Psychosomatisch

Der österreichische Kabarettist und Schauspieler Josef Hader mimt in der Haas-Verfilmung „Das ewige Leben“ (ab 5. März im Kino) zum vierten Mal den ziemlich heruntergekommenen Detektiv Brenner.

 

Kult ist er längst, der abgehalfterte Ex-Polizist und erfolglose Detektiv Simon Brenner, wie ihn Wolf Haas in seinen erfrischend eigenwilligen Krimis seit 1996 entwirft. Wobei das Wort „erfrischend“ in diesem Zusammenhang fast schon ein Paradoxon darstellt: Man kennt aus der Kriminalliteratur und aus dem dazugehörigen filmischen Genre nun wahrlich eine Heerschar von vom Leben gebeutelten Existenzen, die sich selbst für Detektive halten. Der Brenner ist wohl von all diesen Figuren die am meisten mitgenommene – insbesondere in diesem 2003 erschienen Krimi, nach dem es sechs Jahre lang keinen Brenner-Roman mehr gab: „Das ewige Leben“.

 

Josef Hader am Ende

Zu Beginn ist der Mann, der für uns längst nur noch in der Gestalt des Josef Hader denkbar ist, (wieder einmal) völlig am Ende. Er steht ohne Papiere, ohne Gegenwart und ohne Zukunft am Arbeitsamt, als ihn plötzlich ein Geistesblitz durchzuckt: Er hat ja, fällt ihm ein, das ungeliebte Haus seiner Eltern in Graz-Puntigam geerbt, sich aber nie darum gekümmert. Also verfügt er sich dorthin – wohin sonst sollte er schon gehen? Unter den Blicken des freundlich-argwöhnischen Nachbarn (eine in der österreichischen Provinz ausgeprägte Spezies) zieht er – selbstverständlich im strömenden Regen – mit seinen nicht vorhandenen Habseligkeiten ein, und das turbulente Geschehen kann seinen Lauf nehmen. Dieses reicht zurück in die späten Siebzigerjahre, als „der Brenner“ noch Polizeischüler in Graz war – eine Erinnerung, die durch eine Walther PPK („Polizeipistole Kriminal“) ausgelöst wird, die der Mann in seinem Haus findet. Dass die Walther bald losgeht und ein Loch in seinem Kopf verursacht, ist der vorläufige Gipfel in der äußerst schlechten Behandlung des Brenner’schen Körpers seit Anbeginn. Zu viel Bier, zu viele Zigaretten, zu wenig Schlaf, zu viele Tabletten, die ewige Migräne, und jetzt noch ein Kopfschuss – das ist „Körperkult“ einmal anders. Der Selbstmordversuch bringt ihn in die Klinik, wo er die attraktive Frau Dr. Irrsiegler (Nora von Waldstätten) kennenlernt, die wiederum die Geliebte des Polizeichefs Aschenbrenner (Tobias Moretti) ist, der wiederum mit Brenner auf der Polizeischule war. Mehr zu  verraten, verbietet der Anstand, aber es geht deftig und turbulent zu, wie man das aus den Haas-Krimis ja gewohnt ist.

 

 

Ein eigener Charakter

Es ist ja nun über Josef Hader schon wirklich alles gesagt und sein kabarettistisches und schauspielerisches Genie zu Recht umfassend gewürdigt worden – aber vielleicht sollte man die Facette seiner „psychosomatisch“ beschädigten Figur, vom Ich-Erzähler aus „Privat“ über den böse-larmoyanten Heinzi Bösel in „Indien“ und den grantigen Gerichtsmediziner in „Aufschneider“ bis hin zum Brenner nochmals besonders hervorheben.

 

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