Schikaneder und die Liebe zum Theater

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Ende September kommt das Musical „Schikaneder – die turbulente Liebesgeschichte hinter der Zauberflöte“ zur Uraufführung. Wie es ist, bei dieser Produktion mitzuwirken, verraten Milica Jovanović und Mark Seibert.

Schikaneder

Emanuel Schikaneder ist den meisten nur als der Librettist von Wolfgang Amadé Mozarts Singspiel „Die Zauberflöte“ bekannt. Doch er war auch Schauspieler, Sänger, Regisseur, Dichter, Theaterdirektor und Erbauer des heutigen Theater an der Wien. Das Musical „Schikaneder – die turbulente Liebesgeschichte hinter der Zauberflöte“ erzählt die Geschichte von ihm und seiner Frau Eleonore, dabei blickt das Publikum auch hinter die Kulissen der Theaterwelt im 18. Jahrhundert. Seit Anfang August laufen die Proben im Wiener Raimund Theater auf Hochtouren und so standen die beiden Hauptdarsteller Milica Jovanovic´ und Mark Seibert per E-Mail Rede und Antwort.

Wie ist es für euch, Teil einer Uraufführungs-Produktion zu sein?

Milica Jovanovic: Es ist ein Geschenk, eine Situation, die ich jedem Musicaldarsteller einmal im Leben wünsche. Teil einer Uraufführung zu sein bedeutet, dass wir alle zu einem künstlerischen Schaffungsprozess gehören, der einzigartig ist. Eine Uraufführung gibt es genau ein Mal. Dieses Musical kann auf Welttournee gehen, in London und am Broadway gespielt werden und noch in 200 Jahren aufgeführt werden, aber die Uraufführung wird es nur ein Mal geben.

Mark Seibert: Ich hatte das große Glück, schon bei der einen oder anderen Uraufführung von Anfang an dabei sein zu dürfen. Es ist immer sehr spannend, da man nicht genau weiß, wohin die Reise geht. Man ist als Darsteller enorm gefordert, an dem Endprodukt mitzuwirken – das ist eine große Verantwortung, aber auch eine Chance. Letztendlich entscheidet das Publikum. Das macht eine Uraufführung natürlich enorm aufregend.

Seid ihr in die Entwicklung eurer Rollen darstellerisch und musikalisch eingebunden?

Milica: Glücklicherweise ja. Der Regisseur Trevor Nunn erlaubt uns bei den Proben den Raum, dass wir unsere Ideen in die Interpretation unserer Rolle einfließen lassen können.

Mark: Wir Darsteller sind nicht nur dafür da, die Ideen der Kreativteams umzusetzen, sondern dürfen und sollen auch an der Gestaltung aktiv mitwirken. Das ist eine große Chance für uns. Wir haben das große Glück, dass sowohl Komponist Stephen Schwartz als auch Autor Christian Struppeck und Regisseur Trevor Nunn offen für Ideen von uns sind. Schließlich wollen bzw. sollen wir ihre Ideen und ihr Konzept bestmöglich umsetzen.

Ist es für euch einfacher oder schwieriger, wenn es noch kein Rollenvorbild gibt?

Milica: Es ist noch ein wenig besser als normalerweise wenn ich eine Rolle lerne, weil ich in die Rolle der Eleonore mehr von mir stecken kann. Das gilt für die Schauspielszenen und besonders für die Musik. Der Komponist Stephen Schwartz ist ein Genie und seine Melodien berühren mich im Herzen. Wir sind gemeinsam die Lieder durchgegangen und haben überlegt, ob es an manchen Stellen vielleicht besser klingen würde, die Tonarten an meine Stimme anzupassen. Wir haben überlegt: Klingt das hier oder dort vielleicht besser mit einem hohen Ton? Und wir haben das dann gemeinsam probiert. Diese Zusammenarbeit war eine Ehre für mich, und ich bin dankbar für sie.

Mark: Es ist für mich deutlich entspannter, eine bereits existierende Rolle zu übernehmen. Da gibt es selbstverständlich nur einen gewissen Rahmen, die Rolle noch ein wenig zu verändern. Aber man spart es sich, seine Rolle immer wieder zu hinterfragen und ggf. große Änderungsvorschläge vorzubringen. Ich liebe die Mischung aus beidem. Mal eine Rolle gestalten und mal eine Rolle zu übernehmen. Das macht am meisten Spaß.

Wie läuft derzeit euer Tag ab?

Milica: Ich schreibe diese Zeilen um 22.22 Uhr und habe den ganzen Tag nichts anderes getan, als an „Schikaneder“ zu arbeiten. Ich stehe um halb 8 auf, lerne ein wenig Text beim Frühstück, fahre ins Theater, komme abends nach Hause, lerne Text, bis ich nicht mehr kann, liege im Bett, denke an Text und hoffe, dass ich irgendwie schlafen kann. Manchmal höre ich sogar meine Aufnahmen aus den musikalischen Proben unter der Dusche, um die Zeit zu nutzen. Es ist sehr viel Arbeit, da bleibt keine Zeit für irgendetwas anderes, es ist hart und schön.

Mark: Die Zeit, die wir derzeit im Theater verbringen ist schon sehr viel. Da kommen schnell mal 10 Stunden am Tag zusammen. Und zu Hause will der Text, die Lieder und alle Änderungen des Tages nach- bzw. vorbereitet werden. Und die Presse- und Promotionarbeit zum Start eines neuen Musicals ist auch nicht ganz ohne. Alles in allem schon eine sehr intensive Zeit. Aber der Tag kommt, wo man „das Baby auf die Welt bringt“. Das ist immer wieder für alle Beteiligten ein magischer Moment.

War dir der Name Schikaneder ein Begriff bevor du dich mit deiner Rolle beschäftigt hast?

Milica: Als ich begann als Sängerin zu arbeiten, habe ich in München an meinem geliebten Gärtnerplatztheater in Mozarts „Zauberflöte“ die Papagena gesungen. Daher kannte ich den Namen Schikaneder. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich einmal in einem gleichnamigen Musical in Wien die weibliche Hauptrolle spielen würde, hätte ich laut gelacht.

Mark: Ich kannte den Namen logischerweise in Verbindung mit Wolfgang Amadé Mozart. Wie sehr er aber das Theater geprägt hat, das wurde mir in der Tat erst jetzt durch die Probenarbeit klar: eine sehr eindrucksvolle Persönlichkeit. Und ich bin sehr stolz, ihn ab September Abend für Abend verkörpern zu dürfen. Natürlich werden in unserem Musical nicht nur Tatsachen sondern auch ein wenig Fiktion erzählt. Es soll ja nicht nur Geschichtsstunde, sondern auch vor allem Unterhaltung sein.

Hast du bereits einen Lieblingssong oder eine Lieblingsszene?

Milica: Mein Lieblingslied aus dem Stück ist „Liebe siegt“, darin erklingt die Melodie für Eleonores und Emanuels Liebe. Es ist eine Melodie, die so magisch ist, dass ich in manchen Momenten das Gefühl habe, dass wir Zuhörer sie körperlich spüren können. Mir geht das so. Ich meine nicht hören, sondern spüren, als würde die Liebe meines Lebens sich hinter mich stellen, die Arme um mich legen, mich zart halten und mich spüren lassen, dass am Ende doch alles gut werden wird. Es ist ein Lied, das mich zu Tränen rührt und mich mit Kraft erfüllt. Es ist eine Ehre, es singen zu dürfen. Eine Lieblingsszene habe ich auch: Heute haben wir bei den Proben eine Szene gespielt, in der wir uns streiten und in der ich mit einer Menge Gegenstände werfe. Das würde ich im normalen Leben nie machen, aber es macht Spaß, sowas auf der Bühne auszuprobieren.

Mark: Das Publikum wird vor allem eine sehr heitere, unterhaltsame Geschichte erleben. Mit vielen lustigen Szenen und Texten. Aber immer wieder wird diese Leichtigkeit durch unwahrscheinlich berührende Szenen unterbrochen. Diese Momente sind mir die Liebsten. Ich als Schikaneder strotze nur so von Optimismus und Selbstbewusstsein. Bis ich zum Ende des zweiten Akts in dem Song „Der letzte Vorhang“ eine sehr gebrochene, zerbrechliche und entmutigte Seite der Rolle zeigen darf. Das ist für mich derzeit das Highlight zum Spielen. Das funktioniert aber auch nur, wenn ich es in den zwei Stunden vorher schaffe, den sorgenfreien Sunnyboy mit schier endlosen Visionen zu etablieren.

 

„SCHIKANEDER – die turbulente Liebesgeschichte hinter der Zauberflöte“ ist die mittlerweile zwölfte Eigenproduktion der Vereinigten Bühnen Wien. Ein internationales Team arbeitet schon seit geraumer Zeit daran. Der dreifache Oscar-, dreifache Grammy- und Golden Globe-Preisträger Stephen Schwartz hat das Stück gemeinsam mit VBW-Musical-Intendant Christian Struppeck (Buch) geschrieben. Regisseur der Uraufführung ist der weltbekannte, dreifache Tony-Preisträger Sir Trevor Nunn. Die deutsche Fassung stammt aus der Feder von Michael Kunze. Bühnenbild und knapp 420 Kostüme stammen von Tony- und Olivier-Award Gewinner Anthony Ward, die Choreographie verantwortet Anthony van Laast. Das Musical erleben Sie ab 30. September im Wiener Raimund Theater, Karten gibt es bei oeticket.com!

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