Mensch Dieter!

Er ist in der Tat der Pop-Titan. Als solcher pusht er bereits seit 12 Jahren talentierte Nobodies zu Chartstürmern, pflegt die lose Lippe und polarisiert wie kein anderer im deutschen Fernsehen: Dieter „DSDS“ Bohlen.

 

Daniel Küblböck, Elli Erl, Thomas Godoj und Alexander Klaws … Namen aus der Vergangenheit, die sich heute in alten Chart-Tabellen wiederfinden. Daniel, Elli, Alex und Thomas – sie und viele andere waren Staffelsieger bei DSDS, Deutschlands und RTLs Casting-Supertanker. Sie kamen, sangen und gewannen, stiegen in die Charts und wenn Andy Warhol dereinst meinte „In der Zukunft wird jeder für 15 Minuten weltberühmt sein“, so war den oben genannten zumindest eine Halbwertszeit von einem Jahr bis zur nächsten Staffel gegönnt. Es gibt jedoch auch Ausnahmen wie Beatrice Egli, ihr scheint tatsächlich eine langfristige Karriere zu gelingen.

Wie auch immer sich die einzelnen Karrieren nach dem DSDS-Sieg dann entwickelten, talentiert waren sie alle, die die Krone davon trugen. Dass da keine „Bildschirmschoner“ als Sieger vom Platz gingen, dafür sorgte der Chef der Jury. Einer der es wissen muss, der wie kein anderer die Regeln des Showgeschäftes inhaliert hat: Dieter Bohlen, der Mann, der DSDS seit 2002 als Steuermann, Wertungsrichter, Idolmaker und Schnauze der Nation erfolgreich begleitet, der ganzen Geschichte seinen Stempel aufgedrückt hat. DSDS ohne Bohlen? Undenkbar! Stellt sich die Frage: Mensch, der Dieter, ist der authentisch oder nur ein Showbruder, der RTL als Schaufenster benutzt?

Dieter zieht sein Ding durch

Ja, vom Scheitel bis zur Sohle ist der Mann authentisch, denn Dieter Bohlen erlaubt sich das, was sich die meisten von uns wünschen, aber sich nicht trauen: Er scheißt sich einfach nix. Gut, er kann es sich leisten, hat die Erfahrung, das nötige Spielgeld in der Tasche, um es sich aussuchen zu können, wo er den authentischen Dieter gibt, also ruhig frei von der Leber weg sein Ding durchziehen kann. Irgendwie taugt den Österreichern diese offene, klare Ansage. Kann man von Dieter Bohlen lernen? Die Antwort ist klar: Ja. Für das Showgeschäft ist sein Lebenswerk eine klare Blaupause wie es gehen kann, wenn man nicht nur Talent, sondern auch den nötigen Atem hat, denn seine Karriere ist dem geborenen Ostfriesen alles andere als in den Schoß gefallen.

Erste Hammer-Jahre

Bohlen, Dieter, Jahrgang 1954 – ah, ja, der Mann wurde am 7. Februar 60! Gratulation an dieser Stelle! Ey 60? Isses wahr? Doch. Modern Talking ist auch schon 30 Jahre her und mit genau diesem Duo begann der eigentliche Durchmarsch in den Charts, für Dieter und seinen Gesangspartner Thomas Nora Anders. OK, das war gemein. Nora, das war mal. Mit Modern Talking lieferte der Komponist und Producer 1985 insgesamt fünf Nummer 1 Hits in Serie ab und gab das Zepter nicht mehr aus der Hand. Er strafte damit alle jene Lügen, die ihm in den Jahren zuvor nicht bis in die Chefetagen der großen Plattenfirmen vorließen, ihm die Tür wiesen. Ende der 70er Jahre begann er als Musiker im Profigeschäft, komponierte für andere, sang selbst, saß bei Hansa in der Berliner Wittelsbacher Straße und bastelte an Songs. Er beschickte die A&R-Manager der Plattenfirmen mit Demos und holte sich Absage für Absage. Alles egal. Durchhaltevermögen hat er stets bewiesen und diese Zeit war prägend. Der studierte Betriebswirtschaftler hat zwei Regeln wie kein anderer in sein Arbeitsmuster übernommen: 1. Das Showgeschäft ist keine parlamentarische Demokratie und 2. Show und Geschäft befinden sich nicht ohne Grund gemeinsam in einem Wort.

Luftschlösser bauen geht gar nicht

Seine Sprüche, sie sind wie das Geschäft selbst: Gnadenlos! Vielleicht tut er all den Anti-Talenten damit sogar etwas Gutes. Er schützt sie vor der Enttäuschung der Erkenntnis, dass Kühe nicht fliegen können und nicht jeder zum Superstar geboren ist. Dass er dabei auch noch quotenträchtig die Nation dazu bringt, sich vor Vergnügen auf die Schenkel zu pracken – auch das gehört zum Geschäft.

In diesem steckt Dieter Bohlen nun seit 40 Jahren. Er hat als einer der ersten (und wenigen) überrissen, wie sich der Markt verändern wird. Vom Plattenstar zum Entertainer, zum Showerlebnis, zum Gesamtkunstwerk und dabei immer man selbst bleiben. Musikmachen im Studio, Trends beobachten und verstärken ohne diese selbst mühsam kreieren zu müssen. Dass dabei das Privatleben immer wieder vor den Vorhang gezerrt wird, es gehört zum Medien-Spiel. Frauengeschichten und Affären? Sind nicht mal Kollateralschäden. Wer polarisiert muss damit umgehen können. Mit Verehrung der Fans, aber auch als Kotzbrocken gehasst zu werden. Doch die Zahl der Fans ist dabei mit Sicherheit größer als jene derer, die Bohlen ablehnen. In der ZDF-Show „Unsere Besten“ wurde er 2003 von den Zusehern auf Platz 30 der „größten Deutschen“ gewählt. 20 Plätze hinter Albert Einstein! Noch Fragen?

Sein Leben diente als Comic-Vorlage. „Dieter – Der Film“ kam zwar nicht in die Kinos, lief aber auf DVD passabel und die Biografie „Nichts als die Wahrheit“ war Aufreger und Bestseller zugleich. Die Hörbuchfassung wird von Bohlen selbst gelesen und taugt perfekt dazu, vom Bohlen-Hasser zum Fan zu werden. Wie macht er das, der Dieter? Ganz einfach. Er tut das, was er immer macht: Er scheißt sich nix, redet wie ihm der Schnabel gewachsen ist und was dabei rauskommt, bleibt nicht ungehört.

[highlight color=“yellow“]Herr Bohlen gibt keine Interviews, beschied man uns bei RTL. Für !ticket machte der Mann aber eine Ausnahme.[/highlight]

Was genau dürfen sich die Fans vom Pop-Titan und den DSDSlern auf der Bühne erwarten?

Ich werde schönes Wetter aus Mallorca mitbringen, denn ich komme extra aus Malle eingeflogen, um gute Stimmung zu verbreiten. Es wird ne riesen Party, mit super Stimmung. Ich werde moderieren und mal sehen, was noch so passiert …

Welcher Sieger oder Siegerin aus all den Jahren DSDS hat sich bei dir musikalisch und stimmlich am stärksten eingeprägt bzw. auch überrascht?

Menowin, Mark Medlock, dieses Jahr Aneta – da waren schon Hammer Sänger dabei!

Wieviel Show steckt in den Sprüchen und wie gehen die Adressaten der Sprüche damit um?

Das kann man nicht pauschal sagen. Nichts ist Show. Ich mach keine Sprüche – ich habe Ansprüche. Einige verstehen, was ich sage, andere peilen nichts – da kann man nichts machen.

Wie entgegnet der Pop-Titan der immer wieder aufflammenden Kritik an Casting-Shows?

Das ist Gequatsche von Neidhammeln, die keine Ahnung vom Business haben. Bei uns hat man die Chance, eine unvorstellbar große Menge an Zuschauern zu erreichen – weit über 100 Millionen sehen die Show – mehr geht wirklich nicht.

 

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