Skunk Anansie: Album zur Skin-Hochzeit

Wenige Tage nach der Hochzeit der charismatischen Frontfrau Skin erscheint mit Black Traffic das neue Studio-Album der britischen Stars, danach geht’s auf große Tournee. Mit den aktuellen Songs zeigt sich das Quartett gewohnt sozialkritisch. TICKET telefonierte mit Gitarrist Ace, der trotz langer Hochzeitsparty erstaunlich fit war.

TICKET: Neun Uhr morgens – ist das keine ungewöhnliche Zeit für einen Rock-Star?

Ace: Ja, das ist es (lacht). Vor allem da ich wegen Skins Party das ganze Wochenende wach und unterwegs war. Allerdings stehe ich immer zeitig auf, wenn es meine Verpflichtungen erfordern.

TICKET: Der Titel des neuen Albums – Black Traffic – macht stutzig, denn es gibt keinen gleichnamigen Song dazu.

Ace: Skin kam mit dem Titel an. Er ist ein Fingerzeig darauf, dass in der Welt vieles im Verborgenen vorgeht, von dem wir keine Ahnung haben. Egal, ob das die Politiker sind, die unsere Welt beherrschen oder andere Mächtige. Es geht um den verborgenen Informationsfluss. Was wir sehen, ist nicht unbedingt die Wahrheit.

TICKET: Das gesamte Album ist voll mit politischen Texten. War das der Anspruch?

Ace: Das gilt eigentlich für alle Skunk-Alben, sie sind ein wenig kryptisch, wenn es um die Texte geht. Man kann sie einerseits als politische Message verstehen, andererseits auf zwischenmenschliche Beziehungen umlegen. In unseren Songs geht es um das, was uns bewegt, und um die Welt um uns herum.

TICKET: Ist die Single I Believed In You ein perfektes Beispiel, dass man eure Titel unterschiedlich interpretieren kann?

Ace: Auf jeden Fall! Das Statement ist doch viel stärker als nur zu sagen: „Hey, was du tust ist falsch!“ Es ist ein viel persönlicher Angriff auf unsere Politiker und die Regierungen die alle antreten, um die Welt zum Besseren zu verändern. Am Ende bewirken sie doch nichts. Aber der Titel könnte auch ein Love-Song sein, du hast vollkommen Recht. Bei I Believed In You meinte Skin aber wohl Tony Blair, Obama, die Typen in unserer Labour Party. Es könnte jeder von denen sein. Sie versprechen viel, und sobald sie an der Macht sind, halten sie nichts davon.

TICKET: Es scheint als ob die ganze Welt den Bach runter geht …

Ace: Irgendwie schon, denn Geld diktiert wegen der Finanzkrise derzeit alles. Es haben eher jene das Sagen, die Kredite vergeben, als die gewählten Regierungen und die Menschen. Bei This Is Not A Game geht es um die Bankenkrise, die Typen tippen ihre Zahlen mit den vielen Nullen ein, ändern je nach Belieben die Zinsen. Aber das ist kein Spiel, da geht es um die realen Leben von sehr vielen Menschen. Wenn man jemandem sein Haus wegnimmt, nimmt man ihm oft das ganze Leben. Das ist kein Spiel, das hat Auswirkungen.

TICKET: Welchen Einfluss hatte Producer Chris Sheldon (u. a. Foo Fighters) auf den Sound des Albums?

Ace: Wir haben es wie schon beim vorigen Album koproduziert, er war auch der Toningenieur. Durch die Zusammenarbeit in der Vergangenheit waren wir bereits ein eingespieltes Team und haben die langen Stunden im Studio gut überstanden. Er hat auch ständig eigene Ideen eingebracht. Er war die absolut richtige Wahl!

TICKET: Black Traffic ist der erste Longplayer, der auf eurem eigenen Label erscheint. Macht das denn einen so großen Unterschied?

Ace: In einer gewissen Art schon, denn man kann machen, egal was und wann man möchte. Es gab keinen Druck, keine Vorstellungen wie das Album zu klingen hat. Wir haben uns selbst um das Artwork gekümmert, in letzter Minute noch einiges geändert, das Team ausgewählt.

TICKET: Du hast das Artwork angesprochen. Hattet ihr da fixe Ideen?

Ace: Es hat Stuart Weston gemacht, der ein sehr guter Fotograf und Maler ist, und ein Freund von Cass. Wir mögen seine Arbeiten und haben ihm eigentlich völlig freie Hand gelassen. Er legte etliche Ideen vor und wir haben gemeinsam die Auswahl getroffen, welche Elemente am besten zur Band passen.

TICKET: Weston meinte, dass Skunk Anansie für ihn Schmerz, Ärger, Schönheit und Freude bedeutet. Was meinst du zu der Definition?

Ace: Das kann ich vollkommen unterschreiben, denn das beschreibt doch die Persönlichkeit eines jeden Menschen. Wir sind ganz normale Menschen und beschreiben in den Liedern unsere Gefühle. Das macht uns vielleicht auch so erfolgreich, denn wir phantasieren nicht herum. Wir nehmen Themen, die jeden betreffen.

TICKET: Was hat sich eigentlich durch die Bandpause zwischen 2001 und 2009 verändert?

Ace: Wir sind vor allem acht Jahre älter geworden, wir gehen miteinander vorsichtiger und respektvoller um. Wir kümmern uns mehr um einander. Mit dem Älterwerden überlegt man sich die Konsequenzen des eigenen Handelns auf andere, bevor man etwas tut. Natürlich hatten wir auch genug Zeit, andere Projekte zu realisieren und haben dabei sehr viel gelernt. Songs zu produzieren, bessere Titel zu schreiben, Sounds aufzunehmen. Da haben wir uns extrem verbessert. Die Pause war eine großartige Idee.

TICKET: Was dürfen sich Fans von den anstehenden Konzerten erwarten?

Ace: Die Show, das sind wir, wir geben 100 Prozent Energie und Leidenschaft. Skin lässt sich gerade einige neuen Outfits anfertigen, das wird ein aufregender und crazy Look. Wir arbeiten mit einem phantastischen Lichtdesigner, also wird es eine tolle Lightshow geben. Das Black Traffic-Album sollte live großartig klingen. Wir werden sehr laut sein (lacht)!

Interview: Alexander Haide
 

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