Neustart für Paramore

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Nach drei Jahren Pause, der schmutzigen Trennung von den Gründungsmitgliedern, den Farro Brüdern, legt das verbliebene Paramore-Trio mit dem selbstbetitelten Album spannende, neue Tracks vor. TICKET erreichte Front-Frau Hayley Williams am Telefon.

Weshalb gab es die lange Pause zwischen den Alben? Wegen der Umstrukturierung der Band?

Hayley Williams: Ja auch, aber wir brauchten eine Pause. Es gab eine Menge Veränderungen, außerdem haben wir in all den Jahren niemals eine Pause eingelegt und Zeit zu Hause verbracht. Wir wollten ein bisschen erwachsener werden und uns mehr Zeit für das Album nehmen. Davor passierte alles in einem rasanten Tempo, Aufnahmen und Tourneen. Wir mussten wieder zur Ruhe kommen, um jetzt die gesamte Energie in die Songs zu stecken.

Ist dieser Neustart genauso aufregend wie beim Debütalbum?

Hayley: Ja, es fühlt sich so an. Bei den Aufnahmen war es, als seien wir eine ganz neue Band. Das Gefühl war cool. Immerhin ist das unser viertes Album und dabei diese frische Energie und die Aufregung zu spüren ist etwas ganz Seltenes und Spezielles. Wir sind dankbar für die positiven Erfahrungen in der Auszeit, nachdem es ja einige Turbulenzen gegeben hat. (Die Farro-Brüder verließen die Band mit dem Kommentar, dass Paramore Hayleys Ego-Trip wäre und sie die restlichen Bandmitglieder als minderwertig ansehe, Anm.)

Ist die erste Single Now eine Sound-Visitenkarte für das gesamte Album?

Hayley: Ja und Nein. Es ist ein deutliches Zeichen, dass wir unseren Sound verändert haben, aber trotzdem noch wie Paramore klingen. Auf dem Album gibt es 17 Songs und es ist wie eine lange Reise, ein Statement, das unseren veränderten Gemütszustand zeigt.

In Now geht es um die Zukunft. Was wünscht du dir persönlich und für die Band?

Hayley: Es ist schwer, mir persönliche Ziele zu setzten, denn jeder Tag verändert mich. In den vergangenen zwei Jahren bin ich äußerst erwachsen geworden und weiß heute, wer ich bin. Die meiste Zeit bin ich ganz zufrieden mit meinem Leben. Das hätte ich vor zwei Jahren nicht behaupten können. Als Band wollen wir nach dem Erscheinen des Albums so schnell wie möglich auf Tour gehen. Über die Zeit danach mache ich mir keine Gedanken, da sind wir aufgrund des Albums derzeit zu euphorisch.

Gibt es einen roten Faden bei den Texten?

Hayley: Klar, denn ich schreibe immer über meine Erfahrungen. Ich kann nur über Dinge schreiben, die ich auch kenne. Ich erfinde nur ganz selten Geschichten. Es gibt einen Titel, der fiktiv ist, One Of Those Crazy Girls. Da versetze ich mich in eine Trennungssituation und spiele eine verrückte Ex-Freundin. Es hat großen Spaß gemacht, für einige Minuten bei dem Lied so richtig bösartig zu sein. Der Rest des Albums beschäftigt sich mit den Erlebnissen und Erfahrungen, die wir in den vergangenen zwei Jahren gemacht haben, mit unserer Freundschaft innerhalb der Band. Ich bin auf jeden Fall super stolz auf die Texte, sie zeigen mich als junge Frau, die erwachsen wird.

Weshalb so ein langes Album mit 17 Titeln?

Hayley: Es gab diesen Ausbruch an kreativer Energie und es war eine echte Befreiung, das Album zu machen. Zum ersten Mal ist unser Gitarrist Taylor federführend beim Schreiben der Musik gewesen. Er inspirierte mich wieder zu neuen Texten und die Songs sprudelten nur so heraus. Wir hatten sogar noch viel mehr Titel, aber die konnten wir nicht auf das Album packen.

Euer Produzent Justin Medal-Johnson meinte, das Album klingt ein Wenig nach den 80er Jahren mit einem Ausblick auf 2016…

Hayley: (lacht) Justin hat eine wunderbare, großartige Vorstellungskraft. Er hat uns sehr inspiriert und diesen Vintage-Sound hervorgekitzelt. Für mich waren Blondie ein großes Vorbild, wir lieben alle The Cure. Wir haben uns bisher nicht sehr um unsere Einflüsse gekümmert, dieses Mal haben wir sie ganz bewusst eingesetzt. Es fühlt sich an wie ein Punk-Rock-Album, das wie Pop eingespielt wurde.

Normalerweise trägt ein Debüt-Album den Bandnamen, bei euch ist es das vierte. Weshalb?

Hayley: Das ist auf jeden Fall ein bewusstes Statement, dass es eine Art Neuanfang ist und wir trotzdem Paramore geblieben sind. Wir stellen uns den Fans ganz neu vor und hoffen, dass wir neue Hörer erreichen. Es ist kein neues Kapitel, sondern ein neues Buch, das wir begonnen haben.

Es ist das erste Album ohne die Farro Brüder. Machte das bei den Aufnahmen einen Unterschied. Sind die Streitigkeiten beigelegt?

Hayley: Ja, es war total anders. Als sie die Band verlassen haben, wurde aus fünf Musikern ein Trio. Wir sind alle zusammen aufgewachsen und diese Einheit zu verlieren war ein dramatischer Einschnitt, der sehr wehgetan hat. Alles Negative, was da über uns gesagt wurde… es ist passiert, vermutlich musste es passieren. Andererseits hätten wir ohne die Vergangenheit heute nicht dieses neue Album. Taylor, Jeremy und ich sind uns in der Zeit noch näher gekommen und unsere Freundschaft ist gewachsen. Im Grunde bin ich sogar dankbar, dass alles so gekommen ist.

Alle in der Band haben einen christlichen Background. Schlägt sich das in der Musik nieder?

Hayley: Meine Güte… Es hat sicher einen Einfluss auf meinen Standpunkt, wie ich Menschen und die Welt betrachte. Aber es hat keinen Einfluss auf unsere Musik, wir wollen in unseren Songs nicht predigen, woran wir glauben oder woran andere glauben sollen. Die Menschen haben durch die Menge an fanatischen Christen einen ganz falschen Eindruck, denn das hat nichts mit dem Glauben zu tun. Für uns heißt Glauben Verantwortung und Liebe zu zeigen, und andere zu akzeptieren und, dass wir versuchen, gute Menschen zu sein und anderen Hoffnung zu geben.

Interview: Alexander Haide

 

Paramore kommen mit ihrem neuen Album zum Novarock in Nickelsdorf (14.-16. Juni 2013)

 

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