Parov Stelar – Picasso des Elektroswings

Lehre_Finanz_und_Rechnungswesenassistenz_V1

Als Student der Bildenden Kunst beschäftigte sich der heute 39-Jährige DJ und Produzent mit verschiedenen Kunststilen von Rembrandt bis Picasso. Dann kam die Musik: der Jazz, der Swing, untermalt durch pfeffrigen Elektro-Beats. Der Pionier des Elektroswings spricht mit TICKET über die Gemeinsamkeiten von bildender Kunst und Musik, sein neuestes Klanggemälde The Art of Sampling  und was er von Hascheeknödeln hält…

Wie bist du auf den Namen „Parov Stelar“gekommen?

Parov Stelar: Im Endeffekt ist es ein Fantasiename, ich habe tausend Geschichten, die alle spannend klingen, in Wahrheit ist es aber sehr langweilig. Es hat einfach gut geklungen.

The Art Of Sampling ist bei Island (Universal) erschienen.

The Art Of Sampling ist bei Island (Universal) erschienen.

Was ist bei deinem neuen Album The Art of Sampling  neu und was gefällt dir selbst besonders gut daran?

Parov Stelar: Es ist eine Mischung aus Alt und Neu. Es ist wie eine Art Gallerie eines Künstlers, der schon oft ausgestellt hat und sich einen Überblick über das Schaffen macht. Nur alte Songs wollte ich nicht hinaufgeben, so haben wir vier neue Songs. Es ist kein „Best Of“, sondern eine Kollektion an Songs, die für meinen Werdegang wichtig waren. Deswegen gibt es viele Titel, die sehr unterschiedlich klingen.

Gibt es einen Track, der dir besonders wichtig ist?

Parov Stelar: Sagen wir, du hast zehn Kinder und ich frage dich, wer dein Lieblingskind ist. Prinzipiell: Das letzte Werk ist das wichtigste, vielleicht weil man es noch nicht so oft gehört hat. Deswegen sind auch die letzten Songs die interessantesten, wenn auch nicht die wichtigsten.

Gibt es Künstler oder Idole, an die du dich nicht herantraust?

Parov Stelar: Nein, das habe ich abgelegt zu dem Zeitpunkt, als ich wirklich mit professionellen Gitarristen, Pianisten, Saxophonisten zusammengearbeitet habe, die das auch studiert haben. Ich habe ja selbst kein Instrument studiert, sondern alles Learning by Doing gemacht. Da war ich oft aufgeregt –„Mein Gott, die hören jetzt bestimmt, was ich alles falsch mache.“ – bis ich dann gesehen habe: Aus diesem Nicht-Zu-Wissen-Was-Man-Tut entsteht ganz viel Neues, weil man selbst nicht betriebsblind ist. Solange man einen respektvollen Umgang hat. Das sind auch nur Menschen und haben ihre Fehler. Angst, die hilft in der Kunst nicht, da muss man wirklich frei sein.

Welches Instrument spielst du?

Parov Stelar: Computer.

Wie entsteht deine Musik? Wie bist du auf das Jazzige und den Swing gekommen ?

Parov Stelar: Wenn man beim Fortgehen gesagt hat: „Ich höre Jazz“, dann warst du gleich ein wenig cooler. Get A Move On von Mr. Scruff war damals ein wegweisender Track.

Und ich habe es immer schon spannend gefunden – ich komme ja aus der bildenden Kunst – Dinge, die eigentlich nicht zusammengehören, auch in der Malerei, zu verbinden. Und Elektronische Musik mit komplett organischen Klängen war spannend: Das passt eigentlich nicht zusammen. Im Nachhinein habe ich bemerkt, dass diese Jazz- oder Swingrevolution, eigentlich die ersten Techno-Veranstaltungen waren. Ich habe bemerkt, dass die Energien, die beide Musikgenres verbindet, eigentlich miteinander verwandt sind.

Stolperst du über diese Tracks oder suchst du danach?

Parov Stelar: Ich glaube, jeder Künstler, der sagt, dass ihm das eingegeben wird, lügt. Weil jede Form vom Kunst ist verdammt harte Arbeit und es ist ein permanentes Suchen. Ich fange mit einem Beat an und baue die Samples rundherum. Das ist wie Lego-Bauen. Du fängst mit einem Stein an, ob das ein Indianerlager oder eine Raumstation wird, weißt du nicht so genau. Meistens haust du es auch wieder um – von 10 Fällen, 9 Mal.

Beats-Bauen ist wie Lego-Bauen.

Wie wichtig ist die visuelle Komponente bei Live-Acts?

Parov Stelar: Jetzt in der Zeit, wo viel digital funktioniert, wird wieder sehr viel Wert auf Cover und Art-Work gelegt. Vinyl ist zum Beispiel wieder stark im Trend.

Hat Musik für Dich einen anderen Stellenwert bekommen in den letzten Jahren?

Parov Stelar: Es hat sich nur eines geändert: Früher habe ich Musik einfach nur der Musik Willen gemacht, heute kann ich davon leben.

Was hat sich seit dem Amadeus-Award für dich geändert?

Parov Stelar: Eigentlich geht alles seinen gewohnten Lauf. Wir haben unseren Hauptfokus nie auf Österreich gelegt. Wir sind sehr viel im Ausland unterwegs und nur wenig in Österreich. Was sich verändert hat durch die viele Presse, erkennen einem die Leute ab und zu, was mir sehr unangenehm ist. Es war einfach ein ganz großartiges Gefühl, dass man in so einem ehrlichen Voting von seinen eigenen Fans dorthin gebracht worden ist.

Ist Österreich Heimat für dich?

Parov Stelar: Ja definitiv.

Würde Sich der Sound anders anhören, wenn du nicht Österreicher wärst?

Parov Stelar: Das glaube ich nicht, weil ich lebe auch die meiste Zeit in Spanien. Es beeinflusst sicher, obwohl ich so viel herumreise, dass ich teilweise nicht mehr weiß, wo ich wirklich zu Hause bin. Aber vom Gefühl und den Wurzeln her, wird es Österreich bleiben. So viele Tortilla kann ich gar nicht essen, Hascheeknödeln sind trotzdem besser.

IMG_6574_hell

Ein Kunstwerk, ein Beat-Künstler und das TICKET-Magazin.

Wann erreichst du den Punkt, wo du sagst: Jetzt mache ich den Song öffentlich?

Parov Stelar: Das ist ein ganz schwieriger Prozess. Ich glaube ich habe keinen einzigen Track wirklich fertig. Und da halte ich es, wie Picasso gesagt hat, sobald er ein Bild fertig malt, hört er auf mit der Malerei. Diesen Interpretationsspielrahmen in einem Song für den Hörer offen zu halten, ist ganz wichtig.

Wieviel liegt bei dir noch in der Schublade?

Parov Stelar: Ich habe Festplatten voll. Bei 10 Songs, bleibt vielleicht einer übrig. Es ist immer der Zweifel, der bleibt. Vielleicht liegen ja fünf Hits auf der Festplatte.

 

Interview: Astrid Radner

 

Tickets bei oeticket.com

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!