Musikfestival Spielberg

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Zwischen Tradition und Moderne

„Was vielleicht vor 15 Jahren noch als uncool gegolten hat, ist mittlerweile eine sehr frische, kreative Szene“, sagt Herbert Pixner über die Neue Volksmusik. Er ist Intendant eines Festivals im Zeichen dieser Musikrichtung, dem Musikfestival Spielberg (30. August – 1. September), und selbst Teil dieser Szene, die traditionelle Klänge mit unterschiedlichsten Genres verbindet.

HMBC, © Adolf Bereuter

HMBC, © Adolf Bereuter

1986 veröffentlichen vier Männer aus der Weststeiermark ein Album namens Ruck ma zsamm. 1988 veröffentlicht ein Mann namens Hubert Achleitner aus Oberösterreich ein Album namens Alpine Lawine. 1990 veröffentlichen sechs Männer aus der Steiermark ein Album namens Broadlahn, 1991 zwei Männer aus Linz ein Album namens Most. Aniada A Noar, Hubert von Goisern, Broadlahn und Attwenger – sie alle haben eines gemeinsam: Sie haben traditionelle Klänge, die Volksmusik, mit anderen, modernen oder internationalen Musikrichtungen verbunden und so eine Welle der Neuen Volksmusik losgelöst oder – um bei Hubert von Goiserns Wortwahl zu bleiben – eine „alpine Lawine“ losgetreten. Die Menschen haben sich wieder für Volksmusik interessiert und sie nicht als abgestorbenes Erbe der Alpenregion angesehen – und die Lawine rollt heute noch. Goisern hat mit Brenna tuat’s guat 2011 wieder die Charts gestürmt, es gibt aber auch neue Künstler, die den Schneeballeffekt fortführen: Zu ihnen gehören zum Beispiel Herbert Pixner und HMBC.

HMBC – die Vorarlberger Volksmusikanten der besonderen Art haben mit Vo Mello bis ge Schoppornou den Durchbruch in ganz Österreich geschafft und mit Virtuosität und ihrem sympathischen, authentischen Vorarlberger Dialekt viele Fans gefunden. Wahrscheinlich genau deshalb sind sie am Samstag beim großen Open Air am Red Bull Ring Headliner.

Das Herbert Pixner Projekt aus Südtirol

Das Herbert Pixner Projekt aus Südtirol

Herbert Pixner ist ein Südtiroler Harmonikaspieler, der die Volksmusik mit Einflüssen von Jazz und Weltmusik auf virtuose Weise erneuert. Nicht nur das, er ist auch Intendant des Musikfestivals im steirischen Spielberg. Dieses Musikfestival ist eines der besonderen Art, bei dem Tradition und Moderne an einem Wochenende verbunden werden: „Vertraut, ungewöhnlich, laut und leise – aber immer authentisch“, meinen die Veranstalter. Vor nicht einmal einem Jahr sind die Zuständigen des Projekt Spielberg rund um den Red Bull Ring an Herbert Pixner herangetreten und haben ihm angeboten, das gesamte Festival zu organisieren und Künstler auszuwählen. Er hat ein umfangreiches Programm zusammengestellt, das zwischen Kunst, Kultur und Kulinarik sowie zwischen unterschiedlichsten Locations rund um Spielberg pendelt. Der konservative Volksmusik-Fan wird genauso seine Freude an den Konzerten haben wie der aufgeschlossene Fan von Pop, Rock, Jazz und traditionellen Klängen. (gk)

Programm des Musikfestivals Spielberg (30.8. – 1.9.)

festival_logo[dropcap]A[/dropcap]m Freitag dominieren Tradition und Kulinarik. Moderne Klänge werden von Bläsern beim Auftritt von Da Blechhauf’n interpretiert, konventionell wird von Die Tanzgeiger aufgespielt. Beim Harmonikatreffen wird Wissen von den ganz großen Harmonika-Spielern weitergegeben und genauso musiziert. Heidi Pixner und Manuel Randi spannen mit Harfe und Gitarre einen musikalischen Bogen von alpiner Volksmusik über Flamenco und Jazz bis hin zur Weltmusik. Und für Fans der Tradition gibt es „Gelebtes Brauchtum“, ein Sänger- & Musikantentreffen mit typischen Klängen.

[dropcap]D[/dropcap]er Samstag ist ein Geschenk an alle Fans der Neuen Volksmusik. Aus aller Herren Länder wird man Einflüsse hören: eine Portion Vorarlberg von HMBC, eine Portion Balkan und Bayern von Django 3000, eine Portion Irland von IRISHsteirisch, , eine Portion Südtirol vom Herbert Pixner Projekt und Allerwelts-Blasmusik aus Wien von Federspiel. Ein besonderer DJ wird den Abend ausklingen lassen: DJ Japun Beats verbindet Lounge mit Remixes aus der Volksmusik.

[dropcap]S[/dropcap]onntags-typisch geht’s am letzten Tag zum Frühschoppen mit verschiedenen Musikkapellen und traditioneller Volksmusik. Ausschlafen ist sowieso überbewertet.

Herbert Pixner im Gespräch mit TICKET

Herbert Pixner, © Sandra Zangrando

Herbert Pixner, © Sandra Zangrando

Was ist für Sie das absolute Highlight beim Spielberger Musikfestival, außer Ihrem eigenen Konzert?

Jede einzelne Band ist für mich ein Highlight. Es ist die Kombination aus den vielen verschiedenen Richtungen, vom Traditionellen bis zum Modernen.

Wie wichtig ist die Neue Volksmusik für den deutschsprachigen Raum?

Im deutschsprachigen Raum hat es immer wieder sehr aktive Künstler der Neuen Volksmusik gegeben, die vor dreißig Jahren viel bewirkt haben, wie zum Beispiel Hubert von Goisern, Broadlahn, Aniada A Noar oder Attwenger. Das sind alles Gruppen, die traditionelle Musik aufgegriffen haben und mit Jazz, Rock oder mit ganz eigenen Klangfarben ausgestattet haben. Mittlerweile gibt es im Alpenraum eine sehr lebendige Szene und viele junge Musiker, die sich nicht mehr schämen, wenn sie traditionelle Themen aufgreifen.

Wird die Volksmusik in den nächsten Jahren zur Populärmusik gehören?

Das ist sie eigentlich immer schon gewesen. Ich glaube, es ist so wie im Jazz: Es hat immer wieder Auf und Abs gegeben. Vor zwanzig Jahren gab es zum Beispiel eine Back-To-The-Roots-Strömung, wo Workshops gemacht wurden und es Richtung Jodeln gegangen ist. Jetzt wird wieder sehr viel experimentiert. Bereits in den Musikschulen beschäftigen sich die Lehrer mit mehreren Musikstilen.

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