MIA. – konkreter, rauer, besser!

„Tacheles“ – besser hätten Frontfrau Mieze Katz und Konsorten ihr neues Album nicht benennen können. Wo noch bei „Willkommen im Club“ verspielte 80er-Jahre-Elemente zum Einsatz kamen, gibt’s jetzt kompromisslosen Elektropop. Auch Mieze ist reifer geworden, die Texte sind auf den Punkt gebracht, Emotionen brechen durch. TICKET traf die Berliner Sängerin zum Frühstück…

 

TICKET: 15 Jahre MIA. Eine lange Zeit…

Mieze Katz: Keine Liebesbeziehung in meinem Leben hat 15 Jahre gehalten! (lacht) Die ersten zehn Jahre hab‘ ich gar nicht gemerkt, dass die Zeit so schnell vergeht, ich hab‘ die Jahre nie gezählt. Es bedeutet mir wahnsinnig viel, für mich ist es auch ein Zeichen von Vertrauen. MIA. macht jeder freiwillig, und wer nach 15 Jahren noch dabei ist, rockt, die Musik noch immer noch so liebt, dann ist das ein ganz, ganz schönes, familiäres Gefühl.

TICKET: Was hat sich für dich künstlerisch und persönlich verändert?

Mieze: Das Vertrauen ist auf meiner Seite immer größer geworden, meine Texte sind dadurch intimer und privater denn je. Ich komme in einen Raum, in dem ich aufgefangen werde, egal, in welchem Zustand ich bin. Da meine ich nicht nur das Studio oder den Proberaum, sondern überall. Ich hab‘ die Jungs eigentlich zu jeder Tages- und Nachtzeit mit meinen Textideen oder meinem Kopf- oder Herzzustand konfrontiert. Ich hab‘ Liebe und Spaß am Schreiben weil ich weiß, ich kann mich 100% verwirklichen. Das bin ich!

TICKET: Du hast wieder alle Texte geschrieben. Könntest du eigentlich fremde Texte singen?

Mieze: Ich hab‘ mich da ja schon öfters probiert, wir habe ja auch Coversongs gemacht und da begegne ich fremden Texten. Wenn wir die durchgehen, hab’ ich sofort Änderungsvorschläge, die emotional und subjektiv gefärbt sind. Ich hab‘ momentan gar nicht das Bedürfnis, fremde Texte zu singen. Ich lasse mich gern von Texten inspirieren, lese sehr viel und höre Hörbücher mehr als jeder andere. Aber am Ende des Tages ist MIA. das, was ich draus mache, was ich schreibe.

TICKET: Beim Song „Brüchiges Eis“ klingst du sehr emotional, weinst beinahe…

Mieze: Nicht nur beinahe. Das war eine One-Take-Aufnahme, ich hab‘ das auch nie wieder gesungen. Es war ein ganz besonderer Moment in meinem Leben als Frau, als Musikerin, als Mensch. Wenn meine eigene Musik, meine eigenen Worte das mit mir machen, bedeutet mir das wahnsinnig viel. Das zeigt mir, dass ich mit dem Pfeil direkt ins Schwarze getroffen hab‘. Ich weiß auch nicht, ob ich das jemals singen werde können ohne zu weinen.

TICKET: „Tacheles“ klingt roher, direkter, mehr am Punkt als seine Vorgänger…

Mieze: Direkt und rau… das ist auf jeden Fall meine Welt! Wenn du das in der Musik spürst, bin ich froh! Wir haben uns selbst gefragt, warum es überhaupt ein fünftes MIA.-Album geben sollte. Durch diese Frage sind wir zum Kerngedanken gestoßen. Was sind für uns die prägnantesten MIA.-Momente? Jedes Album probiert eine neue Facette aus, und ich glaube, wir sind jetzt schon näher am Kern.

TICKET: Wird der Sound der alten Titel für die Konzerte abgespeckt?

Mieze: Das ist interessant, weil wir sind gerade im Proberaum. Es passiert ein Mix. Jetzt, wo wir uns auf die Konzerte vorbereiten fiel auf, dass wir die neuen Lieder viel besser spielen können als die alten. Das ist uns noch nie passiert! Wir werden jedes Lied so arrangieren und so lange spielen, bis wir davon völlig überzeugt sind.

TICKET: Man darf sich also auf neue Live-Versionen freuen?

Mieze: Definitiv! Man kann sich auf neue Versionen von alten MIA.-Klassikern freuen!

Interview: Alexander Haide

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