Nazar fordert: Bewegt den Oasch und nutzt das Wahlrecht!

„Irreversibel“ nennt der Favoritner Rap-Star Nazar mit iranischen Wurzeln sein neues Album, das Mitte Mai auf Universal Music Austria erscheint. Beim !ticket-Interview nur zwei Tage nach der Bundespräsidenten-Wahl spielte natürlich die aktuelle Politik eine gewichtige Rolle.

nazar foto beitrag

Nazar, der bekanntlich kein Freund der FPÖ ist und wegen Beleidigung von H.C. Strache bereits verurteilt wurde, ist ein flammender Demokrat. Via Facebook und auch in unserem Interview ruft Nazar auf, unbedingt zur Wahl zu gehen!

Hast du den vergangenen Wahlsonntag schon verarbeitet?

Ja klar, muss man ja. Man muss vorausschauen, vor allem, da ja noch einiges zu tun ist und wir es in der Hand haben. Da braucht man jetzt nicht die Augen verschließen. Ich versuche, das Gute im Menschen in Österreich noch nicht aufzugeben. Man darf nicht vergessen, dass beinahe zwei Millionen Menschen gar nicht gewählt haben. Ich hoffe, dass die noch ihren Oasch bewegen und das Wahlrecht für sich nutzen. Viele wissen gar nicht, wie viel das wert ist.

Wenn wirklich alle zur Wahl gehen, dann hoffe ich, wird es sich für Van der Bellen doch noch ausgehen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass 36 Prozent der Menschen, die gewählt haben, sich für einen Hofer entschieden haben. Das würde offen aber kaum einer zugeben … Zumindest nicht in meinem Umfeld, und ich bin überzeugt, dass da einige Hofer gewählt haben.

Du hast aktiv auf Facebook zur Wahl aufgerufen. Weshalb ist dir das Wahlrecht ein so großes Anliegen?

Ich glaube, das ist bei Iranern sehr stark vorhanden, da wir ja aus einem Krieg kommen, der mit einer islamischen Revolution begonnen hat. Menschen, die vorher ein westliches, freies Leben geführt haben … Man konnte selbst entscheiden, ob man ein Kopftuch trägt oder keines, was du isst, was du trinkst, wie du dich in der Öffentlichkeit verhältst. Durch die Revolution wurdest du gezwungen, Dinge anders zu tun. Die Iraner sind ein politisches Volk. Da ich unter diesen Umständen groß geworden bin, war es mir immer schon ein Anliegen, für Freiheit, Demokratie und für Normaldenkende zu sein. Meine Familie und ich haben es am eigenen Leib verspürt, wie es ist, wenn es in eine extreme Richtung geht.

Ich glaube, viele Österreicher können das Wahlrecht nicht schätzen. Vielleicht, weil es kaum noch Überlebende gibt aus der Zeit, als alles anders war, Krieg geherrscht hat. Leider sind wir Gewohnheitstiere. Wir haben uns in den vergangenen Jahren an den Luxus gewöhnt, in dem wir leben und meckern auf sehr hohem Niveau.

Doch du stammst aus der Generation nach der Revolution. Und dennoch ist dein Wertebewusstsein so ausgeprägt?

Ich habe eine großartige Mutter, die uns schon sehr früh diese Werte vermittelt hat. Meine Mutter hat immer Wert darauf gelegt, dass wir uns schnell integrieren, dass wir uns schnell an dieses Land anpassen und uns vor allem, dass wir uns auch als Österreicher sehen. Und, dass wir alles dafür tun, hier nicht negativ aufzufallen, was in meinem Fall vielleicht nicht so gut gelungen ist (lacht).

 

Wir haben mit “La Haine Kidz (4K)” und “Generation Darth Vader” bereits zwei Vorgeschmäcker zu “Irreversibel” parat. Die Reportage zum neuen Nazar-Album „Irreversibel“ (erscheint am 13. Mai bei Universal Music) gibt’s im nächsten !ticket-Magazin (Juni). Nazar live gibt’s dann am 22. & 23. Juli beim „HipHop Open“ in der Ottakringer Arena Wiesen.

 

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