Mummenschanz

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Bereits seit 41 Jahren zieht die Maskentheatergruppe Mummenschanz Menschen aus aller Welt in ihre Welt der Fantasie. Ganz ohne Worte, ohne Special-Effects, nur mit ihrer außergewöhnlichen Pantomime und den Beats der Stille.

Zu hören ist nur das Gelächter des Publikums. Auf der Bühne: zwei Figuren in schwarz. Ihre Gesichter aus formbarem Lehm erinnern ein wenig an die Guy-Fawkes-Maske, die man von den Internetrevoluzzern Anonymous kennt. Das heißt: Nur die Visage des ersten Darstellers sieht so aus. Die andere ähnelt eher dem ersten Skulptur-Versuch eines weniger begabten Schülers. Und während Figur 1 ihr Gesicht selbst verschönert und perfektioniert, versucht es ihr Figur 2 gleichzutun. Und scheitert kläglich. Zu hören ist noch immer nichts. Die Eifersucht, den Konkurrenzkampf und die Verzweiflung kann man trotzdem spüren. Und plötzlich hört man sie förmlich, die Klagerufe des einen „Warum komme ich nicht zu dir durch?“ und die verachtende Antwort des anderen „Tja, ich bin einfach zu schön.“ Die ganze Szene endet in einem humorvoll inszenierten Stierkampf – und wieder bricht Lachen die Stille.

Die Maskentheatergruppe Mummenschanz schafft es seit über 40 Jahren, Menschen aus aller Welt zu begeistern. Und das ohne Worte oder Musik. Nur mit Pantomime, Akrobatik und komisch dargestellten Geschichten. Zugegeben: Schräg ist es ja schon und am Anfang weiß man gar nicht so recht, was man mit den überdimensionalen Händen, schrill-gelben Röhren, grün-kauenden Riesenmäulern und fliegenden Klopapierrollen anfangen soll. Schnell wird aber klar, dass hinter den Darstellungen mehr steckt – nämlich durchdachte Parodien über menschliches Verhalten, wie wir es alle kennen.
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Kein Sofort-Erfolg Aber wer verbirgt sich eigentlich hinter den Figuren? Zunächst waren das Andès Bossard, Bernie Schürch und Floriana Frassetto. 1972 zog das Trio durch alle Herren Länder und landeten fünf Jahre später am New Yorker Broadway. Die skurrile Pantomime-Show wurde zu einem Welterfolg. Leicht war es aber nicht immer: „Mummenschanz war kein Sofort-Erfolg, kein Glücksfall (…). Eigentlich konnten wir erst nach zehn Jahren von unserer Arbeit leben“, sagt Schürch. Spätestens seit New York war der Durchbruch jedoch geschafft, das Programm wurde weiterentwickelt und bald tourte das Ensemble durch alle Kontinente.

40-Jahre-Jubiläums-Tournee Erstaunlich: besonders in Ländern wie Iran, Israel oder Pakistan war die Show der anderen Art Kassenschlager. Vielleicht gerade weil man sich in diesen Krisenländern gerne vom Alltag in eine Welt der Fantasie entführen lässt. Manches war dann aber doch zu anstößig: Eine Szene, in der sich ein überdimensionaler Stecker und eine Steckdose küssend vereinen, musste etwa in Teheran vom Programm gestrichen werden. Huch, Pornografie à la Mummenschanz. Seit den 70ern hat sich eines geändert: Bossard starb 1992 an AIDS, Schürch stieg 2012 bei Mummenschanz aus. Aus dem Trio ist ein Quartett geworden, das derzeit mit dem 40-Jahre-Jubiläums-Programm jetzt auch nach Wien kommt.

Zu hören ist außerdem doch etwas – nämlich die wunderbaren Hochklänge und ausgeklügelten Facetten der Stille. Ja genau: auch das lautliche Nichts habe eine Tonleiter, erklärt Schürch: „Es gibt viele Nuancen der Stille, von der ganz lockeren Ruhe bis zur höchst angespannten Lautlosigkeit. Die Stille ist für uns zu einem Instrument geworden.“

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