Schwarzes Gold

Klanglich bekommt man aus kaum einem anderen Medium so Hochwertiges heraus wie aus dem guten alten Tonträger Vinyl. Die Rille liegt wieder voll im Trend.

Wir befinden uns im Jahr 2015, der technologische Fortschritt ist mit Siebenmeilenstiefeln unterwegs. Das zieht sich durch sämtliche Bereiche des Lebens, vom intelligenten Wohnen über selbstparkende Autos und hat selbstverständlich auch nicht vor der Musikindustrie haltgemacht. Nicht erst seit gestern hört man Musik in Form von nicht antastbaren, virtuellen aus Bits, Bytes und weiß der Teufel was noch zusammengestellten Files. Ist ja auch praktisch, Musik aus der Buchse, vulgo Smartphone. Es würde ja wirklich seltsam aussehen, wenn man seinen Plattenspieler tagtäglich im Rucksack herumtragen würde. Fernab von der Unterhaltung für unterwegs gibt es dann natürlich auch noch das Soundvergnügen in den eigenen vier Wänden, in Clubs, in Lokalen. Und da sollte Qualität dann doch vorgehen.

High End
Experten und Vinyl-Aficionados sind sich einig: Analog ist wieder in, Vinyl ist am aufstrebenden Ast. Natürlich kann man die Absatzzahlen nicht mit denen aus den Siebzigern vergleichen, aber während die CD immer mehr Käufer verliert, kann Vinyl in den letzten zehn Jahren mit einem unglaublichen Aufschwung – einige Hundert Prozent – punkten. Heinz Lichtenegger, Geschäftsführer von Pro-Ject Audio Systems, die unter anderem auf die Herstellung von Plattenspielern und Turntables spezialisiert sind, fasst zusammen: „Der Grund, warum ich mein Unternehmen gegründet habe und immer schon der Meinung war, dass es bei Vinyl wieder einen Aufwärtstrend geben wird, ist unter anderem, dass Plattenspieler das preisgünstigste Hi-Fi-/High-End-Gerät sind. CDs haben schon fürchterlich geklungen. Man konnte von einem CD Player um 20.000 Schilling niemals den Klang eines Plattenspielers um beispielsweise 3.000 Schilling erreichen. Eine Platte beinhaltet auch so viel mehr als ein Musikfile. Das trifft alle Sinne! Da spielt neben der Akustik auch die Optik eine wichtige Rolle, wenn man an die wunderschönen Artcovers wie Pink Floyds „The Dark Side Of The Moon“ oder an die Banane von Andy Warhol bei The Velvet Underground denkt. Das ist ist schon Kult! Vinyl ist außerdem nahezu unzerstörbar, so es nicht großer Hitze ausgesetzt wird. Wenn Platten ein bisschen verbogen sind, kann man sie noch immer abspielen und auch ein kleiner Kratzer macht sie nicht unspielbar.“ Lichteneggers Unternehmen besteht seit 1990 und ein wellenartiger Aufwärtstrend ist seit damals immer gegeben.

VINYL-REGAL Nicht nur Audiohersteller und Musikliebhaber hat die Vinyl-Sucht erwischt. Auch andere Unternehmen steigen auf den Zug auf: Die HolzFürst GmbH, ein Wiener Holzhersteller, hat seit Neuestem auch stabile Plattenregale im Angebot. Diese sorgen einerseits für eine optimale Aufbewahrung der Lieblingsmusik und bieten noch dazu einen optischen Wohnzimmer-Aufputz.

VINYL-REGAL Nicht nur Audiohersteller und Musikliebhaber hat die Vinyl-Sucht erwischt. Auch andere Unternehmen steigen auf den Zug auf: Die HolzFürst GmbH, ein Wiener Holzhersteller, hat seit Neuestem auch stabile Plattenregale im Angebot.

Das Liebkind Platte
Walter Gröbchen, Geschäftsführer des Labels monkey. und Mitgründer der Plattform www.playvinyl.at beschreibt die Faszination Vinyl folgendermaßen: „Anno 2015 heißt das immer öfter auch: Wir lieben Vinyl! Denn in keinem Tonträger steckt mehr Musik als in der guten alten Schallplatte. Man muss kein Hi-Fi-Fetischist sein, um den warmen, runden, einnehmenden Klang der schwarzen Scheibe besonders wertzuschätzen. Und es soll sogar Musikproduzenten geben, die dem sterilen Klang der Digitalsphäre ein vertrautes Knistern beimischen – der Mensch ist letztlich ein analoges Wesen. Insofern ist das Comeback von Vinyl ein erfreulicher Trend: das Marktvolumen liegt in Österreich bereits bei 3,5 Millionen Euro Gesamtumsatz. Im Vergleich mit CDs, Download und Streaming ist dies zwar immer noch eine enge Nische – aber sie wächst Jahr für Jahr um durchschnittlich 25 Prozent. Vor allem DJs, Sammler und audiophile Feinspitze greifen gern zur Schallplatte (egal ob LP oder Single), doch auch für jüngere Käufer/innen ist sie wieder zum Objekt der Begierde geworden.“

 

 

 

Material
Abgesehen von Klangqualität und einigen anderen Vorteilen für den Musikliebhaber, gibt es auch einen Nachteil bei der Schallplatte: Das Material. So bestehen die schwarzen Scheiben aus Polyvinylchlorid, kurz PVC, und sind dadurch biologisch nicht abbaubar. Zur Herstellung von PVC wird Erdöl herangezogen, was wiederum ein Rohstoff ist, der wohl auch einmal versiegen wird. Bevor man nun aber anfängt, Vinyl als Tonträger zu verteufeln und Angst davor hat, dass die Benzinpreise ins unermessliche steigen und man – Gott bewahre – nicht mehr Auto fahren kann sollte man folgende Faktoren bedenken:

 

VinylFotolia

Sammlerobjekte
Im Gegensatz zu anderen Tonträgern wie CDs oder auch Kassetten, sind Schallplatten keine Wegwerfprodukte. Dadurch, dass sie – bei richtiger Behandlung, sprich: nicht in die pralle Sonne legen, nicht mit einem Messer darauf herumkratzen, immer wieder brav in die Hülle zurückgeben – nahezu unzerstörbar sind und vor allem auch das Artwork meistens ein optisch reizvolles ist, wurden die gerillten Scheiben relativ rasch zum Sammlerobjekt. Außerdem kann man bei manchen Raritäten im Laufe der Jahre eine beachtliche Steigerung des Wertes erkennen. Kaum ein Plattenbesitzer bringt es übers Herz, ebendiese einfach in die Tonne zu werfen. Sollte er sich von einem Album trennen wollen, landet dieses meistens auf dem Flohmarkt, auf Tauschbörsen oder bei anderen, befreundeten Liebhabern.

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Recycling
Die meisten Plattenhersteller sind dazu in der Lage, Platten, die sie nicht auf den Markt bringen zu schrotten und daraus neue Alben herzustellen. Es gibt auch Firmen, die einen „Recycling-Bonus“ anbieten, sprich, wenn ein Künstler neue Platten pressen lassen will und alte zum Schreddern vorbeibringt, bekommt er einen Nachlass auf sein neu gepresstes Werk. Sollte Vinyl dann doch auf einer Mülldeponie landen, ist die Umweltbelastung auch nicht sehr hoch, da es sich im Gegensatz zu anderen Kunststoffen relativ leicht brechen und somit in Kleinstteilen entsorgen lässt.

Geplante Obsoleszenz
Immer wieder werden Stimmen laut, dass beispielsweise MP3-Files im Gegensatz zu haptischen Tonträgern keine Umweltschäden – im Sinne von Abfall – verursachen. Das ist für den File an sich korrekt, weil er ja nur digital vorhanden ist und sich das Wegwerfen auf einen Mausklick oder Fingertouch beschränkt. Was hier oftmals vergessen wird, sind die Geräte, auf denen digitale Musik abgespielt wird. Die Lebensdauer von MP3-Playern und Konsorten ist oftmals nicht sehr lang. Immer wieder werden Hersteller solcher Gadgets mit dem Vorwurf der geplanten Obsoleszenz, sprich einer absichtlichen Verringerung der Lebensdauer des Gerätes, konfrontiert. Recherchiert man in diesem Zusammenhang allerdings nach Plattenspielern, so sind diese kaum davon betroffen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Liebhaber wohl immer auf Vinyl-Jagd sein werden, durch den Aufwärtstrend aber auch immer mehr junge Leute angesprochen werden, die die „erste Generation“ Vinyl gar nicht miterlebt haben. Die Platte ist Kult, hat eine retroeske, angenehme Aura um sich und kaum jemand, vom Elektro- bis zum Rock-Umfeld kann ihr etwas Böses nachsagen. Also, ein Musikliebkind quasi, dem man im Prinzip nur Gutes wünscht. Zusätzlich dazu, trägt Vinyl kaum zu unserer Wegwerfgesellschaft bei und schaut im Regal einfach besser aus als ein MP3-Player.

Liebhaber und Interessierte aufgepasst! Zwischen 24. und 26. April findet die Vienna Vinyl & Record Fair im MGC Wien St. Marx statt. Für gastronomische und musikalische Unterhaltung wird gesorgt!

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