„Reamonn war eine der tollsten Zeiten meines Lebens“

Als „The Voice Of Germany“-Juror hatte der ehemalige Reamonn-Frontman Rea Garvey nicht viel Zeit, um sich seiner eigenen Musik zu widmen. Trotzdem hat der Wahl-Deutsche das neue Album „Pride“ auf den Markt gebracht. In den Songs lässt er vor allem seinen irischen Wurzeln freien Lauf. Was er sich von seiner Herkunft behalten hat? Einen sympathischen Akzent, etwas Melancholie und viel Lebensfreude.

Dein neues Album ist mit deinen irischen Wurzeln in Verbindung. Welche irischen Macken hast du dir bis heute behalten?

Rea Garvey prideRea Garvey: Das verliert man nicht. Das gewisse Chaos, das man als Ire hat. Lebensfreude und Melancholie. Ich glaube ich musste das etwas zur Seite legen, weil ich manchmal zu viel nachdenke, vor allem, wenn ich eine Platte mache. An irgendeinem Punkt musst du zurückkehren, sonst verlierst du dich total. Das ist bei jeder Platte so. Es ist ganz wichtig, diesen Punkt nicht zu verpassen. Immer wenn du ein Lied schreibst, schreibst du noch eines und noch eines, dann verliebst du dich in ein Lied und fragst dich: „Sind die anderen auch so gut?“. Diese Rückkehr habe ich schon geschafft. Dann gehst du ins Studio und hast ein komplett anderes Leben. Auch wenn es manchmal mühsam und lang ist.

Du hast schon mit vielen Bands und verschiedenen Künstlern zusammengearbeitet (z.B.: Nelly Fortado). Gibt es Künstler, wo du sagst, mit denen würde ich niemals etwas machen?

Rea: Ich habe mit In Extremo gearbeitet, das ist eine Metal-Band, mit Paul van Dyk, das ist Techno. Ich sage immer, du kannst mehr als eine CD im Regal haben. Ich habe bis jetzt keinen Hip-Hop gemacht, aber könnte ich auch. Ich habe keine Lust auf Texte, die jemandem sagen, dass er nicht gut genug ist. Es muss einen positiven Klang haben. Ich finde Musik ist keine Plattform, um Hass auszuüben. Es sollte Lösungen geben oder Aussagen, die Hoffnung bringen.

Du übersetzt ja auch viel vom Deutschen ins Englische. Gab’s Übersetzungshoppalas?

Rea: Einer aus der Band hat einmal Rollmops mitgebracht und im Interview hat mich jemand gefragt, was wir alles Backstage haben. Ich habe gesagt: „Wir haben Bier, wir haben Möpse…“ (lacht). Wichtig ist für mich, wenn ich einen Fehler mache, dass ich das zugebe und nicht den Faden damit verliere. Ich mache auch Fehler. Das ist für mich die Zweitsprache. Das Schlimmste, was ich jemals auf der Bühne gemacht habe, war zwei Orte miteinander zu verwechseln und die mochten sich nicht. Da habe ich „Guten Abend, Bayern“ gesagt und das fanden die nicht witzig. Die waren ziemlich gepisst und haben einfach den Strom rausgezogen.

Ein Song auf dem neuen Album „Pride“ heißt „Can’t Say No“. Wozu kannst du nicht nein sagen?

Rea: Ich habe viele Frauen in meinem Leben. Ich bin mit sieben Schwestern aufgewachsen. Ich habe das Gefühl, dass ich zu denen nicht nein sagen kann. Ich will der Beschützer und Jäger sein. Wenn die mich brauchen, will ich auch da sein. Frauen sind ein Schwachpunkt bei mir. Das ist nichts Sexistisches. Ich habe gelernt, wie stark eine Frau sein kann. Ich unterscheide nicht zwischen Kräfte eines Mannes oder einer Frau. Wenn es darum geht, etwas zu heben, können manche Frauen viel besser heben als ich. Wenn es um Leben geht, um Ziele und die erreichen zu wollen. Da gibt es keinen Unterschied.

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 „The Voice Of Germany“. Wieviel weiß man vorher schon?

Rea: Wer auf die Bühne kommt, davon weiß man gar nichts.

Man trifft sich nicht backstage?

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Rea Garvey kuschelt mit der !ticket Snoop Lion- Ausgabe. Einer Zusammenarbeit mit Hip-Hoppern wäre er nicht abgeneigt.

Rea: Nein tut man sich nicht. Beim Fernsehen ist vieles gestellt. Ich will damit aber nichts zu tun haben. Da bin ich auch ehrlich, weil erstens kann ich nicht gut lügen und zweitens will ich das auch nicht. Bei manchen Sachen gibt es Erfahrungen der Show, wo man irgendwie etwas drehen muss, damit die Leute zu Hause verstehen, warum wir etwas gemacht haben. Zum Beispiel habe ich in meinem Team das Lied „Oh Johnny“ von Jan Delay ausgesucht. Die Mädels sind zu mir gekommen und haben gesagt, sie können das nicht singen, weil der Text ziemlich hart ist. Ich habe versucht ihnen zu sagen, dass sie sich hineinfühlen müssen und dann werden sie den Text schon verstehen. Sie haben das jedoch nicht verstanden. Ich habe das im Fernsehen aber die ganze Zeit angekündigt und dann musste ich dieses Gespräch nachspielen. Das finde ich in Ordnung.

Wie viel bringt eine Casting-Show für den Erfolg eines Künstlers?

Rea: Deine eigene Einstellung ist das, was ganz entscheidend ist. Wenn du erwartest, dass irgend jemand kommt und dir alles gibt. In dieser Welt lebe ich nicht. Ich kämpfe für die Dinge, die ich haben will. Und ich spreche nicht von Materialismus. Ich reise um die Welt, um Musiker zu treffen, Songs zu schreiben und eine Platte zu machen. Glaubt man bei einer Casting-Show, dass Prominenz der Erfolg ist, dann haben die das Thema verfehlt. Ich finde, das wichtigste ist, dass, wenn man bei so einer Show ist, muss man wissen, was man will. Und akzeptieren, dass es eine TV-Show ist, die schön verpackt ist, damit die Menschen das zu Hause genießen können. Ich finde „The Voice“ ist die einzige Show, die Entertaining ist. Ich gucke das auch gerne in anderen Ländern: Der Schweiz, Amerika, England. Die Enttäuschung bei den Teilnehmern ist vielleicht, weil sie keine Vision für sich selbst hatten. Oder zu streng waren, sich nicht geöffnet haben.  Xavier und ich sind oft mal auf die Bühne gegangen und haben in den Pausen etwas gesungen. Auch um den Leuten zu zeigen, dass man eigentlich alles singen kann. Xavier hat einmal „Alle meine Entchen“ gesungen. Der hat eine unglaubliche Stimme. Darum geht es: Sing einfach! Das liebe ich, wenn ein Mensch voller Ressourcen ist und kreativ. Auch wenn es schwer ist. Das Leben ist auch schwer.

Denkst du manchmal daran, zu deinen Bandwurzeln mit Reamonn zurückzukehren?

Rea: Ne, ich bereue keine Entscheidungen. Reamonn war für mich eine der tollsten Zeiten meines Lebens bis jetzt. Ich freue mich im Moment auf das, was ich jetzt mache, weil es sich nach dem anfühlt, was ich machen will. Ich finde, man verbringt zu viel Zeit mit Entscheidungen. Man soll einfach mal machen.

Hast du noch Kontakt mit deinen ehemaligen Bandmitgliedern?

Rea: Ne, wir haben uns schon seit 3 Jahren weder gesehen noch miteinander gesprochen. Das ist die natürliche Entwicklung von einer Band. Wir hatten wahnsinnig viel gute Zeiten zusammen. Irgendwann gab es eben Auseinandersetzungen. Das ist schwer. Denn wenn es dir wichtig ist, soll es dir auch nicht leicht sein, das zu beenden. Wir haben uns nicht wirklich so getrennt, weil wir einfach auseinander gingen und dann nie wieder miteinander gesprochen haben. Ich kann damit leben, Konfrontation ist einfach da und damit muss man rechnen. Jeder vergleicht eine Band mit einer Beziehung. Ich sage ich schlafe nicht mit meinen Bandmitgliedern, also da fehlt mir (lacht) ein großer Teil und wir sind auch erwachsene Menschen. Ob es uns wieder geben wird? Das muss sich nicht entscheiden, nicht jetzt. Aber ich schließe nichts aus.

 

Den irren Iren Rea Garvey kann man als „Special Guest“ von James Blunt live erleben. Außerdem: am Donauinselfest am 27. Juni!

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