Schlechte Laune und Leberwurst

Mit „Noir“ landeten die Broilers auf Platz 1 der deutschen Charts. Auch in Österreich steht man auf den düsteren Sound, der verdächtig nach Die Toten Hosen klingt. !ticket trifft Sänger, Songwriter und Frontman Sammy Amara kurz vor dem Konzert in der Arena Wien.

Euer neues Album „Noir“ ist ja sehr düster geworden. Welches Trauma musstet ihr verarbeiten?

Sammy: Beruflich gesehen ist alles super gelaufen. „Gold“ im wahrsten Sinne des Wortes. Dann gab es viele tolle Dinge, die privat passiert sind: zum Beispiel ein neues Mädchen in meinem Leben. Aber es gab auch private Erlebnisse, die nicht so schön waren. Texte schreiben ist für mich wie eine kleine Therapie. Deswegen ist das Album verhältnismäßig etwas dunkel geworden, um mir diese beschissenen Dinge von der Seele zu schreiben.

IMG_1254

!ticket trifft Frontman Sammy Amara kurz vor dem Broilers-Konzert in der Arena Wien

Ist es erfolgsversprechender trübere Dinge zu schreiben?

Sammy: Ich glaube, dass „happy go lucky“ einfacher ist. Dunklere, pathetische Inhalte machen mir Spaß. Ich mag Moll-Akkorde lieber als Dur-Akkorde. Das ist der persönliche Geschmack, es soll keine Trauerweide sein, aber es ist eine Facette, die dazugehört. Zum Leben und zur Band.

Was kommt heraus, wenn du gut drauf bist?

Sammy: Da geht nichts. Da geh ich nämlich raus, saufen und feiern. Da möchte ich nicht zu Hause auf meiner Gitarre klimpern. Ich lege gute Musik auf und tanze durch die Wohnung , geh duschen und dann raus und treffe meine Freunde.

Du bist auch der Schreiberling. Ist das nicht mit enormen Druck verbunden als Bandmitglied den Content liefern zu müssen?

Sammy: Das ist teilweise Druck, aber ich kann damit nicht mehr aufhören. Ich habe mich damit selbst hineinkatapultiert. Und ich glaube, dass ich mich nicht wohl fühlen würde, wenn es anders wäre. Wir machen das seit 20 Jahren. Wir können nicht mehr loslassen, vor allem ich nicht.

Eine Erfolgssucht?

Sammy: Eine Sucht, ja. Aber keine Erfolgssucht. Eher Kontrollzwang. Ich glaube, ich brauche auch den Stress als Motivator.

Ihr klingt sehr nach Toten Hosen. Was unterscheidet euch?

Sammy: Oberflächlich betrachtet sind da viele Parallelen, aber wenn man genauer hinsieht sind hier viele Ska,-Off-Beat-Geschichten. Außerdem haben die Hosen auch nicht so poppige Nummern gemacht wie wir. Wir haben eben eine Vergangenheit als linke Skin Heads und Die Toten Hosen waren immer Punks. Wir haben auch als Punks angefangen und sind irgendwann mit dem Rasierer losgegangen. Wenn wir uns treffen, trinken wir gemeinsam ein Bierchen und sprechen über Bands wie The Clash. Die lieben wir alle. Die Einflüsse sind sehr ähnlich.

Ihr seid in die Charts Riege geklettert. Wie fühlt es sich an neben Helene Fischer und Pharrell Williams?

Sammy: Helene Fischer habe ich nur von außen beobachtet, ich versteh’s nicht ganz. Ich gönn ihr das, allerdings weiß ich nicht, was sie für ein Mensch ist. Ich denke, dass ich sie als attraktiv abgestempelt habe. Peter Maffay ist jedoch auch in den Charts. Der ist ja auch ein Hübscher.

Mit wem würdet ihr eher einen Song gemeinsam singen? Pharrell oder Helene?

Sammy: Muss ich einen von den zweien nehmen? Kann ich nicht Peter Maffay nehmen?

Ausnahmsweise.

Sammy: Dann nehm ich den Peter.

Auf eurem Cover ist eine Hand mit Messer zu sehen. Was sagt das über eure Musik aus?

broilers-noir

Umbringen möchte Sammy am Cover zu “Noir” niemanden. Sondern? “Leberwurst schneiden”. Ein Buttermesser hätte es vielleicht auch getan.

Sammy: Ich habe das Cover selbst designed: Das ist auch meine Hand mit meinem Messer. Wir wollten einfach ein sehr starkes Cover haben, das auch verstörend ist. Die Geschichte soll sich jeder selber ausdenken. Ähnlich wie bei den Texten, die eine gewisse Offenheit haben. Es soll eine Düsterkeit haben und es graphisch ansprechend sein. Covers sollen auch als Filmposter funktionieren können. Es geht auch hauptsächlich um den eigenen Geschmack.

Was ist als Graphiker wichtig beim Gestalten?

Sammy: Ich habe das Vergnügen, dass wenn ich von selber gestalte, ich auf keinen Kunden hören muss. Ich bin mein eigener Kunde. Deswegen kann ich genau das machen, was ich als Designer gut finde. Sei es mit bestimmten Farben zu arbeiten oder bestimmten Typographien. Kontraste sind sehr wichtig: im Leben, in der Musik, im Design. Lauwarm oder grau ist langweilig. Lieber klar und kantig. Ja oder nein.

Warum ist das Cover Artwork für dich wichtig?

Sammy: Als ich noch ein Kind war, circa 12, habe ich auch die CD gekauft, weil ich das Cover so geil fand. Mir ist das Cover sehr wichtig, weil ich Musik ganzheitlich konsumiere. Ich liebe es, die CD/ die Platte auszupacken, das Papier zu riechen, im Booklet zu blättern. Das ist ein bisschen schade, viele junge Menschen haben dieses Bedürfnis nicht mehr.

Auf eurem Cover: Wen wollt ihr umbringen?

Sammy: Ich glaube, ich wollte da lieber etwas schneiden.

Was denn?

Sammy: Leberwurst. (lacht). Nein: etwas festnageln, auf den Punkt bringen (ballt Hand zur Faust und zieht sie mit einer schnellen Bewegung nach unten).

Wo liegt mehr deine Leidenschaft: im Künstlerisch-Gestalterischen oder in der Musik?

Sammy: Wenn ich mich entscheiden müsste, ist es die Musik. Die war früher da. Zum Designen bin ich nur gekommen, weil keiner da war, der das Cover machen wollte. Musik fällt mir leichter als Graphik-Design. Wenn ich etwas mache, dann möchte ich das mit 100 prozentiger Leidenschaft machen, deswegen möchte ich mich auf eine Sache beschränken.

Tickets bei oeticket.com

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!