„Scheiß drauf! auf alles!“

Die irische Singer-Songwriterin Wallis Bird zieht im Leben und in der Musik ihr eigenes Ding durch. Für ihr viertes Studioalbum „Architect“ zog sie deshalb prompt nach Berlin und tanzte sich durch die Clubszene der deutschen Hauptstadt. Und das hört man.

(deutsch)  Guten Tag oder wie man in Österreich sagt: Grüß Gott.

Wallis Bird: Gruuß Dik.

(nun englisch)  Du bist nach Berlin gezogen. Man sagt, Deutsch ist eine sehr harte Sprache. Findest du das auch?

Wallis: (spricht deutsch) Nö finde ich nicht. Sie ist sehr metaphorisch und poetisch. Die Worte sind alle zusammengebaut. Außerdem verwendet man viele Sprichsachen…Sprichwörter und Rede…sayings, wie heißt das? Redewendungen! Ah!

Hast du einen Deutschkurs gemacht oder war es learning by doing?

Wallis: (nun spricht sie englisch) Ich hatte Deutsch in der Schule von 12 bis 18. Und dann habe ich es ein bisschen gelernt, als ich nach Deutschland gezogen bin.

Was sind deine Lieblingswörter auf Deutsch?

Wallis: Eines der ersten, das ich gelernt habe war „Fußgängerzone“. Aber das ist nicht mein Lieblingswort. Es ist (kneift Augen zusammen und schaut an die Decke des Wiener Hotel Fürstenhofs) „Schadenfreude“. Dieses Wort gibt es im Englischen nicht. Wir haben alle dieses Gefühl, aber wir haben das Wort dazu nicht. Es ist sehr ausdrucksvoll.

Du hast dein neues Album „Architect“ in Berlin geschrieben. Wo können wir die Stadt heraushören?

Wallis: Überall, die ganze Platte wäre nicht geschrieben worden, wenn ich nicht in Berlin gewesen wäre. Ich bin dort hingezogen und habe ein halbes Jahr damit verbracht zu tanzen. Vieles habe ich in meinem Schlafzimmer verfasst und aufgenommen. Deshalb kann man auch die Straßen von außen auf der Platte hören.

Tanzt du auch auf deinem Bett?

Wallis: Jei Jei Jei. Ziemlich viel sogar. Ich und meine Mitbewohner haben eine sehr laute Anlage in unserem Haus. Wir haben die Vorhänge zugemacht, das Licht abgedreht, uns ausgezogen und getanzt. Das war gut.

„Hardly Hardly“ klingt sehr clubtauglich. Hat dich hier die Berliner Club-Szene beeinflusst?

Wallis: Genau! Berlin ist eine sexy Stadt. Im Winter bleiben die Menschen eher zu Hause, deshalb gibt es auch eine gewisse Intimität. Man kann ein bestimmtes Wintergefühl in den langsameren Songs hören. Aber auch Frühlingsgefühle. Die Stadt ist außerdem sehr jung. Die Platte hat mich deshalb zu Teenager-Gefühlen zurückgebracht. Vielleicht hört sich das Album mehr nach meinem Inneren an.

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Eine deprimierte Stimmung?

Wallis: Nein, es gibt hier keine depressive Stimmung. Ich hatte eher das Gefühl, mich verändern zu wollen und man hört die Aufregung dabei. Es geht um neue Wege, neue Anfänge. Ich bin eine positive Person und nichts im Leben kann schief gehen, solange ich positiv bleibe. Musik zu machen ist für mich ein grundsätzliches Bedürfnis: Ich kann es kaum erwarten zu singen, Instrumente zu spielen, ich kann es kaum erwarten mit meinen Freunden auf der Bühne zu stehen. Die Energie kommt von einer höheren Quelle. Ich muss nicht danach suchen, sie ist immer da.

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Beim Interview mit !ticket im Wiener Hotel Fürstenhof treffen wir auf eine aufgeweckte Wallis.

Hast du manchmal Angst diese Inspiration zu verlieren?

Wallis: Nicht wirklich, es ist wie ein Werkzeug und man lernt damit umzugehen. Jeder Musiker sucht ja nach einer Muse. Ich glaube, wenn du hart arbeitest und liebst, was du machst, lernen und dich weiterentwickeln möchtest und dich selbst kritisierst, dann kannst du immer etwas Neues und anderes machen. Als Künstler muss man sich selbst herausfordern.

Es gibt im Album viele neue elektronische Elemente. Wie ist es dazu gekommen?

Wallis: Ich war immer massiv tanzbegeistert seit ich ein Kind bin. Und elektronische Beats sind der beste Weg, um jemanden zum Bewegen zu bringen: ohne Melodie, ohne Text. Auch die zwei Jungs, mit denen ich in Berlin zusammenzog sind enorme Tanzfans. Das war sehr inspirierend. Mein Mitbewohner Kevin hat außerdem die Häuser auf dem Art-Work von „Architect“ designed. Und er öffnete meine Augen für Dance-Music. Ihn kenne ich seit 10 Jahren. Und da gibt es noch meinen zweiten Mitbewohner Chris. Er ist auch aus Dublin und er kommentierte und kritisierte meine Arbeit während des Schreibprozesses.

Du hast gesagt, du hast in Berlin sehr viel gefeiert. Hast du Tipps für Clubs?

Wallis: Da gibt es „Golden Gate“, da ist es aber ein bisschen „dreckig“ (deutsch mit englischem Akzent). Jeder geht in „Berghain“, sofern man hineinkommt. Da gibt es noch das „Promenaden Eck“, eine richtig nette Bar in Neukölln.

Was ist die schrägste Erinnerung, die du an eine Party-Nacht in Berlin hattest?

Wallis: Mir hat mal ein Typ Extasy angeboten, der in der US Army arbeitet. Er hat seine Drogen in den Särgen der Soldaten nach Deutschland geschmuggelt. Er war noch dazu Mediziner und hat die Drogen selbst hergestellt. Das war einer der verdammt schrägsten Momente, die ich jemals in einem Club hatte.

Im Album „Architect“ geht es auch um die Botschaft „Lebe dein Leben. Mache dein eigenes Ding“. Hattest du je Probleme, das musikalisch und im privaten Leben durchzuziehen?

Wallis: Musikalisch hatte ich das Glück, dass ich meine Karriere mit einem Team gestartet habe, das mich ermutigt hat, verdammt nochmal das zu tun, was ich möchte. Ich habe immer Musik aus Liebe zur Kunst gemacht. Deshalb haben wir unser eigenes Ding durchgezogen, ohne es zu hinterfragen. Privat durchzieht Musik mein ganzes Leben und ich kümmere mich nicht zu sehr darum, wo ich hin möchte. Wenn man etwas mit Leidenschaft macht, dann geht es einfach. Dann „Scheiß drauf auf alles“ (deutsch), glaube an das, was du machst (wieder englisch). Das Leben ist lang, aber es kann jede Sekunde zu Ende sein. Darum geht es auch auf dem Album. Hier habe ich weniger darüber gekrübelt, wie man ein Lied zusammensetzt oder ewig lange Zeit an verschiedenen Details zu feilen. Es war eher so: Das ist es. Nehmt es. Vervollständigt es. Lasst es. Geht. Spielt. „Architect“ ist die organisierteste Platte, die ich je gemacht habe. Dabei habe ich mir ein Jahr gegeben, 10 Songs, unter 40 Minuten und wusste es soll „Architect“ heißen. Dann habe ich abwechselnd eine Woche Party gemacht und eine Woche Songs geschrieben.

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„Architect“ erscheint am 11. April 2014

Hattest du manchmal zu starkes Kopfweh, um zu arbeiten?

Wallis: Ja, die ersten Monate waren eine langsame Periode. Nach den ersten vier Monaten habe ich mir aber selbst Druck gemacht. Es hilft oft, wenn du „high“ bist und nicht zu viel nachdenkst. Dann ist die Musik wie ein Schnappschuss

Du meinst „high“ durch Drogen?

Wallis: Oder durch eine Art hypnotischen Zustand. Schreiben macht bereits „high“ , da blendet man die Welt aus. Sie wird außerdem kleiner, weil man beginnt, in sich selbst zu suchen.

 

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