Silvester in Wien

„The same procedure like every year, James“ verlangt die ältliche Dame Sophie von ihrem Butler in Dinner For One, und auch Urwiener Mundl schießt alljährlich am Jahresende nicht nur den Vogel, sondern auch das Nachbarhaus ab – wills dann aber nicht gewesen sein. Bräuche, um „ordentlich“ ins neue Jahr zu rutschen, gibt’s zuhauf – mit Feuer- und Böllerwerk sollen im animistischen Glauben „böse Geister“ vertrieben werden, knallende Sektkorken sorgen hoffentlich ausschließlich für eine blaue Gemütslage und nicht blaue Augen, wie auch das Bleigießen hoffentlich nicht das neue Jahr gleich mit kleineren Wehwehchen begehen lässt.

Der Jahreswechsel ist auch immer Anlass, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen – zum Beispiel mit Maschek. und Das war 2013 oder den Herren und Damen Scheitz, Fleischhacker, Lukas, Roubinek und Tartarotti mit ihrem Rückspiegel – oder schlichtweg mit einem Lachen im Gesicht von 2013 ins 2014 zu rutschen. Hierfür bestens geeignet sind zahlreiche Silvester-Programme wie von Christoph Wagner-Trenkwitz (Der Silvester-Schwan), den Science Busters, Mike Supancic (Silvester Auslese) oder den Kernölamazonen mit ihrem Silvester-Special. Alljährlich gibt’s aber insbesondere auch in der Hauptstadt rund um den Jahreswechsel ein munteres Treiben im Wiener Konzerthaus und im Akademietheater, betitelt mit Silvester ’13 in Wien.

Dieses Jahr werden rund um den Jahreswechsel erneut wieder die Säle des Wiener Konzerthauses belagert, wie auch das nebanliegende Akademietheater. Die Ehre geben sich dieses Jahr:

  • Andreas Vitásek mit Sekundenschlaf zwischen 28. und 31. Dezember im Mozart-Saal das Wiener Konzerthauses
  • Bernhard Ludwig mit Die Zukunft von Herz, Diät & Sex zwischen 27. und 31. Dezember im Berio-Saal des Wiener Konzerthauses
  • Heinz Marecek mit Das ist ein Theater am 27., 29. und 31. Dezember im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses
  • Gernot Kulis mit Kulisionen am 28., 29. und 31. Dezember im Berio-Saal des Wiener Konzerthauses
  • Stermann & Grissemann mit ihrer Loriot-Lesung am 31. Dezember im Wiener Akademietheater

Unsere Frage an die Herren: Bevor wir das Jahr gemeinsam ausklingen lassen, was ist ihnen von 2013 noch mehr als prägend in Erinnerung geblieben? Andreas Vitásek hält sich an das Sprichwort, man solle das Jahr nicht vor dem Silvester loben und bittet, dass wir ihn erst am 1. Jänner fragen – “aber bitte nicht zu früh”. Gernot Kulis war angetan von den Bewegungen in Italien – nicht von Berlusconis rhytmischen Auf- und Abbewegungen, sondern von der Papstwahl im Vatikan:

Alle haben gebannt auf den Balkon des Peterdoms gestarrt und dann kam das zu Erwartende: Ja, es ist ein Bub.

Dirk Stermann dachte wohl an Loriot, der Pflaumenkuchen “lecker” findet, wenn er sein persönliches Zwanzigdreizehn Revue passieren lässt:

2013 habe ich zum ersten mal selber Zwetschengenmarmelade gemacht. Meine eigenen Zwetschgen habe ich dafür verwendet. Meine Marmelade ist großartig geworden, sicher die beste Zwetschgenmarmelade des Jahres. Am liebsten würde ich nur mehr Zwetschgenmarmelade machen. Leider hab ich nur einen kleinen Zwetschgenbaum. Deshalb konnte ich leider nur ein Glas Zwetschgenmarmelade herstellen. Aber was für eins! 2013 ist mein Zwetschgenmarmeladenjahr.

Nur blöd, dass Zwetschgen nicht wirklich für den Kater nach einem “gelungenen” Silvester-Absturz helfen. Bernhard Ludwigs Rezept für den “schlimmen Morgen danach” ist schlichtweg, “Spazieren gehen bis man wieder Durst bekommt”. Gernot Kulis lässt den schlimmen Morgen einfach aus, und steht erst nachmittags auf. Auch eine Lösung. Während Andreas Vitásek immer einen Rollmops in der Manteltasche hat (dieser Geruch!), erträgt der geeichte Dirk Stermann die Nachwehen stoisch. Hut ab!

Blicken wir aber nochmal auf 2013 zurück: Was war denn das persönliche Live-Ereignis des Jahres – abgesehen davon, dass wieder ein Mann Papst wurde und Zwetschgen einfach saugut sind? Der uns liebste deutsche Migrant meint:

Ich war in Graz bei der Wahlkampfveranstaltung von Frank Stronach in der List Halle. Ein verwirrter Milliardär und ein Haufen gekaufter Mandatare und Musiker. Wie ein Bordell der Demokratier. Im Publikum Tellerwäscher, die auch gern Milliardäre wären. Der Milliardär erzählte prollige Witze und sagte zwei Stunden nichts Interessantes. Dann gabs Wurst.

Die Wurst war Vitásek anscheinend “wurst”, denn für ihn verbleicht selbst Stronachs Performance allmählich. Gernot Kulis jedoch war über die Maßen von The Wall im Wiener Ernst-Happel-Stadion angetan:

Musste ich einmal sehen, habe ich gesehen und bin froh darüber.

Bernhard Ludwig hingegen bleibt bei seinen Leisten und freut sich über den Bestsellen-Listen-Erfolg für sein Buch Die morgen darf ich essen was ich will Diät und über den gigantischen Zuspruch auf sein 10in2-Konzept. Von wegen Diät und “dürfen, was man will”: Wie sieht es eigentlich mit den Neujahrsvorsätzen des letzten Silvesters aus? Wurden die eingehalten oder nicht? Und: Gibt es neue? Vitásek bleibt pragmatisch:

Altersmäßig zulegen und gewichtsmäßig abnehmen. Das zweite ist noch aus dem Vorjahr übrig geblieben.

Kulis hingegen will sich das Rauchen angewöhnen. Löblich. Vielleicht kann ich ihm ein paar Nachhilfestunden verkaufen. Am besten ab Silvester, da lassen wir es ordentlich krachen und rauchen eine nach der anderen. Was ist das exzessivste Silvester, was die Herren bisher erlebt haben? Vitásek hatte wohl Mundl als Vorbild:

Ich habe einmal auf einem zugefrorenen Teich Raketen abgefeuert. Die Abschussrampe ist auf dem Eis weggerutscht und in Folge wurden alle angrenzenden Nachbarhäuser beschossen. Seitdem lasse ich die Finger von Knallkörpern.

Stermann hat sogar den Vogel abgeschossen – feierte er nämlich mit quasi-gesuchten Verbrechern:

1983 feierte ich bei Freunden in Düsseldorf. Wir waren 18 und meine Freunde hatten am Morgen so getan, als überfielen sie eine Bank. Sie hielten mit quietschenden Reifen vor einer Bank, sprangen maskiert raus, liefen bis zum Bankeingang und dann wieder zurück, sprangen ins Auto und fuhren mit quietschenden Reifen wieder weg. Passanten hatten sich das Kennzeichen notiert, meine Freunde wurden festgenommen, und rechtzeitig zur Silvesterparty wieder freigelassen. Das Haus, in dem die Party stattfand, wurde trotzdem die ganze Nacht über von Polizisten beobachtet. Am 1. Januar stand in der Bildzeitung: “Terroristen feiern Silvester im Haus von Königin Silvia”, denn die schwedische Königin Silvia hatte in ihrer Jugend in diesem Haus gewohnt.

Am besten hat es aber wohl Bernhard Ludwig getroffen, denn frei nach dem Motto “Wer sich an die Siebziger erinnern kann, hat sie nicht richtig verbracht” kann er sich an seine exzessivsten Silvester schlichtweg nicht mehr erinnern – oder traut uns von der Presse schlichtweg nicht. Wir drucken halt auch einfach alles ab.

Würden die Herren nicht einzelne Auftritte zu Silvester spielen, sondern alle Kabarettisten vereint Dinner For One – wie es auch von Otto Waalkes und Ralf Schmitz gekonnt parodiert wurde, wie würde dann die Rollenverteilung aussehen? Stermann politisiert:

Ursula Stenzl und Michael Häupl als Idealbesetzung für Miss Sophie und ihren Butler.

Andreas Vitásek bleibt im Genre der Kleinkunst und wünscht sich:

Meine Traumbesetzung für den Butler wäre natürlich ich selber. Für das Tigerfell hätte ich gerne Michael Niavarani. Und Miss Sophie sollte zumindest leicht zu tragen sein.

In dem Sinne wünschen wir Ihnen schon jetzt einen guten Rutsch, auch den Herrn Kabarettisten. Gernot Kulis wünschen wir insbesondere mehr Glück als zum letzten Jahreswechsel, denn:

Letztes Jahr habe ich nach den zwei Vorstellungen im Wiener Konzerthaus kein Taxi erwischt und bin in der falschen Straßenbahn auch noch eingeschlafen.

Das haben wir schon alle erlebt. Wie gut, dass jede Linie irgendwo eine Endstation hat. Auch zum Jahreswechsel.

 

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