OPETH – Pale Communion

Opeth – eigentlich „Opet“, die „Stadt des Mondes“, nach dem altertümlichen Imperium aus Wilbur Smiths „Sunbird“-Roman – waren früher, in den Neunzigern, einmal sowas wie das Aushängeschild des schwedischen Death Metals.

 

Zwischenzeitlich stellte Papa Mikael Åkerfeldt seine Stimmbänder gar der Hypocrisy/Katatonia/Dan Swanö-Supergroup Bloodbath zur Verfügung, soll heißen: Er erbrach modriges Erdreich mit Gewürm. Dann: Das epische „Heritage“, 2011. Haben Opeth ohnehin schon im Verlaufe ihrer Karriere an Härte abgebaut, geriet der „Watershed“-Nachfolger zu ihrer eigenen Huldigung an Woodstock, als eine Hommage an die Hammond-Schlaghosen-Schnauzbart-Fraktion. Rückblickend betrachtet – vor allem „Pale Communion“ noch nachklingend habend – wirkt „Heritage“ freilich vielleicht etwas unfokussiert, als erster zaghafter Gehversuch auf neuem Terrain, Åkerfeldt, der erste Mensch am Mond. Aber nun, endlich: „Pale Communion“!

Die neue Langrille ist zweifelsohne die logische Fortführung von „Heritage“, das gefühlstechnische fehlende Glied zwischen „Damnation“ und dem Jahrhundertalbum „Ghost Reveries“ – ohne Death-Metal-Growls freilich, und ohne sich selbst zu kopieren. Dabei gelingt den Herren rund um Åkerfeldt eine auditive Penetration, die Ihresgleichen sucht – die acht, teilweise überlangen Stücke mäandern um einen Koitus, den zuletzt derart gekonnt vielleicht Led Zeppelin mit ihrem frühen Quartett zelebrierten, ein Rausch der Sinne, den man sich sonst handelsüblich erst mühsam mit allerlei Spaßpiraterie reinpfeffern muss. Und gleich einem dieser psychedelischen Wunderwuzzi-Trips ist auch „Pale Communion“ überaus reich an Emotionen, eine schwerstbehinderte ADHS – allerdings durchaus bewusst und gezielt. Den Stockholmern gelingt es, durchgehend jenen Moment erblühen zu lassen, den Queens „Bohemian Rhapsody“ für ein paar Minuten über Hammer, Amboss und Steigbügel brettern lässt, dabei selbst in den Akustik-und-Streicher-Momenten derart heftig, dass jetzt eigentlich ein „Deine Mudda“-Schmäh angebracht wäre, wäre das nicht bereits dermaßen ausgelutscht. „Is this the real life? Is this just fantasy?“, fragt Freddie Mercury zu Recht, und mit einem Honigkuchenpferd im Gesicht fliegen wir weiter über die von Soli nur so überquellende Erzählung, die vielleicht so etwas wie ein Brückenschlag zwischen Middle-Earth, Westeros und Gilead ist: Khaleesi knabbert genüsslich nackend am rohen Herz, während Saurons Dunkelelben auf ihren Mûmakils durch das Gemüse pfeiffen – man hat es ja eilig, auf dem steinigen Weg zum „dunklen Turm“: „Aim with eye, shoot with the mind and kill with the heart.“

Opeth beweisen mit ihrem achten Album nicht nur absolutes Geschick, sondern vor allem Anmut und Grazie, zauberten gemeinsam mit Rhea von Cöos jenes Ding, das wohl subversiv am flottesten abhängig (und dabei noch dazu schöner) macht; Ich war, weil mich meine Eltern schlichtweg einige Jahre zu spät geworfen haben, damals vielleicht nicht in Woodstock. Aber „Pale Communion“ ist, salopp gesprochen, „pretty damn fuckin‘ close“.

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Zur Einstimmung auf das Wien-Konzert in der Arena: Opeth live am Rock am Ring

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