Placebo Placebit!

Kaum verabschiedet sich der Winter und die ersten Frühlingstage ziehen ins Land, ist es auch schon wieder Zeit, an die großen Festivals im Sommer zu denken. Klar, dass die zwölfte Auflage des Frequency-Happenings in St. Pölten ganz oben auf der Liste steht! Mit den Beatseaks, den Sportfreunden Stiller und Tocotronic wurden die ersten Headliner bereits fixiert, zudem gibt’s auf der Homepage weitere Acts – und es kommen ständig neue Künstler dazu. Mit dabei sind auch die Alternative-Superstars Placebo. TICKET plauderte mit Schlagzeuger Steve Forrest.

TICKET: Zur „Battle For the Sun“-Tour kamen weltweit unglaubliche zweieinhalb Millionen Fans.

Steve: Ja, wow, wenn man gerade unterwegs ist, bekommt man das alles gar nicht so richtig mit! Am liebsten würde ich jeden einzelnen umarmen und mich bedanken.

TICKET: Bei zehn Millionen verkauften Alben bisher wäre jeder vierte Käufer auch zu einer Show gekommen. Was empfindest du bei einem solchen Erfolg?

Steve: Nur Dankbarkeit! Wow! Mehr kann ich dazu nicht sagen, es macht mich einfach nur glücklich und stolz. Ich hoffe sehr, dass auch das nächste Album ein solcher Erfolg wird, und dass wir für weitere zehn, fünfzehn Jahre mit dieser Band Musik machen können!

TICKET: Eine Tour rund um den Globus! Gab es für dich Highlights?

Steve: Für mich persönlich waren Orte wie Australien, Südamerika und Teile Asiens die absoluten Höhepunkte. Das sind Orte, an die ich schon immer reisen wollte und nie geglaubt hätte, jemals hinzukommen. Sie schienen unerreichbar für mich!

TICKET: Und du bekommst dafür noch gutes Geld…

Steve: Ja, das ist absolut fabelhaft! Oft schaue ich aus dem Flugzeugfenster, lächle zufrieden und denke: Für mich ist das wie für andere ein Tag im Büro. (lacht)

TICKET: Die Live-DVD kam erst ein Jahr nach der Show. Warum so spät?

Steve: Nun ja, man darf nicht zu viel zu knapp hintereinander machen, das wäre zu viel für die Fans. Man muss aber als Band auch beschäftigt bleiben, sonst verliert man den Drive. Zusätzlich wurde ja noch Backgroundmaterial gedreht, das hat einige Zeit gedauert. Im Grunde war das alles so geplant. Die Fans sollten nach der Tour eine Pause haben, jetzt gibt’s die DVD und einige Konzerte in diesem Jahr.

TICKET: Wenn du dir die Dokumentation auf der DVD ansiehst… was geht durch deinen Kopf?

Steve: Ich bin jetzt ein anderer Mensch als in dem Film. Wenn ich mir das heute ansehe, sehe ich einen aufgeregten jungen Mann, der seinen Platz noch nicht ganz gefunden hatte, der sich erst noch beweisen musste. Heute bin ich viel selbstsicherer, bin älter und reifer geworden. Auch musikalisch hat sich seither einiges verändert. Wenn ich mir mein Schlagzeugspiel von damals ansehe, war das schon sehr okay, aber ich habe in der Zwischenzeit viel dazugelernt, ich bin viel besser geworden. Außerdem denke ich wenn ich mir das jetzt anschaue: Oh Shit! I did that! Das Ding bleibt eine Erinnerung für das ganze Leben! Dabei werde ich sehr emotional, es wühlt mich auf, es macht mich stolz. Davor habe ich mein ganzes Leben lang gekämpft… wenn ich das alles jetzt sehe, macht es mich sogar verlegen.

TICKET: Brian sagte einmal, dass er beinahe alle Drogen ausprobiert hätte. Spielen Drogen eine Rolle in deinem Leben?

Steve: Ich glaube nicht, dass Brian das so gesagt hat und kann auch nicht für ihn sprechen oder einen Kommentar dazu abgeben. Aber wir haben doch alle Dinge ausprobiert. Es gab eine Zeit in meinem Leben, in meiner alten Band, da habe ich oft rezeptpflichtige Pillen, viel Gras geraucht. Als Teenager habe ich außer Heroin und LSD alles ausprobiert, mir alles reingeworfen, was ich in die Finger kriegen konnte. Irgendwann kommt dann der Moment wo man realisiert, dass einem das weder hilft cooler zu sein, noch schreibt man bessere Musik. Ich bin ja in einer Provinzstadt aufgewachsen, da konnte man nicht viel mehr tun, außer Drogen zu nehmen und Musik zu machen. Aus dieser Phase wächst man heraus, heute zählt die Professionalität! Zudem ist die Band ein Teil der Rock and Roll-Geschichte, da kann man kein Fuck-Head mehr sein!

Interview: Alexander Haide

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