das Studio für 12 Stunden gemietet. Wir standen zwei Stunden davon im Stau, weil Schneesturm war. Die Hälfte der Songs habe ich erst in New York geschrieben.

Kommen da auch diese Jazz-Blues-Elemente im Album her?

Ja. Im Ursprung ist es so passiert, dass das Tonstudio in Bayern unter Wasser stand. Da war dieses Hochwasser. Beim Aufräumen haben wir die Lautsprecher aufgebaut und Jazz-Platten gehört. Ich bin ein riesen Fan von Gregory Porter. Da habe ich mir gedacht „Wow, das möchte ich auch machen.“ Und Christian, der Produzent, hat gesagt, wenn dann in New York. Das Studio ist ein heiliger Ort,1972 gebaut, mit nur einer Herrentoillette. Norah Jones, Sting, die Star Wars Film Musik, das kommt da her.

Du hast lange Musik gemacht, ohne erfolgreich zu sein. Frustrierend?

Erfolg ist eine relative Sache. Ich kenne viele Musiker, die gut im Geschäft sind, aber nicht glücklich. Weil sie Songs spielen, die nicht ihre eigenen sind und eine Dienstleistung als Musiker machen. Ich konnte in den letzten Jahren meine eigenen Songs spielen. Ich hab es mir immer geleistet einen Pianisten mitzunehmen. Weil du sonst völlig gaga bist, wenn du die ganze Zeit alleine bist.

Das Piano gibt es also nur, damit du nicht alleine auf der Bühne stehst?

Das kommt alles mit dazu. Du verbringst den ganzen Tag zusammen. Manchmal gibt es auch Konzerte, da weißt du, du zahlst drauf. Zum Beispiel, wenn einfach nicht genug Leute kommen. In der Vergangenheit habe ich bei einem Drittel der Konzerte nichts verdient. Einmal haben wir im Gasometer als Headliner gespielt. Es waren 300 Leute da. Die Vorgruppe hat die mit einer Flammenwerfer-Show vertrieben. Am Schluss waren es nur noch 8. Inklusive Security und dem Tiroler Pärchen, das uns Schnaps ausgeschenkt hat. Das erste und einzige Mal, dass ich auf der Bühne Alkohol getrunken habe. Ich wollte mich der örtlichen Gastfreundschaft anpassen. Man sollte sich zu nichts zu schade sein.

In deinem Album geht es um das ewige Thema Liebe. Wann kommt der Punkt, wo das zu langweilig wird?

Nie wahrscheinlich. Das ist eine ganz ehrliche Sache. Wenn ich die Songs geschrieben hab, gibt es zuerst einmal eine Abnahme zu Hause. Wenn meine Freundin die Platte hört, muss sie durchweinen. Weil das ihre  Songs sind. Wenn die Haare zu Berge stehen, ist das etwas Wundervolles. Vor allem, wenn es auf Konzerten passiert.

Wo sind Dir bei „Sing meinen Song“ die Haare zu Berge gestanden?

Erstens war ich nervös wie die Sau. Meistens habe ich mich selbst etwas zurückgehalten, was die Laberei betrifft. Aber bei meiner eigenen Sendung, hab ich mir zwei Bier reingeknallt und das genossen. Und wenn du weißt, dass Xavier Naidoo deine Songs auch privat hört, wenn er zum Beispiel mit dem Auto herumfährt, ist das eine viel größere Auszeichnung als ein Echo, wenn auch vielleicht nicht Grammy.

Xavier Nadioo spielt in deiner Karriere ja eine große Rolle. Mentor, Vorbild, Kollege?

Zuerst ein Freund. Wir sind extrem zusammengewachsen. Er ist ein ganz großherziger und liebevoller Mensch. Der Xavier ist außerdem eine Songschreibemaschine. Es gibt niemanden, der schneller bei der Sache ist wie er. Und das geht nur, wenn du voll in dir drin bist. Wenn ich hingegen 10 Songs im Jahr mach, ist das viel.

Du machst schon sehr lange Musik. Das muss komisch sein, wenn es plötzlich so aufwärts geht. Machst du nun bessere Musik?

Man wächst mit den Aufgaben. Jede Platte ist eine Momentaufnahme. Und du hast ganz viel Glück, wenn du deine Platten aus 20 Jahren anhörst und dir denkst „Zu dem Moment, war das genau das Richtige“. In der Situation, mit den Möglichkeiten, die mir zur Verfügung standen, mit der Erfahrung war das genau richtig. Es gibt so viele Kompromisse, aber zu dem Zeitpunkt, war ich damit immer total glücklich. Es ist für mich toll, dass ich im Jahr 30-40 Leute beschäftigen kann, obwohl ich eigentlich musikalisch immer nur improvisiere. Ich kann nicht mal Noten lesen.

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Gregor Meyle…

… ist 36 Jahre alt, 20 Jahre davon macht er Musik

… hat erst einmal auf der Bühne getrunken. Und das bei einem Konzert mit 8 Zusehern.

…2007 nahm er an Stefan Raabs Gesangswettbewerb „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ (Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte und gerne auch bei RTL auftreten darf) teil. Er wurde Zweiter.

… ist neben Roger Cicero, Sarah Connor, Andreas Gabalier einer der vier „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ – Kandidaten.

…Sarah Connor’s Interpretation seines Songs „Keine wie du“ erreichte mehr Klicks auf youtube als das Original.

… hat nächstes Jahr eine eigene TV- Sendung. Näheres dazu konnte er noch nicht verraten.

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„New York – Stintino“ ist Meyles viertes Studioalbum. Um die 10 Songs aufzunehmen, war ein bekanntes New Yorker „Avatar- Studio“ 12 Stunden gemietet. Zwei davon stand er im Stau.

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Gregor Meyle kommt für 6 Termine nach Österreich:

Tickets bei oeticket.com

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