Prelistening: Pet The Preacher – „The Cave and the Sunlight“

Am 25. April erscheint via Napalm Records das zweite Album der Dänen Pet The Preacher, „The Cave And The Sunlight“. Wir freuen uns, den „Brontosaurus Rock“ im Einzugsgebiet aus Clutch und Kyuss an dieser Stelle vorab exklusiv präsentieren zu dürfen.

On the 25th of April Napalm Records will be releasing the second album of the Danes Pet The Preacher, „The Cave And The Sunlight“. We are happy to present this „Brontosaurus Rock“ somewhere between Clutch and Kyuss exclusively in advance.

Das Desertfest – das erste Mal 2012 in Berlin und London abgehalten – ist seitdem alljährliches Pilgerziel für Connaisseure klassischer, nicht selten grün-süßlich umnebelter Rock-Musik in all ihren wunderbaren Variationen. Ein Mekka für all jene, die entweder in den Siebzigern hängengeblieben sind, oder sich in selbige „gefluxkompensatort“ haben, all jene also, die auf etwas sonderlich anmutende Gesichtsbehaarung, Papas Jugendsünden-Hemden und Schlaghosen stehen. Die, die zwangsweigerlich nicht nur wissen, was ein Plattenspieler ist, sondern selbigen tatsächlich auch besitzen: Psychedelic, Doom, Stoner, Desert – you name it, Sabbath and Zeppelin, „hallowed be thy name“. Während ob des Hypes, der mittlerweile um den Schwall an „Vintage“-Bands gemacht wird, selbst „Kommerz“-Festivals wie das Nova Rock nicht mehr vor den „neuen alten Klassikern“ die Augen verschließen können (Stichwort: Uncle Acid & The Deadbeats), so ist das Desertfest (nebst dem Roadburn) vor allem aber auch feingeistiger Förderer und somit Humus im Erdreich der noch unbekannten Namen. Freilich: Clutch in Berlin, Kvelertak in London sind die Zugpferde, aber kaum ein Besucher, der nicht mit mindestens einem Dutzend an „Ah!“- und „Oh!“-Erlebnissen das Festival verlässt.
Hervorragende Wahl also, dass die Kopenhagener Pet The Preacher die Wüste von Berlin zur Albumpräsentation ihres Zweitlings „The Cave & The Sunlight“ auserkoren haben – oder besser: auserkoren wurden.

Ein Name, der in deskriptiven Erzählungen nämlich stets fällt, ist Clutch. Wie auch bei den Marylandern ist dem Trio aus Kopenhagen also ein beinah exzeptioneller Hybrid aus Stoner- und Bluesingredienzen anheim, der nicht selten in psychedelischen Jam-Passagen ausufert, ohne dabei allzu weit auf Fernreisen mit Onkel Acid und Tante Mary-Jane zu gehen. Pet The Preacher sind geradlinig genug, um stets eingängig zu sein, dabei aber selbst in den kargsten Passagen immer mit dem richtigen Eizerl an Trance unterwegs, dass die Synapsen allweil angesprochen werden.

The Cave And The Sunlight„The Cave & The Sunlight“ ist organisch und herrlich leichtfüßig, sowie insbesondere in der Solo-Arbeit derart delikat und bestrickend, wie man es zuletzt auf den Guns-N‘-Roses-Frühwerken hören durfte – da schmeichelt sich jeder Ton ins Herz und rammelt dich – schwupps! – hinterrücks durch, als gebe es kein Morgen: Rhythmus über alles. Über all dem wabert eine Atmosphäre, die aus einer Mixtur aus Whisky und Wüstenstand genährt ist, der Bastard aus Kyuss und Lynyrd Skynyrd – allein mit einem lieblicheren Touch: Gibt es Whisky mit Muskatellernote? Ich weiß es nicht, aber so würde es wohl in der akustischen Transformation klingen – und nicht nur den Schwangeren in ihren Geschmackswirren munden. Das nötige Beiwerk zum Gelingen trägt aber auch die gewissermaßen schroffe Stimme, die dem Sexappeal noch das gewisse Krönchen, das i-Tüpfelchen, die Fuck-off-Attitüde aufsetzt: harte Schale, weicher Kern.

Bereits das Debüt „The Banjo“ wusste, „sexy ‚n‘ boozy“ Hardrock zu kredenzen, vielmehr noch der hier vorliegende Nachfolger: Die künstlerische Weiterentwicklung – oder vielmehr: Veredelung – ist deutlich hör-, aber auch spürbar. Bar jedweder unnötigen Theatralik gelingt dem Trio eine Katharsis, eine Hinwendung zu einem grundentspannten Tenor, einer „Laissez-faire“-Gebarung, die Gänsehaut gleichermaßen wie Erektion erzeugt. Es heißt oft von zahlreichen Ecken und Enden, das letzte Mal Musikgeschichte sei vor einigen Jahrzehnten geschrieben worden und irgendwann, so traurig es auch klingen mag, werden die letzten Bands mit „Headlinerqualitäten“ aussterben. All jenen sei Pet The Preacher mit erhobenem Mittelfinger vor den Latz geknallt – denn, mein lieber Freund der Blasmusik, wenn sich die Myriade dazu, zu diesem Bronosaurus Rock, nicht in spätestens zehn, fünfzehn Jahren in trauter Zwei- oder Mehrsamkeit die Birne wegkifft, die Leber zum Überlaufen bringt und nebenbei auch noch die Seele aus dem Leib vögelt, dann geht doch weiter Tocotronichören und Kant lesen, echt jetzt.

Mit etwas Glück kann man „The Cave & The Sunlight“ auch gewinnen: Mehr Infos dazu findet ihr am Ende des folgenden Artikels.

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