Metal-Maskerade

Die Nu-Metal-Truppe Slipknot rangiert längst in der Kategorie Kult. Bleibt die Frage: Liegt es an der Musik, oder verbirgt sich das Erfolgsgeheimnis hinter den finsteren Masken?

 

Das Behavioral Targeting scheint bestens zu funktionieren: Eine Werbeeinschaltung eines Horrormasken-Vertriebs versperrt kurz vor Halloween für ein paar Sekunden lang den Weg zum YouTube-Video von Slipknots „Dead Memories“. Aber ist es wirklich nur der Maskenrummel, der Slipknot zu einer Kultband aufsteigen ließ?

Hier spielen wohl mehrere Faktoren eine wichtige Rolle. Ihr Musikstil bettete sich wundervoll in die damalige Zeit – Ende der 90er, Anfang der 2000er – ein. Neben Bands wie System Of A Down oder Korn fanden sie ein Umfeld, von dem sie sich etwas abhoben, mit dem sie aber dennoch eine Synergie bildeten. Eine Art Alternative-Nu-Metal-Photosynthese, für die kein Chlorophyll, dafür aber ordentliche Drums und Gitarren notwendig sind.

Zum Drüberstreuen gibt es dann auch noch ein paar grotesk erscheinende Masken. Über diese wurde schon so viel geschrieben, dass es im Prinzip schon müßig ist, darauf näher einzugehen. Dennoch: Natürlich sind Typen hinter einer Maske um einiges mysteriöser und spannender als ohne. Und schlussendlich auch anbetungswürdiger – erscheinen sie doch ein bisschen anders, nicht von dieser Welt, oder vielleicht direkt aus der Hölle. Apropos Mystik, Hölle und Anbetung: Corey Taylor verriet uns einmal in einem Interview, dass er ein großer Vampir-Fan ist. Ich hätte – da sind wir wieder bei den Masken – eher auf Zombies getippt, aber nein: „Ich war ziemlich fanatisch, was Vampire betrifft. Nicht wegen Twilight oder so einem Mist. Viele der Bücher, die ich als Jugendlicher gelesen habe waren wirklich dunkle, unheimliche Horrorbücher. Alles von dem ursprünglichen Dracula von Bram Stoker bis hin zu den Vampire Chronicles von Anne Rice.“

Nun gut, Slipknot als Helden der Unterwelt zu verehren ist ein Leichtes, was man neben all der Maskerade und durchgeplanten Live-Shows sowie selbstverschafften Kultus nicht vergessen sollte: Diese Band beherrscht ihr Handwerk. Und hier ist nicht die Rede vom Optischen, sondern vom Musikalischen. Slipknot machen Musik für die Massen – hart genug, um sich von der als kommerziell und einheitlich verschrienen Poplandschaft abzuheben, aber dennoch eingängig, sodass der „Metal“ nicht wehtut. Dies ist vor allem Corey Taylors Stimme geschuldet, die wohl des Growlings mächtig ist, sich aber anscheinend im Balladigen, Melodischen wohler fühlt.  Haben es etwa Gwar oder Lordi geschafft, so viele Alben zu verkaufen oder so viele Interaktion auf ihren Social-Media-Kanälen zu generieren? Nein, eben. Also liegt es schlussendlich nicht nur an der Maske! Und die Herren von KISS lassen wir bei dieser Aufzählung einfach mal außen vor – andere Baustelle.

 

Slipknot spielen am 26. Jänner in der Wiener Stadthalle. Karten gibt es bei oeticket.com und unter 01 / 96 0 96.

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