Slash bereut nichts!

Mit Ozzy Osbourne gastierte er in Wien, mit Myles Kennedy (Alter Bridge) nahm er sein aktuelles Album Apocalyptic Love auf, und seit den wilden Guns N‘ Roses-Tagen ist er sowieso eine Legende. TICKET traf den Saiten-Superstar zum intimen Plausch.

TICKET: Wie läuft die Tournee mit Ozzy?

Slash: Großartig, die Wien-Show war erst mein siebentes Konzert mit ihm, und es ist sehr easy. Ich spiele ja nur drei Songs, denn seine ganze Show ist komplett durchgeplant. Es macht großen Spaß, nur ist mein Part ein bisschen zu kurz.

TICKET: Wie wichtig ist es für dich als Künstler, mit den unterschiedlichsten Kollegen zu arbeiten?

Slash: Das ist keine geplante Entscheidung, das ergibt sich einfach. Das ist seit Jahren so. Ich mag diese unterschiedlichen Erfahrungen, das bereichert mein Leben als Künstler. Es macht mich noch professioneller, denn meistens passiert alles ganz spontan und ich muss mich auf die unterschiedlichsten Situationen rasch einstellen. Und natürlich mag ich die Künstler, mit denen ich zusammen arbeite – das ist der wichtigste Aspekt. Es müssen Musiker sein, die ich bewundere und respektiere.

TICKET: Das hält dich frisch?

Slash: Es verhindert, dass ich in meiner eigenen Seifenblase lebe, es macht mein Leben mehrdimensional.

TICKET: Bist du mit deinem aktuellen Album Apocalyptic Love genauso zufrieden wie Myles Kennedy, mit dem wir vor kurzem telefoniert haben?

Slash: Ich bin damit echt glücklich! Die Aufnahmen waren toll. Ich wollte ein Album mit Menschen machen, die meinen musikalischen Background kennen und ich wollte spielen, was und wie ich will. Myles und ich haben uns auf Anhieb verstanden und es hat Klick gemacht. Ich musste keine Kompromisse eingehen, nichts von meinen Ideen opfern. Das war ein sehr befreiendes Gefühl. Um ehrlich zu sein, ich habe mir das fertige Album seit den Aufnahmen nicht einmal angehört, obwohl wir Songs davon seit einiger Zeit live spielen. Wir haben sieben neue Titel in der Setlist und die funktionieren sehr gut.

TICKET: Du nimmst mit analogen Tonbandmaschinen auf. Ist das die Nostalgie der prä-digitalen Zeit?

Slash: Nein, ich habe das auch auf meinem vorigen Album so gemacht, nur Velvet Revolver wurde digital aufgenommen. Ich mag das ganze Herumspielen mit Protools und das Herumschieben der Tracks nicht. Das nimmt der Musik das Herz und die Seele, und ich habe mit den Songs am Ende nicht mehr viel zu tun. Das mag ich nicht. Apocalyptic Love ist das erste Album, bei dem ich meine Gitarren gemeinsam mit dem Rest der Band eingespielt habe. Das macht für mich einen riesigen Unterschied, wie sie klingen, wie ich spiele.

TICKET: Myles meinte, du hast das absolute Gespür für Rock ‘n‘ Roll …

Slash: Ich bin garantiert ein Fan von dem, wofür Rock ‘n‘ Roll seht, da fühle ich mich wohl. Ich bringe diese Kanten mit, das Rohe, das Spontane. Ich kann mit Ray Charles spielen und trage trotzdem dieses spezielle Rock-Element dazu bei.

TICKET: Gibt’s weitere Tourpläne mit diesem Album?

Slash: Wir sind mit dem ersten Teil der Europatour fertig, davor waren wir ein Monat lang in den USA auf Promotion-Tour. Jetzt kommt Kanada dran, danach Australien, noch einmal die USA, Europa und Südamerika. Im nächsten Februar sind wir in Asien und hoffentlich wieder in Europa unterwegs.

TICKET: Du bist für lange Zeit verplant?

Slash: Wenn man ein Album gemacht hat und es sein Publikum gefunden hat, dann möchte man das auch so oft wie möglich live spielen!

TICKET: Myles lebt auf dem Land, du in der Großstadt. Dafür gib es bestimmt gute Gründe?

Slash: Ja, ich bin ein absoluter Workaholic. Ich muss ständig etwas tun, brauche Stimulation, Action.

TICKET: Was macht für dich den Unterschied aus, solo zu spielen oder in einer Band?

Slash: Ich hab‘ beides ausprobiert, aber ich habe gerne die Kontrolle über alles und bin der Kapitän meinen Schiffes. In diesen demokratischen Bands dauern die Entscheidungen einfach zu lange. Ich bevorzuge es eigentlich alleine zu arbeiten. Derzeit ist das aber anders, denn die Musiker, mit denen ich spiele, sind genauso wie ich. Sie wollen spielen, gute Songs schreiben, aufnehmen. Das ganze Gepäck, das du in einer Superstar-Rockband mit dir herum schleppst, gibt es bei uns nicht.

TICKET: Naja, Slash selbst ist ja schon ein Superstar…

Slash: (verlegen) Das würde ich nicht behaupten.

TICKET: Du wirst als einer der besten Gitarristen der Welt bezeichnet. Setzt dich das unter Druck?

Slash: Dabei fühle ich mich gar nicht wohl. Sicher ist es schmeichelnd und ich fühle mich verpflichtet, als Musiker noch besser zu werden. Ich bin überzeugt, ich habe noch lange nicht das Niveau anderer Gitarristen erreicht die ich kenne. Ein Gitarren-Hero zu sein ist manchmal ziemlich unangenehm.

TICKET: Ich traf gestern Joe Bonamassa …

Slash: Er ist ein fantastischer Gitarrist! Siehst du, seine Fähigkeiten sind atemberaubend. Aber es gibt so viele tolle Musiker!

TICKET: Gibt es so etwas wie einen besten Song oder einen Lieblingstitel?

Slash: Eigentlich nicht. Das hat damit zu tun, dass ich Sachen aufnehme und dann meinen Weg weitergehe. Also vergleiche ich nie meine neuen Songs mit Arbeit aus der Vergangenheit. Ich versuche immer, besser zu werden und nicht darüber nachzudenken, was mein bestes Riff ist oder welches Solo am besten war oder welcher Song am großartigsten sein könnte. Whatever. Ich versuche in jedem Moment mein Bestes zu geben. Ich habe schon zuvor gesagt, dass ich mir das aktuelle Album nicht einmal angehört habe. Es ist fertig, jetzt ist es Zeit für Neues.

TICKET: Denkst du manchmal darüber nach, was wäre wenn sich Guns N‘ Roses nie getrennt hätten?

Slash: Ich bin kein „What if…“-Typ.

TICKET: Was macht deinen Stil so unvergleichlich? Übst du viel?

Slash: Ich spiele sehr hart, mir reißen ständig die Saiten. Ich spiele mit viel physischem Einsatz, aber auch mit mentalem Gefühl. Das ist eigentlich alles. Was herauskommt, ergibt sich einfach so. Vermutlich ist es für andere Menschen einfacher, mich und meine Arbeit zu beurteilen – wenn ich überhaupt unvergleichbar bin.

TICKET: Wir trafen uns zum ersten Mal vor knapp zwanzig Jahren, als ihr auf der Donauinsel gespielt habt und Bono von U2 für einen Song auf die Bühne kam …

Slash: Oh, yeah, man!

TICKET: Du hast schwierige Zeiten hinter dir, das gesamte Rock-Klischee gelebt. War das nötig, um dort anzukommen, wo du heute bist?

Slash: Ich habe keine Probleme mit meinen wilden Tagen. Ich denke mir manchmal, dass mir die Partys heute überhaupt nicht abgehen und was passiert wäre, wenn ich alles ein bisschen weniger extrem angegangen wäre. Aber – ich bedauere überhaupt nichts (lacht)!

TICKET: Du hast auch eine riesige Gitarrensammlung. Gibt es ein Lieblingsstück?

Slash: Die, mit der ich das meiste aufnehme ist meine Go Two Favorite, deshalb ist sie das wichtigste Stück. Dann kommt es ganz darauf an, welche gerade meine aktuelle Tour-Gitarre ist. Das ändert sich. Mit dieser Gitarre habe ich für eine Tournee lang eine ganz spezielle Beziehung, dann stelle ich sie meistens wieder weg. Daher habe ich über die Jahre eine ganz nette Sammlung an Tourning-Guitars, die für mich eine gewisse Bedeutung haben. Der Rest ist einfach eine Sammelleidenschaft, manche benutze ich ab und zu. Wie die alte Flying V, alte Strats – das sind aber eben eher Sammlerstücke.

TICKET: Benutzt du noch den Marshall-Verstärker aus den 1960er Jahren?

Slash: Nein, den habe ich schon lange nicht mehr gesehen, ich verwende meistens neue Geräte. Ich habe ein paar JCM 800, die aus den 80er Jahren stammen, die verwende ich im Studio. Mit dem Verstärker aus den 60er Jahren habe ich damals Appetite For Destruction aufgenommen, aber der hat mir nicht einmal gehört. Den habe ich mir damals nur ausgeliehen.

TICKET: Du hast auch für den Disney Channel Musik geschrieben. Wegen deiner Kinder?

Slash: Eigentlich nicht direkt. Es war für eine Zeichentrickserie Phineas und Ferb, und ich liebe diese Serien, Sponge Bob, Family Guy. Die Disney-Leute riefen mich an und fragten, ob ich nicht etwas für sie scheiben will. Ich traf die Macher der Serie, was wirklich cool war. Also habe ich einen Rock ‘n‘ Roll-Song geschrieben, der dann in der Serie verwendet wurde. Als das meine Kinder sahen, waren sie wirklich beeindruckt.

TICKET: Wie sehr haben dich deine Kinder verändert?

Slash: Meine Kinder haben einen riesigen Einfluss auf mich, sie habe meine Sichtweise auf so vieles vergrößert und meinen Horizont als Mensch erweitert.

Interview: Alexander Haide

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