Otto Waalkes, der wahre Meister des Blödsinns

Otto Waalkes

Seit einem halben Jahrhundert hoppelt der Ostfriese Otto Waalkes schon mit verschmitztem Gackern über die Bühne oder in der Flimmerkiste: Nun kommt er mit einem lautstarken “Holdrio” wieder nach Österreich!

Otto WaalkesDer gebürtige Ostfriese Otto Waalkes gilt als einer der erfolgreichsten Vertreter des deutschen Humors – und stammt dabei aus einer Zeit, in der beim Nachbarn noch nicht die Cindys und Marios für tobende Hallen sorgten. Ja, auch bei Otto regiert der Blödsinn, auch hier werden auf der Bühne komische Verrenkungen gemacht und Gesichter gezogen, aber bei weitem nicht so gezwungen wie bei den Generationen, die nach ihm kamen. Neben Loriot und Heinz Erhardt ist er einer der beständigsten deutschen Komikern, die über Jahre hinweg nicht nur ihrem Stil treu, dabei aber weiterhin erfrischend geblieben sind. Ottos Kalauer und Wortspiele, die mit extrovertierter Körpersprache untermalt sind, sind albern, ja, dabei aber selten unklug – und haben zumindest die Generation der in den Achtzigern Geborenen maßgeblich geprägt: Viele seiner Sketche, Lieder, Reime und Geräusche gehören zum kollektiven Gedächtnis, ja zum Kulturgut, und sind mehr als nur schnöde Kindheitserinnerung.

Sie gelten – neben Loriot und Heinz Erhardt – als einer der auch über die Landesgrenzen hinaus bekannten Großen des deutschen Humors. Ist „deutscher Humor, wenn man trotzdem lacht“, wie der deutsche Schriftsteller Sigismund von Radecki meinte und wie nah an den Landesgrenzen ist Humorverständnis eigentlich?

Ich glaube nicht, dass Humor etwas mit Ländern oder Nationalitäten zu tun hat, sondern viel eher damit, ob man am Leben ist oder nicht. Und da bin ich den beiden Kollegen ja weit voraus.

International federführend ist sprachbedingt der englische Humor, es heißt aber auch, dass das Englische Irreführungen erlaubt, deren Kniffe in der deutschen Sprache aufgrund ihrer Exaktheit nicht möglich sind. Ist dies ein Grund, warum deutscher Humor so „körperlich“ und grimassenbetont ist?

Was heißt hier Grimasse, ich sehe wirklich so aus (lacht)! Im Deutschen gibt es natürlich genauso Zweideutigkeiten, Eindeutigkeiten oder auch Garkeindeutigkeiten. Und für den Rest gibt es bei mir ja auch noch einen Englischkurs!

Sie haben einmal gesagt, dass das Tolle an den Deutschen ist, dass sie über sich selbst lachen können. Trauen Sie das den Österreichern auch zu?

Na klar können auch Österreicher über sich lachen! Und wenn nicht, dann übernehmen die Deutschen das auch gern für sie!

Wie wichtig ist Ihnen der Reim? Und wann ist er gut: Wenn er flutscht oder auf Biegen und Brechen klatscht?

Ums Klatschen kommt man nie herum / Dann halt der Reim, wenn nicht das Publikum. / Doch manchmal fällt selbst mir kein Reim / auf das Reimwort „Reim“ mehr eim.

Sehr markant für Ihre Wirkungsmächtigkeit sind – neben Ihrem Gang – Ihr charakteristisches Kichern und die „feuchte Fistelstimme“. Ist das natürlich gewachsen oder gefinkelt einstudiert?

Ich weiß gar nicht, was Sie meinen. Bei mir zu Hause gehen und sprechen alle so.

Früher hieß es „antibürgerlicher Anarchismus“, heute vermehrt Nonsens: Ist das auch so etwas wie eine Realitätsflucht für Sie – und das Publikum, das mittlerweile Generationen vereint?

Ach was – der Nonsens ist doch meine Realität! Aus der flüchte ich doch nicht. Und wieso sollte das Publikum denn zu mir fliehen – eher von mir weg!

Was ist „Humor“ für Sie überhaupt – und wie weit darf er gehen? Hat er sich an Grenzen zu halten oder Regeln des Anstandes zu unterwerfen?

Ja, was ist Humor überhaupt? Und was bedeutet „Regeln“ und „Anstand“? Da sollten Sie besser einen Experten befragen (lacht).

Wenn Sie im Laufe Ihrer Karriere jemandem auf den Schlips getreten sind, dann sicherlich nicht böswillig oder wirsch. Wo verstehen aber Sie selbst keinen Spaß?

Ich musste mich ja aber auch schon für einen Witz entschuldigen! Der ging so: “Der Papst hat Selbstmord begangen – warum nicht, wenn man sich beruflich verbessern kann!” Aber ich bin immer für einen Lacher zu haben. Auch gegen eine gepflegte Sauerei habe ich nichts einzuwenden.

Andersrum: Wer bringt Sie selbst zum Lachen? Gibt es darunter etwa auch Österreicher?

Ich kann ja über viele lachen, es gibt auch sehr guten Nachwuchs. Kennen Sie zum Beispiel Nico Semsrott? Der ist tierisch. Bei den Österreichern muss ich lachen, ganz egal, was sie sagen. Mein Publikum findet ja auch Andreas Gabalier ganz besonders lustig. Der hat ja sogar eine Version von Hänsel und Gretel rausgebracht!

Ihre Vorführungen beruhen fast ausschließlich auf der Parodie. Sie parodieren Märchen, die alle kennen, oder Prominente. Wo fangen das Urheber- und Persönlichkeitsrecht an, wo hören sie auf?

Wenn ich das wüsste, wäre ich Rechtsanwalt und schon längst im Ruhestand.

Gibt es heute eigentlich noch einen aktualisierten Parodie-Kanon, auf den Sie zurückgreifen könnten – oder ist die Menschheit heute schon zu divers und schnelllebig für das „Gemeinsame“ und „Beständige“?

Man muss natürlich schon drauf achten, dass man sich auf Nummern bezieht, die schon die Runde gemacht haben und etwas bekannter sind. Aber bei „Thüringer Klöße“ hab ich gemerkt: Manchmal reicht es, wenn ich etwas kenne und lustig finde. Das Publikum hat gelacht – und wie sich rausstellte, kannte das Original kaum jemand.

In den vergangenen Jahren vermeint man, der Politiker werde zum Comedian, der Kabarettist zum Politiker. Wie schafft man es, dass einem nicht zeitweise das Lachen vergeht und sich wie Sie über all die Jahre hinweg eine scheinbar kindliche Freude bewahrt?

Dass die Leute immer weiter Tickets für meine Shows kaufen, hilft doch schon sehr. Und was wäre denn auch die Alternative zum Lachen?

Sie spielten zu Ihren Frühzeiten mit der Band The Rustlers vorwiegend Lieder der Beatles. Welcher ist der beste der Pilzköpfe?

Paule ist schon ein Guter, aber gute Pilze leben ja geradezu vom Ensemble.

Rückblickend auf 50 Jahre Otto: Wären Sie vielleicht lieber der ernste Musiker Otto Waalkes – wie Ihre einstigen WG-Kollegen Müller-Westernhagen und Lindenberg – geworden, und nicht der Komiker?

Ich habe schon immer Musik gemacht und auch schon immer Blödsinn. Heute mache ich auch immer noch beides. Wenn jemand im Publikum lacht, während ich Musik mache, dann freue ich mich. Bei Udo und Marius ist das sicher anders!

2011 gastierten Sie – neben Bands wie Motörhead, Iron Maiden, Volbeat, Korn und Linkin Park – mit Ihren Friesenjungs beim Nova Rock. Wie wohl fühl(t)en Sie sich inmitten abertausender Rocker?

Das war tierisch! Wie all diese harten Rocker plötzlich im Chor “Hallo Otto!” riefen und meine Lieder mitgrölten. Stark!

Apropos Rocker: Viele wie Lemmy von Motörhead touren bis zum Umfallen, andere wie die Rolling Stones schauen aus, als seien sie schon ein paar Jährchen tot. Überraschenderweise altert die Figur, der Charakter, die Person „Otto“ kaum – von daher auch Fragen nach Ihrer Pension eigentlich obsolet sein müssten. Wie schaffen Sie es, nicht in einen grantigen Seniorenduktus zu verfallen und „Früher war alles besser“ zu skandieren?

Ach was, früher war ja auch gar nicht alles besser. Heute Morgen, zum Beispiel, tat mein Knie so höllisch weh, ich hatte es im Kreuz und kam so schwer aus dem Bett.

Was hob den Elefanten unter den abertausend Tieren hervor, dass genau er verottot und so zum Ottifanten wurde?

Der Elefant wurde ja nicht verottot, der Otto wurde elefantiert! Ich wollte ja eigentlich ein Selbstporträt zeichnen, aber wegen der langen Nase hielten das alle für einen Elefanten. Das hab ich dann noch ein bisschen weiterentwickelt, die Nase noch verlängert, einen Körper dazugezeichnet und der Ottifant war geboren.

Selten aber doch porträtieren Sie Ihre Heimat, Ostfriesland: eine flache Gerade mit einem berühmten rot-gelben Leuchtturm. Wohin sollte es einen neugierigen Touristen verschlagen?

Ja, Ostfriesland ist so flach, dass man morgens schon sieht, wer abends zu Besuch kommt! Angucken kann man sich das schöne alte Fischerdorf Greetsiel, natürlich den Leuchtturm in Pilsum, die kleinen ostfriesischen Inseln mit ihren Stränden und Dünen, guten Krintstuut und Tee gibts überall und in Emden dazu noch mein Otto Huus und die besten Matjes!

Angeblich soll es dieses Jahr zwei Überraschungen für die Fans geben. Können Sie da schon etwas verraten?

Die eine gibt es sogar schon: Seit März haben meine Ottifanten eine eigene Briefmarke! Eine Sondermarke der Deutschen Post. Endlich kommt wieder jemand mit rauf, um sich meine Briefmarkensammlung anzugucken!

 

Otto Waalkes spielt Anfang Mai in Graz, Linz, Wien, Innsbruck und Villach. Graz und Wien sind bereits ausverkauft, für die übrigen Termine auf oeticket.com noch Restkarten vorhanden.

 

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