Mike, der Tiger Lechner

Weniger hektisch, dafür mehr auf Körperkult bedacht, ist Wolfgang „Fifi“ Pissecker in seinem zweiten Solo SUPERNACKT – Ausziehen bis zur Seele.  Nachdem er für eine Trautmann-Rolle zum Boxer wurde und rund 800 Kilometer am Jakobsweg unterwegs war, betätigt er sich nun als Seelen-Stripper.

 

Schreiben alleine scheint für dich scheinbar zu wenig Herausforderung zu sein, es muss schon auch ein wenig Action dabei sein?

Fifi Pissecker: Ja sicher, denn derzeit stehe ich quasi voll im Saft. Ich hab mit 35 mit dem Rauchen aufgehört, trink keine Schnäpse mehr, pass bei meiner Ernährung auf und gehe zweimal die Woche ins Fitnessstudio. Vor der Premiere habe ich 12 Kilo abgenommen. Und wenn das Stück so gut weiterläuft, wie es angelaufen ist, muss ich zumindest noch zwei Jahre weiter trainieren, um diesen Status zu halten. Selber schuld!

 

Also kein Problem Lustobjekt zu sein? Und auch nicht damit, dass nun mehr Damen in dein Programm gehen, denen deine Inhalte vielleicht gar nicht so wichtig sind, Hauptsache sie sehen dich nackt?

Fifi: Mir ist schon aufgefallen, dass seitdem der Frauenanteil höher ist. Die Themen Lust und Sex werden ja im Stück auch thematisiert. Ich wusste zwar schon, dass ich mich dabei auf dünnes Eis begebe, habe aber selbst dieses Reizthema unterschätzt. Umso mehr freut es mich, wenn es beim Publikum gut ankommt, sodass ich immer wieder aufs Neue angenehm überrascht bin. Und das Publikum natürlich auch!

 

In zwei Jahren stehst du in der Lebensmitte und wirst 50. War dies auch ein Grund für dich quasi als Selbsttherapie nochmals alles zu zeigen, also neben Haut auch offenherzig Herz und Hirn?

Fifi: Also mein Alter ist kein Thema für mich und so wie ich jetzt drauf bin, vorausgesetzt das bleibt so, habe ich bestimmt noch viele tolle Jahre vor mir, privat wie auf der Bühne. Die sogenannte Midlife-Crisis gibt’s bei mir nicht und ich habe Gott sei Dank auch niemanden in meinem Umfeld, dass ich mir darüber allzu viele Gedanken machen müsste. Vielleicht besteht sie für viele darin, dass sie anfangs im Leben immer sagen, was sie nicht alles vom Leben möchten. Und irgendwann switchen die Leute dann um und stellen sich die Frage, was das Leben eigentlich von ihnen möchte.

Aber den Mike im Stück hat es voll erwischt?

Fifi: Ja, das ist voll das Thema, denn Mike ist ein Mann mit üppiger Vergangenheit, mickriger Gegenwart und Angst vor der Zukunft. Was soll er tun wenn er mit Mitte Vierzig erkennt, dass sein Heute nicht mehr zum Gestern passt? Mir ist schon klar, dass es diese Krise in der Lebensmitte gibt. Das Ganze hat sich nur verschoben, denn die Jüngeren werden schneller reifer und die Älteren bleiben länger jung. Und so ist es ja auch bei Mike, der bemerkt, dass er vergessen hat zum richtigen Zeitpunkt im Leben „abzubiegen“. Als Mann merkt man ja spätestens dann, dass man mittendrin steckt, wenn man lieber einen Sitzen hat, als einen Stehen!

 

Letztendlich legt der Macho Mike dann doch einen völligen Seelenstrip hin?

Fifi: Im ersten Teil zeigt der Ladykiller und Chippendale für Arme jede Menge Haut, während es im zweiten Teil mehr um die Seele geht. Zuerst werden Vorurteile aufgebaut und Klischees bestätigt, Verständnis und Missverständnis reihen sich an Vertrauen und Verzweiflung. Und dann im zweiten Teil, quasi über Nacht, erkennt er, dass nichts mehr so ist, wie es einmal war. Das gibt dann wunderbare A-Ha Erlebnisse im Publikum. Und letztendlich drängt sich die Frage auf, wie viel Stripper eigentlich in jedem einzelnen von uns steckt.

 

Also gibt es im Programm nicht nur Schenkelklopfer?

Fifi: Keinesfalls, denn einen gewissen philosophischen Ansatz bin ich mir auch selbst schuldig.

 

Heißt das, dass deine Leute bei der Trademark „Fifi“ bereits eine gewisse Erwartungshaltung mitbringen?

Fifi: So hoffe ich zumindest! Ich glaube, die Mischung macht es aus. Es sollen schon urlustige Schenkenklopfer und Wuchteln dabei sein, doch dazu gibt’s noch einen geilen Body und eine Story, die trotzdem Tiefgang hat. Fast wie ein Überraschungsei, gell? Aber diese Anforderungen, die an mich gestellt werden und vor allem jene, die ich mir auch selbst auferlege, denen möchte ich schon gerecht werden. Mein Wunsch ist es, das Publikum gleichermaßen niveauvoll zu unterhalten und schon auch immer wieder zu überraschen. Welche Lehren jeder daraus zieht, oder was die Leute, jeder für sich, dabei herauslesen und verschiedene Botschaften mitnehmen, bleibt jedem selber überlassen.

 

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