Pink Floyd – The Endless River

Pink Floyd melden sich mit ihrem fünfzehnten Studio-Output zurück: Neben David Gilmour und Nick Mason ist hierauf auch der 2008 verstorbene Organist Richard Wright zu hören. Die Tendenz zur „Ambient“-Musik, die auf den letzten Alben bereits angedeutet wurde, wird nun potenziert.

Da ist sie nun also wieder, die nach U2 wohl größte jener Bands, die aus dem Moloch gekrochen kommend, dereinst – in den Sechzigern, Siebzigern, Achtzigern – für genreübergreifend relevante musikalische Erzeugnisse, ja, gar stilprägende Alben sorgten. „October“ oder „The Joshua Tree“ auf der einen, „The Piper At The Gates Of Dawn“ oder „Atom Heart Mother“ auf der anderen Seite. Mittlerweile sind die Iren dazu übergegangen, via Apple ein gleichermaßen belangloses Massenprodukt (im wahrsten Wortsinn „umsonst“) auf den Markt zu erbrechen, wie im heimischen Medienmarkt die schlechtere Katzenkistenunterlage Österreich. Pink Floyd hingegen, die haben mit „The Endless River“ die (finanzielle) Kurve zumindest gekratzt, auch wenn Roger Waters nicht mehr im Teil des Kollektivs spielen darf, denn: Während aktuell auf Amazon One Direction mit „Four“ noch die Rangliste an Vorbestellungen eines Albums anführen, sind die Briten mit „The Endless River“ auf dem besten Wege, sie vom Thron zu stoßen.

Wenngleich durchaus bereits seit allerspätestens „The Wall“ zu kritisieren ist, Pink Floyd schreiben – durchaus gelungene – Konstrukte, bei denen einzelne Stücke jedoch losgelöst vom „Großenganzen“, vom Konzept, nur schwerlich ihre Wirkung entfalten mögen, so macht sich bei „The Endless River“ erstmals dieser Eindruck deutlicher erkenntlich, das größte Highlight sind wohl die Voice Samples von Stephen Hawking. Bazinga. „The Endless River“, die Fortsetzung von „The Division Bell“? So sagt zumindest David Gilmour, und zitiert mit dem Titel auch den Schluss des Vorgängers: „The endless river, forever and ever …“ („High Hopes“).

Vielmehr ist „The Endless River“ ein (hochwertiges) Restlessen, das als Pfiat-Gott-und-gehabt-euch-wohl-Aufguss kredenzt wird. Verzehrende Soli und überbordende, flirrende Soundeskapaden tragen wie gewohnt die floydschen Klänge, alas: Der Fluss wirkt „in einem Guss gestückelt“. Kein Wunder, es sind dies Fragmente, die übrig blieben, insbesondere eben aus den „Division Bell“-Sessions, die jetzt – bis auf zwei Ausnahmen – rein instrumental dargeboten für eine Skizzenorgie sorgen, ein elegischer, dabei aber überraschend lichter Abgesang von und für die Soundintelligenzia. Der tonale Naturalismus, mit Geplätscher und Gezwitscher, zieht sich über 53 Minuten durch, einen kleinen Ausbruch stellt neben dem mit Stephen Hawkings Robo-Rap bereicherten „Talkin’ Hawkin’“, zweifelsohne „Allons-y (1)“ dar, der wie ein Bastard aus Prince und der Disco-Phase von KISS klingt. „On Noodle Street“ hingegen wäre eine wahrhaft gelungene Introduktion zum kommenden James-Bond.

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