Neil Young – Live At The Cellar Door

Nach der allerorts umjubelten Livepräsenz mit Crazy Horse im Zuge der überbordenden Psychedelic Pill endlich ein weiterer Glanzpunkt für Aficionados. Und damit auch die perfekte Einstimmung für den Live-Termin am 23. Juli in der Wiener Stadthalle.

„Hi, folks.“ Keine große Introduktion notwendig, Neil Young betritt die Bühne, sagt artig sein Guten-Tag, greift zu seiner Klampfe und lässt die Musik für sich sprechen: „Ich sage nichts, ich singe viel, viel lieber“, soll Enrico einige Jahre später zu seinem Markenausruf in AmDamDes machen, 1970 war es die Programmatik des musikgeschichtlich wohl elementarsten Kanadiers – und ist es nach wie vor.

Kurz nach der Veröffentlichung des Elementarteilchens After The Gold Rush, kurz nach Zusammenbruch des Quartetts CSNY (wobei bis heute diskutabel ist, welcher dieser Herren der wahre Joker ist – auch wenn Young erst durch die Supergroup seinen bis heute unangefochten großen Namen machte), spielte Young sechs Solokonzerte im Washingtoner Cellar Door, je zwei Sets hintereinander, an drei Tagen. Ohne Crazy Horse. Ohne Spompanadeln. Einfach nur er, mit seiner intensiven, dabei unglaublich filigranen Stimme und seinem markanten Gitarrenspiel. Dazwischen ein Ausflug aufs Klavier (u.a. für eine überaus rare Interpretation von Cinnamon Girl), er debütierte Old Man und See The Sky About To Rain – bis heute zwei der zahlreichen Glanzpunkte seiner Karriere – und spielte Stücke, die erst später, in abgeänderten Versionen, ihren Weg auf Alben finden sollten. Auch im Set: zwei Klassiker von Buffalo Springfield – I Am A Child und Expecting To Fly. Neben ihm ein stiller, aber auf- merksamer Begleiter: der Kassettenrekorder.

Vierundvierzig Jahre waren die Kassettenbänder verborgen gelegen, nun wurden sie endlich zugänglich gemacht – denn eigentlich hätten sie schon gemeinsam mit den Fillmore-East-Aufnahmen (veröffentlicht 2006) erscheinen sollen. Live-Veröffentlichungen, so mag man mokieren, sind weder Fisch noch Fleisch – aus dem Studio klingt’s sauberer, live vielleicht intensiver, aber nur, wenn man tatsächlich direkt in der Atmosphäre schwebte. Hier ist Neil Young eine rare Ausnahme: Ihm ist stets eine Intensität anheim, die in jeder Variante neue Emotionen evoziert.

Hier lest ihr mehr zum grandiosen, letzten Studioalbum mit Crazy Horse, Psychedelic Pill.

Neil Young legt gemeinsam mit seinen verrückten Gauchos ein psychedelisches Pillendöschen vor, das ausufernd, überbordend, vor allem aber divers und meisterlich geraten ist.

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