Pfeffer im Ohr

Die Faszination für Balkanmusik hat der Hamburger Ulf Lindemann alias [dunkelbunt] seiner Wahlheimat Wien zu verdanken. Nun präsentiert er eine neue fernöstliche Klangmischung.

Sternanis muss drin sein. Dazu kommt Paprikapulver, Kurkuma, ein Hauch Zimt, alles jedoch gemahlen. Ein bisschen Senf und Kardamom, Fenchel im Ganzen und Ingwer zum Verfeinern. So stellt sich das Ulf Lindemann alias [dunkelbunt] sein neues Album „Mountain Jumper“ vor, wäre es eine Gewürzmischung. Ganz schön fernöstlich. So wie die Balkan-Klänge des Hamburgers, mit denen er das Genre des „Elektro-Swings“ entscheidend mitbewegt. Das Schwierige beim Gewürzemischen so wie beim Musikmachen? „Es muss
alles bleiben, was es ist. Es darf nicht beliebig klingen oder sich überlagern“, sagt der Musiker mit Liebe zum Kochen im Gespräch mit !ticket. Vor 14 Jahren zog der Hamburger nach Wien, in die Stadt, in der er als Kind oft seine Cousinen besuchte und heute noch mit seiner
Frau und zwei Töchtern lebt. Hier fühlt er sich heimisch. Bei so viel Heimatgefühl kommt Ulf doch glatt aufunsere Heimatseite.

Durch Musik die Welt eröffnet

Hier hat der 35-Jährige auch seine Faszination für östliche, orientalische Musik entdeckt. „Wien war ganz wichtig“, Oh! Ein weiteres Bekenntnis an die Metropole. Eigentlich kam Ulf wegen der elektronischen Musik und der jazzy Downbeat-Szene wie bei Kruder & Dorfmeister nach Wien. „Dann bin ich auf den Balkansound gestoßen: die Wiener Tschuschenkapelle oder die Bauchtanzkassetten meiner Cousine. Da hat sich mein Sound schlagartig verändert.“ Ulf sog seither alles auf! Hauptsache Fernost! Arabien am Klavier! Russland im Beat! 2004 schwang sich Ulf aufs Rad und fuhr und fuhr und fuhr. Immer der Donau entlang, bis er er am Schwarzen Meer und in Istanbul ankam. Seit 2003 produzierte er neun Alben – jedes ist anders, brachte ihn in Produktion und Komposition ein Stück weiter und für alle gilt: „Die Musik hat mir die Welt eröffnet“. International zogen die Songs von [dunkelbunt] um den Globus.dunkelbunt-Print-A4-Photo-by-Julia-Wesely_web

Keiner kann still sitzen

Er selbst reiste nach. In Tel Aviv, Melbourne, Honolulu, L. A, Paris bis New York und Istanbul – überall trat des Balkan-Sound-Phänomen ein: „Niemand kann still sitzen, wenn diese Musik läuft“, sagt Ulf. „Man hat das Gefühl, dass das so richtig an die Wurzeln geht. Dass die Leute alles fallen lassen und sich freitanzen können“. Auch für „Mountain Jumper“ prallen klanglich verschiedene Kulturen aufeinander. In Ulfs Kopf ergab sich bei der Konzeption des Albums ein klares Bild. Ausgangspunkt ist das Aufeinandertreffen von chinesischen und europäischen Einwanderern vor 150 Jahren in Amerika. „Und jetzt stelle ich mir vor: Die Griechen kamen mit ihrer Bouzouki, die Iren mit ihrer Volksmusik und die Chinesen mit ihren eigenen Lauten und Geigen.“ Ulfs Lieblingstextzeile aus dem Album ist: „Es ist egal, woher du kommst“.

Die Lyrics hat sein Musiker Alix geschrieben. Heute arbeitet er mit ihm musikalisch zusammen, zwei Jahre lang war Alix sein Praktikant. Seine Aufgaben damals? Flyer verteilen, recherchieren, Botendienste. Ach ja, übrigens: Gewürze mischen. 

Tickets bei oeticket.com

 

 

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!