Premierenfieber im Oktober

Anhaltenden Applaus gab es letzten Donnerstag in den Kammerspielen der Josefstadt für „Der nackte Wahnsinn“. Zwei Tage später löste das vor 50 Jahren uraufgeführte Musical „Der Mann von La Mancha“ Jubel in der Volksoper Wien aus.

Und die Bühnenfassung von Thomas Bernhards Prosatext „Alte Meister“ feierte am Sonntag eine mit Beifall überschüttete Premiere im Wiener Volkstheater.

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„Der nackte Wahnsinn“ – Kammerspiele der Josefstadt

In Michael Frayns Farce „Der nackte Wahnsinn“ begleitet das Publikum eine Theatertruppe und ihren Regisseur dreimal durch ein und denselben Akt. Zu knapp ist die Probezeit für die einzuübende Boulevardkomödie, bei der es auf nichts so sehr ankommt wie aufs Timing. Das Desaster ist angesichts des neurotischen Ensembles und der Affären des Regisseurs vorprogrammiert:

„Folke Braband als Regisseur zieht auch diesmal, wie schon in seinen früheren Inszenierungen an den Kammerspielen, mit einem bestens aufeinander eingespielten Ensemble alle Register eines Lachtheaters, in dem die Figuren des Stückes zum Vergnügen des Publikums mit vorhersehbarer Wahrscheinlichkeit in immer unwahrscheinlichere Situationen geraten.“ (Hilde Haider-Pregler, Wiener Zeitung)

In dem 1982 uraufgeführten Erfolgsstück mit dem Originaltitel „Noises Off“ brillierten in der deutschen Fassung von Ursula Lyn Ulli Maier, Alexander Pschill, Alma Hasun, Oliver Huether, Ruth Brauer-Kvam, Heribert Sasse, Eva Mayer, Martin Niedermair und der am Premierenabend schwer verletzte Michael von Au.

Mehr Informationen, Bilder und Tickets zu „Der nackte Wahnsinn“ gibt es hier.

 

https://youtu.be/p1Vun2IQeP8?t=16

„Der Mann von La Mancha“ – Volksoper Wien

Das auf Miguel de Cervantes Klassiker „Don Quijote“ basierende Musical „The Man of La Mancha“ wurde nach seiner Uraufführung 1965 innerhalb kürzester Zeit zum internationalen Publikumshit. Dabei konnte sich den Erfolg eines verwirrten, gegen Windmühlen kämpfenden spanischen Ritters zuerst niemand so recht vorstellen. In der Inszenierung von Musicaldebütant Olivier Tambosi mimt der Volksoperndirektor den Ritter von der traurigen Gestalt:

„Vor mehr als 20 Jahren war Robert Meyer am Gürtel der Sancho, jetzt ist er ein brillanter, gesanglich wie darstellerisch intensiver, berührender Don Quixote.“ (Peter Jarolin, Kurier)

Im Gefängnis versucht der Schriftsteller Cervantes sein Manuskript vor der Zerstörung zu retten, indem er die Geschichte den anderen Inhaftierten (unter ihrer Mithilfe) vorspielt. Auf eine sonst für das Genre typische Ausstattung wurde dem Stück entsprechend verzichtet. Die Aufführung beeindruckt umso mehr durch das dargebotene Schauspiel.

Mehr Informationen, Bilder und Tickets zu „Der Mann von La Mancha“ gibt es hier.

 

 

„Alte Meister“ – Volkstheater Wien

Der als Komödie betitelte Text „Alte Meister“ von Thomas Bernhard kam vergangenen Sonntag als Bühnenfassung von Dušan David Pařízek zur Aufführung. Im Mittelpunkt stehen der Musikphilosoph Reger (verkörpert von Lukas Holzhausen) – der seit mehr als dreißig Jahren regelmäßig das Kunsthistorische Museum besucht, um in Tintorettos Meisterwerk einen „gravierenden Fehler“ zu entdecken – und der von dessen seltsamer Tätigkeit in den Bann gezogene Museumswärter Irrsigler (dargestellt von Rainer Galke).

„Pařízek hat Thomas Bernhards späten Roman kunstvoll dramatisiert: Er konzentriert das Geschehen auf die zwei Protagonisten, die souverän zornigen Weltschmerz, leichten Slapstick und absurdes Theater bieten.“ (Norbert Mayer, Die Presse)

Eine großartige Darbietung im Wiener Volkstheater, dessen neue Intendantin seit dieser Saison Anna Badora ist. In der Spielzeit 2015/2016 stehen noch zahlreiche Premieren am Haupthaus sowie in den Nebenspielstätten am Programm, u.a. „Das Missverständnis“ von Albert Camus in der Regie von Nikolaus Habjan.

Mehr Informationen, Bilder und Tickets zu „Alte Meister“ gibt es hier.

 

 

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