Rainhard Fendrich: Wien-Indien-Wörthersee

Eine ausgedehnte Reise nach Indien, das neue Album Besser wird’s nicht… und zwei Konzerte mit Seltenheitswert Anfang August. Ach ja: Rainhard Fendrich feierte Ende Februar auch seinen 58. Geburtstag. Noch bevor das Album auf den Markt kommt, plauderte TICKET mit dem Übervater der Austro-Szene.

Du warst einige Zeit von der Bildfläche verschwunden. Wie geht’s dir?

Rainhard Fendrich: Mir geht’s gut, danke vielmals. Wir sind gerade im Studio in der Endphase, der Michi Dörfler mischt jetzt das Album.

Das Album ist bereits fertig?

Rainhard: Es kommt vielleicht noch das Eine oder Andere dazu, aber im Prinzip sind wir fertig. Ich bin zum ersten Mal auch Produzent, was ein bisschen schwierig war. Ich habe mir zu Nutzen gemacht, dass wir schon lange miteinander spielen und die Band eine musikalische Einheit ist. Jeder weiß, was er zu tun hat. Durch die lange Arbeit an der Platte hat sich ein weiter Bogen an Ideen ergeben, die in die Texte eingeflossen sind, heiterer Natur, ernsterer Natur. Eine Reflexion der Zeit, über den Shoppingwahn, über die Fernsehverblödung bis hin zur häuslichen Gewalt habe ich Themen aufgegriffen, die mich in den vergangenen zwei Jahren wirklich berührt haben. Daraus sind Texte entstanden und daraus dann Lieder.

Das vorige Album war ja schon sarkastisch und voller schwerer Themen. Ist das jetzt die Fortsetzung?

Rainhard: Das kann ich nicht sagen, denn ich habe es weder als sarkastisch noch zynisch empfunden, das müssen andere entscheiden. Ich schreibe immer so gut ich kann und aus vollem Herzen. Wie das dann vom Publikum aufgefasst wird, kann ich im Voraus nicht wissen. Ich denke, dass wir in unserer Gesellschaft schon so abgestumpft sind, dass wir ernstere Themen überhaupt nicht mehr zulassen. Als es den Vietnamkrieg gab, haben fast alle Künstler über diesen Krieg gesungen und diese Lieder waren Hits. Man kann nicht verhindern, dass in einer Zeit, in der es Probleme gibt, ein Künstler über diese Themen schreibt. Wenn das Publikum das als unangenehm empfindet oder als sarkastisch, dann stelle ich mir die Frage, wie weit wir in einem Sumpf des Abstumpfens versunken sind, so, dass man das alles nicht mehr wahr haben will. Das will man nicht mehr hören. Wir sind schon so reizüberflutet, dass man über solche Dinge nicht mehr nachdenken will. Ich werde mich aber nicht mehr ändern. Ich kann mir mittlerweile erlauben zu schreiben, was ich will. Ich habe meinen Humor auch nicht verloren. Auf dem neuen Album sind 16 Titel und wir kommen gerade mit einer CD aus.

Gibt es den lustigen, unbeschwerten Fendrich von früher noch?

Rainhard: Man hat mit zunehmendem Lebensalter einen ganz anderen Weitblick, eine ganz andere Perspektive. Die Frage ist, ob man in dieser Zeit noch unbefangen lustig sein kann. Die 80er Jahre sind vorbei. Wenn du dich umschaust, was in der Welt um dich passiert… ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Das furchtbarste Wort unserer Zeit ist Wachstum. Jeder redet vom Wachstum, aber niemand spricht über die Menschen. Wenn man nach China schaut, ersticken die Leute wegen des Wachstums und wir schütteln deshalb den Kopf, obwohl H&M, VW und andere dort produzieren, weil es billiger ist. Je mehr man weiß, desto weniger kann man heutzutage unbefangen sein. Ich wollte nicht unbedingt die Finger in alle Wunden legen, aber ich habe meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Ich habe auch heitere Themen drinnen die mich amüsieren.

Jeder läuft nur dem Geld und dem Erfolg hinterher…

Rainhard: Die Menschen machen sich fürs Geld gesundheitlich fertig und geben dann das Geld wieder aus, damit sie gesund werden. Das ist absurd! Burn-out hat es früher in diesem Sinne nicht gegeben. Reich ist heute nicht, wer mehr hat, sondern wer weniger braucht. Irgendwann einmal wird ein Glas frisches Quellwasser eine Kostbarkeit sein und das wird nicht mehr lange dauern.

Ist leichter Schlager wie Gabalier dann deiner Meinung nach Volksverdummung?

Rainhard: Ich maße mir nicht an, andere Künstler zu beurteilen, erst recht nicht, wenn sie so großen Erfolg haben. Es ist eine alte Regel im Showgeschäft, dass sich nix länger hält, ohne dass etwas dahinter steckt. Ich kenne den Herrn Gabalier nicht, ich kenne seine Lieder kaum. Es ist auch nicht die Musik die ich höre und ich habe da keinen Zugang. Wenn es da jemanden gibt, der das Publikum dermaßen begeistert, dann hat das seine Berechtigung. Punkt.

Welche Musik hörst du derzeit?

Rainhard: Gar nichts. Ich bin froh, wenn ich nichts höre! Im Studio höre ich gerade unsere Mixes ab. Weil ich mit Musik so viel zu tun habe, höre ich wenig. Ich habe auch im Auto nur wegen des Verkehrsfunks ganz leise das Radio laufen. Das lenkt mich sonst zu sehr ab, denn ich kann mich von Musik nicht berieseln lassen. Ich höre da immer so genau zu, dass mich das vom Verkehr wirklich ablenkt.

Du bist vor kurzem 58. Jahre alt geworden. Denkst du an die Musikerpension?

Rainhard: Nein, denn als Künstler hat man kein wirkliches Alter. Ich kenne so viele Menschen, die noch sehr agil auf der Bühne stehen und oft mehr drauf haben, als manch Jüngerer. Ich feiere Geburtstage nicht. Wenn dich ein Beruf geistig fordert, hält er auch deinen Körper irgendwie fit. Ich wurde von Udo Jürgens in die O2-Arena nach Berlin eingeladen. Der ist jetzt 78, und er ist ein Wahnsinn! Der spielt drei Stunden volle Power, da hörst du keinen falschen Ton, da steht ein Vollprofi, ein charismatischer Entertainer auf der Bühne, der von Jahr zu Jahr besser wird. Das macht mich sehr mutig, dass es eben noch nicht vorbei ist.

Verarbeitest du auf dem Album auch deine Trennung?

Rainhard: Ich habe zur Trennung keine Stellung abgegeben und werde zu meinem Privatleben auch in Zukunft keine Stellungnahmen mehr abgeben. Ich bin bekannt geworden, weil ich Künstler bin und weil ich Lieder schreibe, alles andere sind Nebengeräusche. Ich habe in der Vergangenheit viele Fehler gemacht, dass ich intensiver über mein Privatleben geredet habe, das ist aber jetzt vorbei. Ich habe diese Platte sicher nicht geschrieben, um irgendwelche persönliche Dinge zu verarbeiten. Das macht man mit 17.

Wo ist derzeit dein Lebensmittelpunkt?

Rainhard: In Wien. Das ist mein Hauptwohnsitz und wird es auch bleiben.

Wird es bei den beiden Konzerten im Sommer schon neue Titel zu hören geben?

Rainhard: Eigentlich sollte ich die beiden Konzerte gar nicht spielen, denn wir gehen im Oktober auf eine große Tournee durch Österreich, Deutschland, die Schweiz und Südtirol. Wir werden sicher das eine oder andere Lied von der neuen Platte live präsentieren, denn sie kommt Ende April, Anfang Mai heraus.

Du warst in Indien. War das eine Inspirationsquelle?

Rainhard: Klar, das ist immer so. Ich habe eine lange Reise gemacht, ich war auf Bali, in Singapur, auf Sri Lanka und in Indien. Indien hat mich sehr beeindruckt. Ich war in Goa, das ist die reichste Provinz und sie ist sehr europäisch. Man nennt es auch das Kalifornien Indiens. Ich habe noch nie so ein Elend gesehen, aber auch noch nie so lachende Gesichter.

Interview: Alexander Haide

Am 3. August ist Rainhard Fendrich auf der Wörtherseebühne mit seiner Band zu sehen, am 6. August kann man ihn im Rahmen von Best Of Austria auf der Seebühne Mörbisch live erleben.

 

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