Smart Export

Sie ist der vermutlich erfolgreichste Exportartikel aus Österreich: die Musik. Und einige frische heimische Acts beweisen, dass wir dabei keineswegs nur über Mozart, Philharmoniker und Sängerknaben reden …

Natürlich, Österreich war immer schon für seine Vielzahl an Komponisten und Liedermachern bekannt. Auch in der Popmusik konnte von den 70ern bis in die frühen 90er noch der Austropop weltweit punkten, nach der Reglementierung von heimischer Musik in der größten Radiostation des Landes tat sich aber nicht mehr sehr viel. Ein kurzes Aufploppen von Popmusik konnten noch Christina Stürmer und DJ Ötzi Anfang der Jahrtausendwende erreichen – das war es dann aber schon mit dem Musikexport. Seit einigen Jahren brodelt es allerdings in der Musikszene, es keimen querbeet durch alle Bereiche der Populärmusik immer wieder neue Bands auf beziehungsweise stehen schon in voller Blüte.
Interessant und schon oftmals diskutiert: Die Aufzucht des Gewächses fand meistens im Ausland statt und wurde dann als ausgewachsene Pflanze wieder mit dem Prädikat „aus Österreich“ zurückgeholt. Ob Parov Stelar, Ja, Panik!, Nazar oder Bilderbuch – sie alle wurden liebevoll von unseren deutschen Nachbarn aufgezogen, damit wir sie hier als heimische Gattung umjubeln können. Natürlich gibt es auch heimischen Dünger in Form des Radiosenders FM4 oder zahlreicher kleiner Veranstalter und einzelkämpferischer Labels und Musikexperten – aber dennoch: Die hiesige Aufzucht durch allumfassende, große „Turbodünger“ lässt zu wünschen übrig. Es hat ja auch wirklich viel Arbeit gebraucht, um heimischen Musikern den Garaus zu machen, respektive ihnen mediale Plattformen zu stehlen, auf denen sie der breiten Masse ihre Werke präsentieren konnten. Die logische Konsequenz daraus: Es hat nun auch wieder Jahre gedauert, bis man sich nicht mehr für die „schlechte Musik aus Österreich“ genieren musste. Und hier muss man ganz klar Danke sagen, Danke an Deutschland, das Musikern Asyl gewährte und Danke an all die lästigen Menschen, die nicht aufhörten, sich für die heimische Szene einzusetzen und so lange keine Ruhe geben werden, bis zumindest die musikalische Weltherrschaft wieder eine rot-weiß-rote ist. Einer dieser „lästigen“ Menschen ist Filip Potocki, dem es schon seit Jahren ein Anliegen ist, Künstler aus hiesigen Gefilden zu unterstützen und mit ihnen durch die Decke zu gehen. Nun trat auch er, gemeinsam mit seinen Kollegen der Arcadia Agency, den Weg nach Deutschland an und sie gründeten mit Chimperator Live, Four Artists, KKT und FKP Scorpio das deutsch-österreichische Veranstalter-Joint-Venture Arcadia Live. Aber lest selbst, was er zur Gründung, zu seinen Plänen und zur Unterstützung von heimischen Musikern zu sagen hat:

Filip Potocki Ist Geschäftsführer von Arcadia Live. Er ist seit fast 15 Jahren im Musikbusiness tätig, unter anderem als Mitbegründer von Teamrider Booking und Arcadia Agency.

Filip Potocki ist Geschäftsführer von Arcadia Live. Er ist seit fast 15 Jahren im Musikbusiness tätig, unter anderem als Mitbegründer von Teamrider Booking und Arcadia Agency.

Wie ist es dazu gekommen, dass ihr mit Arcadia Live eine neue, große Veranstalter-Plattform gründet?

Natürlich spielt hier die Zusammenarbeit mit Chimperator und Cro eine große Rolle. Im Zuge dessen auch die Entwicklung des Künstlers, die parallel zu unserer angesehen werden kann. Wir sind damit auch gewachsen. Über Chimperator und Stuttgart ist es in Richtung Hip-Hop-Open gegangen. Da ist dann auch Four Artists mit ins Spiel gekommen und somit dann auch andere Kollegen.

Was macht denn den Reiz aus, als Veranstalter tätig zu sein?

Das Gefühl, mit einer jungen, österreichischen Band vor viel Publikum zu spielen und auch zu sehen, wie die sich freuen, das ist wirklich schön, dieses Kribbeln zu spüren, wenn sie auf die Bühne gehen – natürlich auch die Euphorie des Publikums. Anfangs war das eher aus Sicht der Bands, da lag der Schwerpunkt auf Booking und nicht Veranstalten, das kam erst später dazu. Es ist auch schön, jedes Mal ein bisschen größere Konzerte veranstalten zu können. So ein ausverkauftes Gasometer oder eine – in unserer Kapazität – ausverkaufte Stadthalle, das ist dann immer ein bisschen Belohnung für all die Arbeit, die man reinsteckt. Wenn alles reibungslos abrennt, wenn die Künstler zufrieden sind – das ist schon so etwas, das dir Bestätigung gibt, und es macht einfach Spaß.

Was sind für dich die Schwierigkeiten im Veranstalter-Business?

Na ja, Schwierigkeiten … man kann einmal die Größe des Landes anmerken – wenn man es mit anderen Territorien vergleicht, sind wir halt einfach ein kleines Land. Das bedeutet, dass man keine Riesentouren spielen kann, sondern erst mal schauen muss, dass man den Künstler überhaupt nach Österreich bekommt. Wenn er dann einmal hier ist, dann ist es zu 99 Prozent in Wien, weil das ist nun mal die größte Stadt. Weitere große Termine sind kaum möglich, wenn ich das aus Booker-Sicht mit Deutschland vergleiche, wo ich eine Tour problemlos mit acht Terminen in großen Städten spielen kann, das ist bei uns schon ein bisschen überschaubarer.
Ein weiterer Faktor sind die Kosten – da kann man gleich auch über die Ticketsteuer reden – wie produziere ich eine Show in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern, da kommt einiges auf einen zu: Ausländersteuer bei Künstlern, die Steuer auf die Tickets, deren Anhebung gerade heiß diskutiert wird, Personalkosten, die bei uns einfach höher sind, weil hier eben auch Steuern drin
stecken, es ist nunmal so, dass wir schauen müssen, dass wir wettbewerbsfähig sind. Weil klar, die Künstlergage wird ja wiederum an den verkauften Tickets gemessen, und dann ist halt einfach die Frage, wer mehr zahlt, um ihn herzubekommen. Das macht es nicht leichter.

Ihr fördert ja heimische Künstler enorm, so auch bei eurer Veranstaltung, dem Nuke-Festival. War das immer euer Ziel?

Total! Das war von Anfang an ein Anliegen, das beruht auch auf unserer Historie, die im Kern der österreichischen Musik geboren wurde. Wir haben schon damals versucht, nach unseren vorhandenen Möglichkeiten alle Kräfte zu bündeln. Zum Beispiel die Punk-Is-Dead-Tour, bei der wir österreichische Künstler zusammengepackt und gesagt haben: „Passt auf, wenn wir gemeinsam touren, kommen einfach mehr Leute.“ Das ergibt schon alles Sinn. Wir haben das versucht, so gut wir konnten. Aus dem heraus ist das alles gewachsen. Das Nuke Festival ist ein gutes Beispiel. Klar war uns das wichtig! Viele Österreicher, ich würde fast mal behaupten die angesagtesten aus dem Segment, dabeizuhaben, die aber auch nicht abzuschasseln, jetzt nicht zu sagen, ich mache eine eigene Bühne und stelle dort nur heimische Bands hin oder gebe ihnen irgendeinen Opener-Slot und danach nichts mehr. Das waren die Anliegen in diese Richtung.

Ihr habt ja nicht nur eure Künstler gebucht…

Nein, eigentlich nur Olympique. Und Cro, das ist halt kein Österreicher.

Außerdem habt ihr bei euren Veranstaltungen auch einen Hip-Hop-Schwerpunkt …

Der ist natürlich auch durch Chimperator entstanden und dadurch, dass wir da eine Nische gesehen haben, die hier nicht bedient wird. Es war natürlich auch ein Glücksfall, dass wir im ersten Jahr der Hip-Hop-Open gleich NAS zum ersten Mal nach Österreich holen konnten oder heuer A$AP Rocky, der ebenfalls zum ersten Mal hier ist.

Was bietet ihr Künstlern an?

Viel. Von Promotion und Management über das ganze Netzwerk, die Erfahrungen, die man durch das Betreuen von Bands sammeln konnte, da hat man natürlich auch viele Fehler gemacht. Aus
denen hat man gelernt und versucht, sie nicht mehr zu wiederholen. Man sieht das zurzeit ganz gut am Beispiel von Olympique, bei denen Kollege Kaufmann wunderbare Wege beschreitet. Neben Deutschland gibt es Partner in Dänemark, Schweden und Finnland – durch die Scorpio-Familie gibt es Dependancen, wo die Kollegen auch Festivals machen und wo ein Austausch passiert.
Olympique und Dame haben gerade ein Deutschland-Booking … Es ist nicht einseitig, das sieht man schon. Es muss sich jetzt einpendeln, aber ich glaub, dass das ganz gut wird.

Hip-Hop-Acts, Festivals und was Arcadia sonst noch im Talon hat, findet ihr hier:

[button color=”black” link=”http://www.oeticket.com/de/suche/?search_string=arcadia&partnerId=2872&utm_campaign=ticketmag&utm_medium=homepage
&utm_source=button” target=”newwindow”]Tickets bei !ticket kaufen[/button]

 

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!